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Artikelübersicht

M2390
Die Hüter der Schwelle
Von Martinus

9.1 Der Erdenmensch ist ein "verletzter Flüchtling zwischen zwei Reichen"
Ich halte mich gewöhnlich bei den Vorträgen hier in der Kolonie an Themen, die direkt im täglichen Leben aktuell sind, und vermeide es daher, so weit wie möglich, auf schwierige und tiefer greifende Analysen einzugehen. Deshalb möchte ich auch heute Abend gern über ein Thema sprechen, das in besonderem Grad eine Botschaft an uns alle hat. Dieses Thema heißt "Die Hüter der Schwelle".
Ich habe bisher nicht viel über dieses Thema gesprochen, habe jedoch dessen Vertiefung im "Livets Bog" versprochen, was auch geschehen wird.
Was ist das nun für eine "Schwelle", und was sind das für "Hüter"?
Ich habe Sie in meiner Arbeit gelehrt, dass der Erdenmensch auf einem Stadium in der Entwicklung ist, wo er sich als ein "verletzter Flüchtling zwischen zwei Reichen" befindet. Sie sind ja alle, jeder für sich, ein Wesen, das sich von primitiven Stadien zu seinem jetzigen erdenmenschlichen Stadium entwickelt hat. Dieses Stadium ist in besonderem Grad der Schauplatz für die Kulmination aller Leiden und Schmerzen, die ja darauf beruhen, dass Sie sich dahin entwickelt haben, in der Schöpfung Ihres täglichen Lebens mitbestimmen zu können. Sie haben die Fähigkeit bekommen, gehen zu können. Sie können sich hinsetzen und aufstehen. Sie können sprechen usw., alles nach Ihrem eigenen Gutdünken, Wunsch und Willen. Das Tragende in dieser Willensauslösung ist das Begehren nach dem Angenehmen. Aber nicht alles, was angenehm wirkt oder als behaglich empfunden wird, ist das Richtige und damit das, was am gesündesten und am meisten mit dem Weltplan in Kontakt ist. Gewisse Gifte können z.B. direkt süß und wohlschmeckend sein, sind aber nichtsdestoweniger absolut tödlich. Viele Manifestationen können aussehen, als seien sie richtig, hoch moralisch und gerecht. Sie können den Schein der Liebe haben und schaffen doch auch absolut Leiden, Kummer und Unheil, mentale wie auch physische Zerstörung und Verstümmelung.
9.2 Die Basis des Menschen für seine Willensauslösung ist noch nicht vollkommen
Solange das Angenehme oder das vermeintlich Angenehme also ausschließlich das auslösende Moment der Willensbestimmung ist, werden die Menschen unaufhörlich Leiden oder das unglückliche Schicksal auslösen, mit dem alle Erdenmenschen heute mehr oder weniger verbunden sind.
Die Basis des Menschen für seine Willensauslösung ist also nicht vollkommen. Die Fähigkeit, die Dinge als angenehm, als vermutlich moralisch und richtig zu empfinden, ist nicht ausreichend, um eine solche Basis für die Willensauslösung zu sein, dass diese eine unerschütterliche Garantie für eine direkte Schöpfung des absolut glücklichen Schicksals werden kann. Es gehört mehr dazu. Die Fähigkeit, die verschiedenen Formen von Behagen, unter denen sich die Zufriedenstellung des Willen auslösenden Begehrens zeigen kann, zu analysieren, gehört mit dazu. Da sich diese Fähigkeit jedoch ausschließlich auf "Wissen" gründet, muss dieses "Wissen" hinter der menschlichen Willensmanifestation aufgebaut werden, bevor diese zu einer hundertprozentig logischen Manifestation werden und damit eine entsprechende Garantie für die Schöpfung des allerhöchsten Glücks für ihren Urheber sein kann.
Wenn der Mensch dieses Wissen jedoch nicht hat und sich deshalb nur nach dem richten kann, was angenehm ist, handelt er ja noch teilweise blindlings, ja, bewegt sich sozusagen in einer Menge von Fallgruben, da viele der Dinge, die sich unmittelbar als angenehm zeigen, in Wirklichkeit, wie gesagt, Unglück hervorrufen. Deshalb ist es so schwierig zu leben. Viele Menschen haben es schwer, befinden sich in großen Leiden und Kämpfen, in deren Fußspuren manchmal wiederum neue Kämpfe und Leiden folgen. Die Erde ist ja gerade ein Himmelskörper, auf dem diese Formen von Erleben zur besonderen Kulmination kommen können.
