M3014
Können geistige Probleme verwissenschaftlicht werden?
Von Martinus
Können so große Probleme wie die Vorsehung, die Reinkarnation und die Unsterblichkeit aus dem Bereich der Mystik herausgehoben und als reale, unwiderlegbare Tatsachen oder akzeptable wissenschaftliche Fakten offenbart werden, die analog zu anderen Wissenschaften einer intellektuellen Untersuchung zugänglich sind?
Die Antwort:
Die oben genannten Probleme können, wie alle anderen geistigen Probleme, vom Eingeweihten oder intellektuell entwickelten, kosmisch bewussten Beobachter in Form von wissenschaftlichen Fakten erkannt werden, die an sich unwiderlegbare Beweise für denjenigen sind, der dem Verlauf der Analysen folgen kann. Da aber diese Probleme oder Phänomene von so hohem Rang sind und die tragenden Säulen des Weltgefüges ausmachen und folglich zum festen unerschütterlichen Fundament allen höchsten Kulturschaffens werden müssen, stellen sie Phänomene dar, die sich über das zeitlich-räumliche Denken und Wahrnehmen erheben. Die Dokumentation oder der Nachweis dieser Themen in Form von wissenschaftlichen Fakten oder Geisteswissenschaft muss sich daher von den Fakten der gewöhnlichen, bekannten Wissenschaft dadurch unterscheiden, dass sie nicht wie diese von den gewöhnlichen physischen Sinnen und der daraus resultierenden materialistisch betonten Intelligenz erkannt werden können.
Sie können nur durch eine höher entwickelte bewusstseinsmäßige oder geistige Struktur erkannt werden. Eine höhere geistige Struktur existiert aber einzig und allein nur als Ergebnis eines höheren ethischen oder moralischen Denkens und Vorstellungsvermögens. Wenn also die höchsten mysteriösen Probleme nur durch eine auf Humanität und Wahrheitsliebe basierende Wahrnehmung gelöst werden können, dann gerade deshalb, weil sie nicht direkt physisch gesehen oder erlebt werden können, sondern nur durch Denken, Intuition und Vorstellungskraft, also Fähigkeiten, die nur durch die totale geistige oder mentale Souveränität eines Wesens vervollkommnet werden, also einen Zustand, der unmöglich in dem Wesen oder Menschen existieren kann, dessen Gedanken allzu sehr von der Befriedigung persönlicher oder egoistischer Wünsche kontrolliert oder geprägt sind. Ein Wesen, dessen Gedankenfunktion ein Spielball aller möglichen egoistischen Wünsche ist, kann unmöglich die absolute Analyse der ewigen Realität oder Wahrheit erfahren oder formulieren.
Die niedrigen tierischen oder selbstsüchtigen Wünsche können die physische Wahrnehmung nicht blenden oder verzerren. Ein Baum kann von einem Dieb genauso gut gesehen werden wie von einem ehrlichen Menschen. Das Gleiche gilt für den physischen Sonnenschein. Er wird von einem Banditen und einem Heiligen gleichermaßen wahrgenommen. Die moralische Struktur des Menschen hat keinerlei Einfluss auf solche Sinnesformen. Erst wenn das Wesen mit der Erfahrung oder Wahrnehmung auf der intellektuellen oder geistigen Ebene jongliert, wird die moralische Struktur zu einem mitwirkenden Faktor bei der Erschaffung des endgültigen Ergebnisses im Erleben. Solange die starken egoistischen Begierden oder Wünsche des Wesens die Mentalität beherrschen, wird es sein geistiges Erleben und Wahrnehmen und damit seine Erfahrung, Intelligenz und Vorstellungskraft mehr zugunsten der Befriedigung dieser Wünsche als wirklich zugunsten der Offenbarung der Wahrheit ausformen. Seine Offenbarung der Wahrheit wird somit eher ein Abbild der geistigen Schwäche oder Instabilität des Wesens als der wirklichen Wahrheit. Nur das Wesen, das in seinem Bewusstsein über alle selbstsüchtigen Wünsche völlig erhaben ist, kann daher die Wahrheit in ihrer strahlenden Reinheit erfahren und mitteilen.
Es gibt also zwei Arten von Wahrnehmung: eine physische und eine geistige. Durch die physische erfährt das Wesen nur die physischen Reaktionen und ihre Analysen durch die Intelligenz, welche die Grundlage der modernen materialistischen Wissenschaft bilden. Danach kommt die geistige Wahrnehmung, die auf Intuition und völlig selbstlosem Denken und Vorstellungsfähigkeit beruht. Auf dieser letzten Form der Wahrnehmung wird das ewige Weltbild und die jetzt beginnende kulturelle Schöpfung einer neuen Weltepoche und der daraus resultierende dauerhafte Frieden auf Erden beruhen.
Dass die höchsten Fazite des Lebensmysteriums dem materialistischen oder egoistischen Menschen nicht bewiesen werden können, sollte hier selbstverständlich sein, da seine geistige Struktur in den Fangarmen seiner egoistischen Begierden gebunden ist, die ihn dazu zwingen, seine Gedanken und Auffassungen zu ihren Gunsten zu gestalten.
Anders verhält es sich mit dem befreiten oder souverän denkenden Geistesmenschen. Frei von allen selbstsüchtigen Begierden kann sein Sinnesinteresse nur einen Zweck haben, nämlich die Wahrheit seiner absoluten göttlichen strahlenden Wirklichkeit zu offenbaren. Und für solche Wesen, die so weit gekommen sind, dass sie diese strahlende Würde oder dieses Leben in der Wahrheit und Wirklichkeit anstreben, können die Analysen des Lebensmysteriums theoretisch bewiesen und die großen ewigen Fakten zu Tatsachen werden.
Die obige Frage und Antwort stammen aus einer regelmäßigen Kolumne in den "Kontaktbrevene" [Kontaktbriefen] 1950-51, in der Martinus Fragen von Lesern beantwortete. Die Frage wurde erstmals im Kontaktbrief Nr. 8, 1950, veröffentlicht. Artikel-ID: M3014. Übersetzt für den deutschen Kosmos 2025-1 von Kurt Gramm.
© Martinus-Institut 1981, www.martinus.dk
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