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M2467
Der Weg nach Shangri-La
Von Martinus

1. Ein Dank an alle, die der Sache geholfen haben
Ich will Ihnen gerne recht herzlich und innerlich für den wunderbaren Abend danken, den Sie mir geschenkt haben. Er wird mir bei der Fortsetzung meiner Arbeit eine große Inspiration sein und ich danke Ihnen nicht nur für diesen Abend, sondern darüber hinaus für all die Hilfe, die ich über die Jahre bekommen habe. Gleich von Anfang an haben liebevolle Menschen meine Arbeit, meine Schaffung der Analysen und Vorträge begleitet, und die Sache wäre ohne diesen Kreis von liebevollen Menschen nicht so weit fortgeschritten, wie sie es jetzt ist.
2. Die Sache ist keine Sekte – sie ist ein Shangri-La
Was ist das für eine Sache, die daraus entstanden ist? Was ist es, das bewirkt, dass mich Menschen unterstützt haben? Was ist das, das wir haben? Haben wir mit dieser Sache den Menschen etwas zu bieten? – Ja, das haben wir!
Diese Sache ist nicht zu einer Sekte geworden; sie ist gewiss zu einer Sache geworden, aber sie ist mehr als eine Sache: Sie ist ein Shangri-La!
In dem Film "In den Fesseln von Shangri-La" ("Lost horizon" 1937) hieß es, dass die Menschen in Shangri-La ein Wissen von alten Kulturen besäßen, das die Welt erlösen könnte. Wir können in allerhöchstem Grade sagen, dass wir über das Wissen verfügen, auf dem die Zukunft der ganzen Menschheit beruhen wird. Ich kann das mit vollständiger Sicherheit sagen, weil ich weiß, dass der Menschheit nun alle die Aufklärungen gegeben wurden, die nötig sind, damit das Lebensmysterium für den Verstand der Menschen so offenbart werden kann, dass sie nicht einmal Intuition benötigen, um da hineinzukommen. Wir sind und haben ein solches Shangri-La hier. Wir haben das höchste Wissen. Wir haben das, was das Kulturfundament der Zukunft sein wird.
3. Der lange und beschwerliche Weg nach Shangri-La
Es ist aber nicht so einfach, zu diesem Shangri-La zu kommen. Es sind da, wie wir in dem Film sehen, hohe Berggipfel und Felsformationen zu überwinden und die, die nach Shangri-La kamen, kamen unter vielen Mühen und Strapazen dorthin. Das Shangri-La, das die kosmischen Analysen darstellen, ist gleichfalls etwas, das nicht so leicht zugänglich ist. Es gibt eine Menge Menschen, die diese Wanderung überhaupt nicht antreten können, die die kosmischen Analysen überhaupt nicht sehen können. Es gibt Menschen, für die das nur Druckerschwärze und Papier ist. Kosmisch gesehen sind sie Analphabeten, und das kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen.
Symbolisch betrachtet sind zwei Drittel der Menschheit geistige Analphabeten und ein Drittel ist stark auf dem Weg nach Shangri-La. In diesem einen Drittel der Menschheit finden wir alle die vielen humanen Sekten und Gemeinschaften. Jede von ihnen hat ihre jeweils eigenen Vorstellungen, die mehr oder weniger von der wirklichen Wahrheit abweichen, aber sie haben etwas von der Wahrheit, sie sind auf dem Weg. Sie haben verschiedene Felsabhänge und steile Bergwände, die sie erklimmen müssen, um zu dem wirklichen Shangri-La zu kommen, d.h. zu der wirklichen Wahrheit über das Leben, aber sie sind alle auf dem Weg.
Die zwei Drittel der Menschheit, die sozusagen noch nicht auf dem Weg sind, werden von der Gottheit bearbeitet, von ihrem Karma, das ja über die Welt kommt und bewirkt, dass es schnell gehen wird. Sie werden also das finstere Schicksal durchmachen, das sie in ihrem primitiven Zustand ausgelöst haben.
4. Einige Menschen sind bereits oben bei der Pforte zu Shangri-La
Die, die zu dem ersten Drittel gehören, sind ja diejenigen, welche ihr finsteres Karma schon durchgemacht haben. Das sind diejenigen, die sich nicht vorstellen können, zu töten. Sie bringen es nicht übers Herz, Tieren Schaden zuzufügen, sie bringen es nicht übers Herz, Fleisch zu essen, sie bringen es nicht übers Herz, überhaupt etwas Böses zu tun. Neid und dergleichen haben sie überwunden, denn Missgunst, Intoleranz, Futterneid, Hass und Rachsucht sind gerade die Felsabhänge, die man überwinden muss, um zu dem Shangri-La, das wir in Händen halten, zu kommen. Und deshalb kann man gut verstehen, dass die vielen Menschen in den übrigen zwei Dritteln noch einige Beschwerlichkeiten werden durchmachen müssen.