9.3 Die verkehrten Dispositionen und die verkehrte Willensauslösung machen ein wahrhaft rationelles Wissen notwendig
Aber die Ergebnisse der verkehrten Dispositionen, der verkehrten Willensauslösung, der vielen entsetzlichen Leiden und Kümmernisse schaffen immer mehr Erfahrung für die Notwendigkeit eines wahrhaft rationellen Wissens und entwickeln dadurch die Empfänglichkeit für den "Heiligen Geist".
Dieser "Heilige Geist" ist ja nichts weniger als gerade das allerhöchste Wissen über das Weltall, über das Leben und dessen Gesetze. Die vielen Leiden entwickeln das Gefühlsleben der Menschen, d.h., geben ihnen die Fähigkeit, diese oder jene Handlung, diese oder jene Manifestation gegenüber ihrem Nächsten in immer größerem Umfang zu bereuen. Sie werden immer mehr entdecken, dass das Angenehme keine ganz solide Richtschnur, kein solider Maßstab für die Willensauslösung ist. Diese wird immer mehr eine Frage danach, was zu tun man "übers Herz bringen" kann. Es entstehen also Sympathien und Antipathien hinter der Willensmanifestation. Da diese Gefühlsmomente jedoch auch in hohem Grade fehlerhaft sein können, weil nicht alle Formen von Sympathie Liebe und nicht alle Formen von Antipathie Lieblosigkeit sind, gerät das Wesen in einem gewissen Entwicklungsstadium völlig durcheinander in Bezug auf das, was das Beste wäre "zu wollen". Die große Frage, "was soll ich tun, um selig zu werden", flammt von seiner ganzen Seele auf.
9.4 "Der Heilige Geist" strahlt in Form einer kosmischen Energiewelle aus dem Zentrum unseres Milchstraßensystems direkt auf die skandinavischen Länder
Die schweren Leiden haben also das Individuum zur Entdeckung und Erkenntnis seiner eigenen höchst mangelhaften Fähigkeit, sein eigenes Wesen, seine eigene innere Natur und Veranlagung zu steuern und zu leiten, gebracht. Und mit dieser Erkenntnis, die ja wiederum die Grundlage dessen ist, was wir "Demut" nennen, treten die Welterlösung und das Christusprinzip hilfreich hinzu. Dieses Prinzip ist wiederum ein Prinzip, das alles durchströmt und überall in der Natur zugegen ist. Es ist dieses Prinzip, das bedingt, dass ein jedes Kind, das zur Welt kommt, Eltern hat, deren Pflicht es ist, es liebevoll zu umsorgen, bis es selbst volljährig wird. Und es ist dieses Prinzip, das die Grundlage für die Gründung aller Formen von Religionen ist, für das Schaffen einer jeden Form von Verbesserung, Anhebung und Erweiterung von Moral und gesundem Denken, und wird hier von älteren Brüdern, die in der Entwicklung weiter sind, manifestiert, die somit als "Propheten" und "Weise" hervortreten und die am höchsten entwickelten und führenden von ihnen sind diejenigen, die man "Christuswesen" oder "Welterlöser" nennt. Dies gilt auch für heute. Christi Verheißung vom "Sprecher", dem "Heiligen Geist", den "der Vater in meinem Namen senden wird" usw. ist bereits dabei, in Erfüllung zu gehen. Der "Heilige Geist" strahlt heute mit erneuerter Kraft auf die Welt ein. Dieser Geist ist ja keine Person, sondern die leuchtende kosmische Materie, die das Einzige ist, was das Material zur Schaffung der Gedanken im Gehirn und im Bewusstsein sein kann, die das höchste Wissen über Gott, über die Natur des Weltalls und die höchsten Gesetze des Lebens sind. Diese Materie strahlt heute in Form einer kosmischen Energiewelle vom Zentrum unseres Milchstraßensystems direkt auf die skandinavischen Länder. Und diese bedingt z.B., dass ich das höchste kosmische Wissen manifestieren kann. Mein Bewusstsein hat ein Stadium erreicht, auf dem es dazu entwickelt ist, den "Heiligen Geist" entgegennehmen, erleben und wieder manifestieren zu können. Und die Wesen, die heute dazu entwickelt sind, an dieser höchsten Aufklärung Interesse zu haben, machen zusammen die "kommenden Geschlechter" aus, denen Christus den "Sprecher" verhieß, den diese "kommenden Geschlechter" verstehen könnten.
9.5 Auf der Schwelle zum Reiche Gottes
Dass es gerade der "Heilige Geist" ist, der durch mich manifestiert oder offenbart wird, können Sie selbst kontrollieren. Christus hat selbst das Kennzeichen angegeben und gesagt: "Man soll den Baum an seinen Früchten erkennen". Meine "Früchte" sind meine Klarstellung und Dokumentation dessen, dass die höchsten Aussagen der "Weisen" identisch sind mit der Wahrheit, mit der Wissenschaft. Und man wird in meinen Manifestationen nichts finden, was nicht auf jede Weise in dem in Liebe kulminierenden großen Allfazit oder in Gottes eigener Lebensanschauung "alles ist sehr gut" aufgeht. – Und meine Arbeit führt Sie also unvermeidlich zu jenem hellen mentalen Zustand, den ich als die "große Geburt" bezeichnet habe. Es ist ja auch zur Tatsache geworden, dass viele von Ihnen begonnen haben, die Nähe des göttlichen Geistes durch meine Arbeit, meine Analysen und mein kosmisches Wissen zu erleben.
Sie kommen also alle aus einer sehr dunklen Zone und sehnen sich nach diesem großen Licht, das Sie über den nachtschwarzen und tragischen Horizont des "Tierreichs" aufgehen sehen. Und haben Sie einzelne Felder in Ihrer Mentalität, die besonders weit entwickelt oder fertig sind, ja, dann haben Sie bereits durch diese angefangen, jenes mentale Wohlbefinden und die helle Lebensanschauung zu erleben, die der Anfang zur "großen Geburt" sind, weshalb ich diese Form von Erleben als "Vorgängerstadium" dieser "Geburt" bezeichnet habe.
Sie befinden sich also alle in der Nähe des Eingangs zu einem großen und herrlichen Reich des Lichts, dem Reich, das Christus als "nicht von dieser Welt" bezeichnete. Alle, die meine Arbeit in Liebe studieren, d.h. in Unparteilichkeit und Demut, konnten nicht umhin, deren göttliche Atmosphäre zu spüren. Und hier sind wir an der großen "Schwelle". Diese "Schwelle" ist also der Eingang zum "Reich Gottes", d.h. zur Vervollkommnung des Menschen zum "Abbild Gottes, ihm gleichend", die komplette Verwandlung des "Tieres" zum "Menschen", das Erleben des Menschen, "eins mit dem Vater" zu sein, die Einweihung oder Einhüllung seines Bewusstseins in ein permanentes Dasein im "Heiligen Geist".
9.6 Die unfertigen Naturen und Anlagen in der Mentalität verhindern den Eingang in "Gottes Reich" oder die "große Geburt"
Diese "Schwelle" hat also ihre "Hüter". Der Ausdruck ist ein wenig drastisch, aber in Wirklichkeit nur symbolisch. Man soll nicht glauben, dass vor dem "Reich Gottes" Hüter mit militärischer Ausrüstung stehen, mit Säbeln und Bajonetten, mit Schusswaffen und Sprengstoffen. Man soll auch nicht glauben, dass diese "Hüter" phantastische psychische Wesen mit großen magischen Fähigkeiten sind, Teufel oder Halbteufel, mystische Trolle mit tötenden Blicken und verhexten Worten. Nein, "Gottes Reich" wird unerschütterlich von einer ganz anderen Form von "Hütern" bewacht. Aber diese sind nicht weniger gefährlich als die eben genannten, insbesondere da sie sich denen, die sie am Übertreten der "Schwelle" hindern sollen, als die strahlendsten engelhaften Wesen zeigen, ausgestattet mit der charmantesten und vollkommensten Anmut, die man sich denken kann. Aber diese Herrlichkeit ist auch nur scheinbar. Diese "Hüter" sind nichts mehr oder weniger als die eigenen unfertigen Naturen oder Anlagen des Wesens.