Das bedeutet, dass wir, je nachdem es die Fähigkeiten erlauben, zu dem Drittel gehören, wo man keinen Gefallen mehr daran findet, Krieg zu führen oder mit Militarismus zu tun zu haben, wo man keine Tiere schlachten will, kein Fleisch essen oder Schaden anrichten will. Es sind ja diese Menschen, die auf dem Weg sind.
Nun darf ich aber sagen, dass die Menschen, die so weit gekommen sind, dass sie sich die kosmischen Analysen wünschen, sie begehren und nach ihnen dürsten und hungern, und in deren Begehren und Sehnsucht nach dem Göttlichen diese Analysen genau hineinpassen, – die sind schon oben an der Pforte zu diesem Shangri-La. Mit Pforte meine ich hier kosmische Erleuchtungsblitze. Wenn diese Menschen allmählich in der Liebesentwicklung so weit gelangt sind, werden sie nämlich kosmische Erleuchtungsblitze bekommen, d.h., sie werden beginnen, in dieses Shangri-La hineinschauen zu können. Sie beginnen, die Unsterblichkeit sehen zu können, sie beginnen, intuitiv zu erleben und zu erleben, dass man seinen Nächsten lieben soll wie sich selbst, um zu einem fertigen Menschen werden zu können. Die, die dahin gelangt sind, die so weit sind, nach Zufriedenstellung durch die kosmischen Analysen zu hungern, sind am Ende des Weges. Aber alle anderen müssen ja ihre Irrtümer überwinden, sie müssen wegkommen von ihrem Aberglauben und den fehlerhaften Dogmen, von denen sie noch abhängig sind. Aber sie kommen alle dahin, sie sind alle auf dem Weg.
5. Der Krieg vernichtet sich selbst. Das grobe und das leichtere Karma
Es ist eine große Ermutigung zu wissen, dass dieses Drittel der Menschheit keine Angst vor den kommenden Kriegen haben muss. Es kommen ja Kriege, die Kriege sind unumgänglich. Wenn es zwei Drittel der Menschen gibt, die Krieg wollen und die glauben, dass es notwendig ist, Krieg zu haben, die glauben, dass man den Krieg durch Krieg abschaffen kann, so ist es ja klar, dass sie den Krieg erleben werden, so viel sie das nur wollen. Aber der Krieg mit allen seinen Leiden und unglücklichen Zuständen hat die göttliche Eigenschaft, dass er, nachdem die Menschen ihn durchgemacht haben, eine Fähigkeit hervorruft, die bewirkt, dass sie es nicht mehr übers Herz bringen, Böses zu tun.
Die kommenden Kriege werden bewirken, dass der Krieg sich selbst vernichtet. Die Menschen, die die Kriege erlebt haben, werden auch zu Wanderern zu diesem Shangri-La, zu den kosmischen Analysen, und das ist etwas, das im Verhältnis zur bisherigen Entwicklung schnell gehen wird. Die Welt und die Menschheit bewegen sich in einer kolossal explosiven Entwicklung vorwärts. In unseren Tagen entwickeln sich die Menschen in zehn Jahren fast mehr, als sie das früher in einem Jahrhundert oder mehr taten. Die Entwicklung geht jetzt sehr rasant voran.
Für diejenigen, die jetzt die kosmischen Analysen suchen, handelt es sich gerade darum, nie zu vergessen, was ihnen helfen kann, vorwärts und nach oben zu kommen. Denn sie sind, auch wenn sie wohl über das grobe Karma hinaus sind, nicht frei von Karma. Das grobe oder schwere Karma entsteht durch Mord, Totschlag, Folter und ähnliches, das man anderen zufügt. Dieses Karma kommt ja in Form von Mord, Totschlag, Folter usw. wieder zurück. Die Menschen, die das überstanden haben, haben nurmehr ein leichteres Karma zu erwarten. Wenngleich sie also die kosmischen Analysen suchen und obwohl sie auch so weit sind, sie rein theoretisch zu verstehen, bedeutet das ja nicht, dass sie ganz frei von Karma sind. Sie haben immer noch gewisse kleinere Fehler und gewisse Kleinigkeiten, die unvollkommen sind, die ein leichteres Karma erzeugen. Das große Karma, das die kommenden Kriege bringen, wird ja alle die Menschen treffen, die den Krieg erzeugen.