Wenn die Wesen in ihrer Entwicklung die Nähe des "Eingangs" zu "Gottes Reich" oder der "großen Geburt" erreichen, haben sie natürlich alle groben Formen von Verstößen gegen die Liebesgesetze oder Nächstenliebe überwunden, die Formen, die sich in besonderem Ausmaß in direktem Mord oder anderen Formen von tödlichen Manifestationen auslösen. Diese Wesen haben natürlich in großem Ausmaß gelernt, vieles zu verzeihen, was sie früher außerstande waren zu können. Und sie haben vielleicht einzelne sympathische Anlagen, die bereits so vollkommen sind, dass diese ihren Urheber in Stand setzten, direkt in Verbindung mit dem Licht selbst oder dem göttlichen Geist zu kommen. Sie sind dadurch in einen großen Freudentaumel oder in Ekstase gekommen und glauben, die "große Geburt" bereits ganz als eigenes Erleben zu spüren. Aber es ist klar, dass diese Wesen nicht damit fortsetzen können, im Licht zu verbleiben. Die Naturen oder Anlagen in ihrer Mentalität, die nicht fertig sind, werden früher oder später zu einem fundamentalen Hindernis. Diese Naturen zeigen sich fast immer als nicht zufriedengestellte Begehren, Ansprüche oder Forderungen der einen oder anderen egoistischen Art. Diese unfertigen Naturen sind natürlich verhüllt oder getarnt, so dass ihr Urheber deren wahres Wesen in Wirklichkeit überhaupt nicht sieht oder versteht, sondern glaubt, dem Licht zu dienen oder die Sache zu stärken, indem er diese Naturen zur Auslösung kommen lässt.
9.7 Die "Hüter der Schwelle" bedeuten, den "Balken in seinem eigenen Auge" nicht sehen zu können
Wenn ein Wesen z.B. in seiner Begeisterung oder seinem Freudentaumel in größerem oder kleinerem Ausmaß dem Licht oder dieser oder jener Person, durch die das Licht manifestiert wird, finanzielle Unterstützung, physische Arbeit oder andere besondere Ausdrücke von Sympathie geleistet hat, dann werden die unfertigen Naturen, im Gegensatz zu den fertigen, entsprechende Ansprüche oder Forderungen nach Bevorzugung oder besonderer Berücksichtigung ihrer Person hervorbringen. Die Begeisterung am Licht kann natürlich so stark sein, dass sie diese Ansprüche oder Forderungen eine Zeitlang fernhalten kann. Aber nach und nach, wie die Anknüpfung ans Licht durch die wenigen fertigen oder fortgeschritten entwickelten Anlagen alltäglicher wird, kann sie die Begehren von den unfertigen Anlagen nicht in Schach halten. Und es entsteht daher in der Mentalität dieser Wesen allmählich eine wachsende Unzufriedenheit, die zum Schluss größer wird als die Freude über das Licht. Die unfertigen Seiten, die ja alle unvermeidlich egoistischer Natur sind, schaffen ein Gefühl dessen, dass man von den Repräsentanten des Lichts außer acht gelassen, ignoriert oder verkannt wird. Man fühlt sich ungerecht behandelt von denen, denen man geholfen oder die man unterstützt hat. Dieses Gefühl kann sogar so stark werden, dass man sich dazu berechtigt fühlt, gegen dieses "Martyrium" anzugehen, und es zu bekämpfen versucht. Und ohne dass man es tatsächlich weiß, ist man dabei, das Licht, das man vorher über alles auf Erden liebte, zu verfolgen und zu bekämpfen.
Dieser Kampf ist jedoch hoffnungslos und rammt nicht das Licht, sondern dessen "Hüter", d.h. also die unfertigen Naturen in einem selbst. Es wird somit niemals eine Situation entstehen können, in der man nicht ausschließlich, einzig und allein in Wirklichkeit mit sich selbst im Kampf ist.
Aber so empfindet man das natürlich nicht. Die Fähigkeit, seine eigene Schuld zu fühlen, ist hier also noch sehr gering und schwach. Und in einer solchen Periode, wo die genannten unfertigen Naturen die Macht haben, sieht man deshalb in besonderem Grade den "Splitter im Auge seines Bruders, während man den Balken in seinem eigenen Auge nicht gewahr wird".