6. Die Pioniere der neuen Weltkultur
Das Drittel der Menschheit wovon ich spreche, bilden namentlich die Menschen, die zu den kosmischen Analysen vorgedrungen sind. Sie sind über die Sektenbildung hinausgekommen, sind zu freien Menschen geworden, und nicht durch Vereinigungen gebunden. Ein Wissen kann nicht in eine Vereinigung eingeschlossen sein, Wissen ist etwas, das den Menschen allmählich, während sie sich darauf zu entwickeln, gegeben wird. Die kosmischen Analysen sind für solche Menschen berechnet, und diese sind die Pioniere für die neue Weltkultur.
Es gilt, nicht zu vergessen, dass man die Gelegenheit bekommen hat, an dem Erlebnis dieser göttlichen Offenbarung des Weltbildes, der göttlichen Gesetze und der Lösung des ganzen Lebensmysteriums teilzuhaben und sie zu unterstützen. Es wäre auch gut, wenn man sich bewusst ist, dass man selbst dazu beiträgt, dass andere Menschen das auch erleben können, und das kann man gerade, indem man sich das Beten zu eigen macht.
7. Es ist eine gute Angewohnheit, jeden Tag zu beten
Christus hat uns gelehrt, dass man überall beten kann und dass man beten und nicht ermüden sollte. (Lk 18,1). Beten bedeutet nicht, dass man auf die Knie fallen muss. Gott ist nicht jemand, der sagt: "runter auf die Knie". Gott ist nicht kleinlich und verlangt nicht, dass man die Hände faltet, bestimmte Stellungen einnimmt oder bestimmte Zeremonien ausführt. Man muss nur einen Gedanken hinaufschicken, selbst der kleinste Seufzer wird gehört. Es gibt eine ganze Schar hochentwickelter, eingeweihter Wesen, die Gottes Werkzeuge sind, um die Welterlösung voranzubringen, und die dazu eingeweiht sind, die Gebete aller Menschen zu hören.
Es ist gut, jeden Tag zu beten, man kann den neuen Tag mit einem Gebet beginnen und man kann beten, bevor man zu Bett geht. Jeden Abend, bevor ich zu Bett gehe, bete ich ein Gebet und danke für den vergangenen Tag und ich bete immer noch darum, dass ich die richtigen Dinge sagen und tun möge. Ich brauche auch das Gebet, wenn ich mit Menschen sprechen soll, die unglücklich sind, wenn ich einen Vortrag halten oder an den Sachen arbeiten soll, die ich Menschen weitergeben soll. Ich bete zu Gott darum, dass sich nichts hineinmischt, das schädlich sein kann, sondern dass alles zusammen zum Segen gereichen möge. Das ist eine ausgezeichnete Angewohnheit!
8. Wir haben ein angeborenes stilles Kämmerlein in unserem eigenen Bewusstsein
Man kann beten, wenn man in einem Auto sitzt, während man mit anderen Menschen spricht oder in einer Versammlung anwesend ist. Man kann immer ein Gebet sprechen, man kann immer die Tür zu seiner Kammer schließen. Christus sagt ja: "Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten." (Mt 6,6. Siehe auch LB3 Abs. 755).
Ja, man kann in eine Kammer gehen und allein sein und dort beten. Das ist aber etwas umständlich, denn nicht überall hat man Zugang zu so einer Kammer. Wir haben hingegen eine angeborene Kammer in unserem eigenen Bewusstsein. Wir können ein Gebet zu Gott senden, auch wenn noch so viele Menschen um uns sind, das können sie nicht entdecken, und das können wir ruhig tun. Dass man das Gebet immer im Bewusstsein hat, ist das, was ich all den Menschen empfehlen möchte, die jetzt so weit gekommen sind, sich für die kosmischen Analysen zu interessieren und die dazu beitragen, die ganze neue Weltkultur herbeizuführen.