9.8 Die unfertigen Naturen der Jünger Jesu
Die "Hüter der Schwelle" bedeuten also in besonderem Grade dies, den "Balken in seinem eigenen Auge" nicht sehen zu können. Und in dem Grad, wie man diesen nicht sehen kann, sondern nur alle Fehler, ja sogar die geringsten, bei seinem Nächsten sieht, ist es gegeben, dass man dadurch das Gefühl erhält, diesem Nächsten in der Entwicklung weit überlegen zu sein, ja, manchmal sogar das Gefühl, völlig fehlerfrei zu sein. Dies kann dementsprechend natürlich nur darin resultieren, dass man die eventuellen Unannehmlichkeiten in seinem Dasein als "Martyrium" und die Urheber dieses "Martyriums" als seine Verfolger empfindet. Diese "Verfolger" sind nicht immer Mitwesen außerhalb des Lichtes. Es können natürlich genauso gut Mitwesen innerhalb dieses Lichtes sein. Ja, man kann sogar annehmen, dass der größte Repräsentant des Lichtes, der "Welterlöser", verkehrt disponiert. Haben wir nicht die Erzählung über Judas? – Man sollte nicht glauben, dass er ein "Bandit" war, so wie man es nahezu in den Überlieferungen versucht zu beschreiben. Man sollte auch nicht glauben, dass es die dreißig Silbermünzen waren, die Judas zum Verrat an Jesus brachten. Nein, Jesu Jünger waren keine Gruppe von "Banditen" oder "Geizhälsen". Sie waren eine Gruppe Wesen, die so weit in der Entwicklung waren, dass sie Naturen in sich hatten, die sie empfänglich und begeistert für das Licht machten und die bewirkten, dass sie im Licht waren, Seite an Seite mit dem Welterlöser lebten und seine persönlichen Freunde wurden. Und glaubt man nicht, dass diese Wesen außerordentlich glücklich über diese Freundschaft waren? – Aber machten sich die unfertigen Naturen nicht auch hier geltend und rissen diese Wesen eine Zeitlang fort vom Licht? – Sah man nicht das Eigentümliche, dass sie tatsächlich nicht an Jesu eigene Aussage über sein bevorstehendes Leiden und seinen Tod glaubten? – Sehen wir hier nicht in derselben Erzählung, dass sich der Apostel Petrus weigerte, sein Wissen von und sein nahes Verhältnis zu Jesus zuzugeben, und zwar wiederholte Male? Und verschwand das Licht nicht von ihm? – Steht nicht geradezu geschrieben, dass er "fort ging und bitterlich weinte"? –
9.9 Judas war kein "Bandit"
Was Judas betrifft, sollte man nichts anderes glauben, als dass er von den besten und edelsten Vorsätzen aus handelte. Andernfalls wäre er ja das gewesen, was wir mit dem Begriff "Bandit" bezeichnen. Da man sich aber nicht vorstellen kann, dass Jesu persönlich gewählte Umgangsgenossen und Freunde "Banditen" sind, wird hier offenbar, dass Judas ein von ihm selbst als edel aufgefasstes Motiv für seine unglückliche Tat gehabt haben muss. Und dies wird weiter zur Tatsache durch seinen Selbstmord. Glaubt man nicht, dass dieser auf Angst und Verzweiflung über die Wirklichkeit beruhte, die sich ihm offenbarte, als er Jesu Gefangennahme verursacht hatte? Glaubt man nicht, dass es der Kummer war über die Misshandlung, die seine Maßnahmen seinem hoch geliebten Meister verursacht hatten? – Was sonst sollte es gewesen sein? – Hatte er denn nicht im Voraus begriffen, dass seine Handlung unumgänglich diese entsetzliche Misshandlung des Welterlösers herbeiführen würde? – Ach nein! Das hatte er wahrhaftig nicht begriffen. Die "Hüter der Schwelle" – seine eigenen unfertigen Naturen, d.h. sein starkes Begehren, der Welt, seiner skeptischen Familie und seinen früheren Freunden die Größe seines Meister zu zeigen – hatten ihm schon lange vorgegaukelt, dass "Gottes Sohn" allmächtig und somit physisch unantastbar sei. Und dass alle, die Hand an ihn legen wollten, gelähmt werden würden und die Größe und göttliche Herkunft des Welterlösers durch seine (Judas') Handlung allen Menschen offenbart und enthüllt werden würde
9.10 Die Ursache zu Judas' Selbstmord
Göttliche Größe wird jedoch nicht durch brutale psychische oder physische Machtentfaltung offenbart. Die Wirkungsmittel des Welterlösers sind nicht der Tod und die Unschädlichmachung von Widersachern und Skeptikern durch Erdbeben, Blitz und Donner, auch nicht durch Schwert und Speere, Bogen und Pfeile. Er wirkt dagegen nur dadurch "die linke Seite hinzuhalten, wenn er auf die rechte geschlagen wird." –