9. Das Gebet wirkt selbst dann, wenn man nicht daran glaubt
Man braucht nicht einmal an das Gebet zu glauben, es wirkt trotzdem. Dass man meint, glauben zu müssen, ist auch ein Aberglaube, das ist nicht notwendig. Aber es gibt viele Menschen, für die es neu ist, zu beten. Wenn Menschen zu mir kommen, die unglücklich sind, frage ich: "Beten Sie nicht zu Gott?" – "Beten zu Gott? Nein, ich kann kein Vaterunser beten, da mischen sich so viele Gedanken in das Vaterunser hinein." – "Ja, aber Sie müssen auch nicht das Vaterunser beten. Sie brauchen nicht irgendwelche langen Verse zu beten. Wenn Sie in einer schwierigen Situation sind, können Sie einfach denken, ob Ihnen wohl geholfen werden könnte, damit Sie diese schwierige Situation überstehen. Das können Sie machen, indem Sie Ihren Gedanken zu Gott senden. Tun Sie das, selbst wenn Sie nicht daran glauben! Tun Sie es trotzdem! – Sie werden dann schon sehen, dass es wirken wird."
10. Das tägliche Gebet gibt eine immense Sicherheit
Wenn man jeden Tag betet, wird das zu einer lebendigen Wirklichkeit, auf die man nicht verzichten kann. Man wird mit einer immensen Sicherheit durch die Welt gehen. Wenn man Gott bei allen seinen Unternehmungen dabeihat, ist man über Angst und Furcht erhaben, egal was einem begegnet. Auf diese Weise kann man eben all die Klippen, Felsen und Steilwände überwinden, die ich zuvor erwähnt habe und die in Form von Intoleranz, Hass, Eifersucht und Neid als Hindernisse auf dem weiteren Weg liegen. Durch die Macht des Gebets bekommt man eine große Hilfe, um diese Dinge zu überwinden und mit den kosmischen Analysen auf eine Wellenlänge zu kommen, und damit auf eine Wellenlänge mit der Allliebe, die das ewige Licht ist, das wir erreichen müssen, um zum Menschen im Bilde Gottes zu werden.
11. Durch das Gebet kann man seine Feinde lieben lernen
Man sollte einfach zu Gott beten, auch wenn man meint, dass man es nicht nötig hat. Man kann trotzdem immer einen Gedanken hinaufschicken und man wird erleben, dass man damit ein Talent erzeugt, das eine lebendige Verbindung zwischen der göttlichen Vorsehung und einem selbst herstellt. Man wird entdecken, wie Angst und Furcht verschwinden und man wird in einer göttlichen Geborgenheit leben. Das hat zur Folge, dass man zu großem Nutzen und zu Freude und Segen für andere Menschen wird, und das ist ja das, was man sein soll. Man kann in besonderem Maße das Gebet benützen um seine Feinde lieben zu lernen. Es ist einfach, diejenigen zu lieben, die uns gegenüber liebevoll sind, das große Problem, die schlimmste Wand oder das größte Hindernis ist hingegen, dass die Menschen ihre Feinde nicht lieben, dass sie nicht diejenigen segnen, die sie verfluchen. Aber durch die Macht des Gebets können sie also Hilfe bekommen, um diese Schluchten und steilen Felsen zu überwinden.
12. Gott spricht durch alle Menschen mit uns
Noch einmal möchte ich Ihnen richtig herzlich für diesen wunderschönen Abend danken, für all die großen Liebesbeweise und all die Hilfe und Unterstützung, die Sie mir die ganze Zeit geben. Dadurch fühle ich eine innere Sicherheit, genauso wie ich auch durch mein Verhältnis zur Gottheit eine große Sicherheit fühle. Ich sehe die Gottheit in Ihnen und Gott spricht ja mit mir durch Sie. Gott kann ja nicht zu mir durch ein Nichts sprechen, sondern durch alle die Menschen, die über meine Rede reflektieren. Man muss verstehen lernen, dass Müller, Meier und Schmidt Gottes Werkzeuge sind, Gott spricht durch alle Menschen. Man steht immer Gottes Anrede gegenüber, egal, mit wem man es zu tun hat, und da kommt einem das Gebet zu Hilfe. Damit will ich sagen: "Vielen Dank für diesen wunderbaren Abend!"
Diese Ansprache zu seinem 79. Geburtstag hielt Martinus am 11. August 1969 im Restaurant Josty, Frederiksberg. Die Tonbandaufzeichnung (der Rede) ist bearbeitet von Ole Therkelsen und vom Rat gutgeheißen. Zum ersten Mal erschienen im dänischen Kosmos 1993/8. Artikel-ID: M2467. Übersetzt aus dem dänischen Kosmos 2023-1, Vincent Stadlmair

© Martinus-Institut 1981, www.martinus.dk

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