Ein solches Wirken ist jedoch allzu langsam für stark "Gläubige" und interessierte Wesen jener Art, deren unfertige Seiten sie noch zu sensationshungrigen und ehrgeizigen Hitzköpfen machen. Um jedoch die Zufriedenstellung solcher Lust und Begehren mit dem entwickelten Gewissen in Einklang zu bringen, muss sie gerechtfertigt werden. Und Judas fand also die Begründung in Jesu vermeintlicher, physischer Unverletzbarkeit. Ja, diese Begründung wurde in seinem Bewusstsein so stark, dass sie völlig des Meisters eigene permanente Deutung und Beschreibung, dass "sein Reich nicht von dieser Welt" war, übertönte. Und Judas ging verblendet seinen "eigenen Weg". Im Glauben, in "Gottes Reich" einzugehen, ging er aus "Gottes Reich" heraus. Im Glauben daran, der Helfer des Welterlösers und damit der Wohltäter der Menschheit zu sein, wurde er für alle Zeiten zum Verfolger des Meisters und der symbolische Ausdruck der Menschheit für Verrat.
Und hier haben wir die Grundursache zu seinem Selbstmord. Als der gute und entwickelte Mensch, der er ja sonst war, und was bewirkt hatte, dass er der Jünger des Welterlösers wurde, konnte er es nicht ertragen, die wirklichen Konsequenzen seiner Handlung, deren nackte und wahre Wirklichkeit zu sehen. Er konnte es nicht aushalten, die entsetzliche Folter und die Misshandlung zu sehen, denen sein geliebter Meister ausgesetzt wurde. Und da er es nicht vermochte, ihn von den Leiden zu befreien, ja, nicht einmal seine Reue vor ihm auszuweinen, weil dieser von starken und brutalen Wachen umgeben war, fühlte er, dass er nur mit seinem eigenen Leben Buße tun konnte. (Siehe auch mein Buch "Ostern".)
9.11 Eine getarnte Rechtfertigung der Zufriedenstellung eigener und egoistischer Begehren
Wir haben hier das beste Bild der Mission, die unter dem Begriff "Die Hüter der Schwelle" stattfindet. Wir haben Judas ins Licht treten und Jesu Jünger werden sehen. Und wir haben gesehen, wie Judas' unfertige Seiten, das Sensationsbegehren und die daraus entstandene Ungeduld über das, nach seinen Begriffen, allzu langsame Wachsen der Jesus-Bewegung, ihn dazu brachten, etwas zu tun, was, wie er meinte, dieser Bewegung nutzen und sie beschleunigen könnte. Diese seine Meinung war also in Wirklichkeit nur eine getarnte Rechtfertigung eigener oder egoistischer Begehren, die er noch in seinem Bewusstsein hatte und die ihn also davon abschnitten, seinem Meister vollauf folgen zu können, ja, die dessen Worte völlig übertönten.
Man soll nicht glauben, dass es heute anders ist. Sie sind alle, wenn Sie ein wahres Interesse an der Geisteswissenschaft, an meiner Arbeit, haben, in der Nähe des Lichtes und haben mehr oder weniger angefangen, jenes wundersame Wohlbehagen zu fühlen, das diese in der Seele hervorbringen kann und sind in entsprechendem Grade mehr oder weniger ihre Jünger geworden. Da Sie jedoch die "große Geburt" noch nicht erreicht haben, haben Sie Seiten, die noch unfertig sind. Und diese Seiten werden also bewirken, dass Sie alle zusammen, ein jeder von Ihnen, mehr oder weniger, früher oder später, als ein "Judas" hervortreten können und sich selbst dessen unbewusst ein Verräter an jenem Licht werden, das das größte Glück Ihres Lebens war. Seien Sie deshalb alle auf der Hut. Sie können, ohne es zu wissen, dem Welterlöser selbst gegenüberstehen. Und da er in Bezug auf die höchsten Fakten absolut unfehlbar ist und die von ihm von diesen aus vorgenommenen Dispositionen die einzig richtigen sind, werden Sie unvermeidlich in jeder Situation zu kurz kommen, in der Sie Kritik äußern und meinen, er sollte anders gehandelt haben, dieses oder jenes auf die Weise getan haben, die Sie als richtig betrachten und die vielleicht geradezu im Widerspruch zu der Auffassung des Welterlösers steht. Und denken Sie auch daran, dass Ihre Kritik in seiner Nähe doppelt gefährlich für Sie selbst ist, da diese Nähe eine verstärkte Mobilisierung alles dessen in Ihrem Bewusstsein hervorruft, das dazu dienen kann, die Begründung Ihrer Kritik mit den edelsten und engelhaftesten Formen zu tarnen, so dass diese Sie in den goldensten und strahlendsten Farben davon überzeugt sein lässt, dass Sie recht haben, und Ihnen auf die gleiche Weise zeigt, dass Sie ungerecht behandelt werden, dass Sie Märtyrer sind und verfolgt werden, wenn sich der Welterlöser nicht nach Ihnen richtet.
9.12 Wann man sicher sein kann, kein "Judas" zu sein
Aber ein Welterlöser schließt keinen Kompromiss mit den schlechten und egoistischen Begehren der Menschen, ganz gleich, wie sehr man ihn auch unterstützt haben möge, ganz gleich, wie sehr man auch selbst meint, sich für ihn, seine Sache oder das Licht geopfert zu haben. Ihm sind alle menschlichen Bewusstseinsstufen offenbar und jeder gewohnheitsmäßige menschliche Irrtum leicht durchschaubar. Er kann deshalb nur seiner eigenen Bahn folgen, unabhängig von Lob oder Tadel, unabhängig von der Aussicht auf Rückenwind oder Gegenwind, unabhängig von der Aussicht, dadurch Freunde zu verlieren oder sich Feinde zu schaffen. Allein auf diese Weise kann er permanent "eins mit dem Weg, der Wahrheit und dem Leben" sein. – Andernfalls würde er ja eins sein mit den verirrten, verblendeten und unfertigen Wesen, deren Macht und Einfluss er sich beugen würde.
Ich hab hier nicht auf irgend jemanden oder auf irgend etwas in dieser Sache angespielt, sondern nur gewünscht, Ihnen die für die Entwicklungszone, in der Sie sich befinden, prinzipiellen Dinge zu zeigen, Dinge, denen Sie deshalb alle mehr oder weniger hier in der Nähe des Lichts oder wenn Sie anfangen, vom "Heiligen Geist" überschattet zu werden, begegnen können.
Und wenn Sie mich nun fragen, wann Sie sicher sein können, kein "Judas" zu sein, dann möchte ich Ihnen antworten: "Wenn Sie sich so in das göttliche Licht eingelebt haben, dass Sie fühlen, dass niemand Unrecht tun und niemand Unrecht leiden kann, und dass Sie selbst die tiefste Ursache einer jeden gegen Sie gerichteten Unannehmlichkeit sind und sich deshalb niemals als Märtyrer fühlen können, niemals empfinden, dass Sie von diesem oder jenem ungerecht behandelt worden sind, ganz gleich, was dies auch für Sie bedeuten mag, und deshalb auch niemals Zorn gegenüber irgend jemandem oder irgend einer Sache empfinden, sondern die ganze Zeit über in einer permanenten Freude über das Erleben des höchsten und letzten Fazits des Weltplanes "Alles ist sehr gut" leben, dann brauchen Sie nicht zu befürchten, dass Sie ein Judas sind, denn dann werden Sie nicht diesen oder jenen kritisieren oder angreifen. Dann können Sie sich allerhöchstens in aller Freundschaft von diesem oder jenem zurückziehen, der nicht in Harmonie mit ihnen sein kann. Denn dann sind Sie selbst "der Weg, die Wahrheit und das Leben" geworden."
Der Artikel wurde von Martinus für den dänischen Kosmos Nr. 7, 1937 vor dem Hintergrund eines Vortrags geschrieben, den Martinus am 15. Juli 1937 im Martinus-Center Klint hielt. Erstmals im dänischen Kosmos unter dem Titel "Tærskelens vogtere" erschienen. Artikel-ID: M2390. Übersetzung: Liesel Lind. Erstmals im deutschen Kosmos 3/2011 veröffenticht.

© Martinus-Institut 1981, www.martinus.dk

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