M3015
Martinus beantwortet Leserfragen
Von Martinus
Mit welcher Begründung wird die Reinkarnation zur wissenschaftlichen Tatsache?
Antwort:
Da man unter dem Begriff Reinkarnation das Dasein des Lebewesens durch eine kontinuierliche Kette von physischen Erdenleben versteht, worin jedes dieser Leben also nur ein einzelnes Glied darstellt, wird eine logische Darstellung einer für die Intelligenz akzeptablen Erkenntnis darüber nur durch eine Untersuchung der Frage manifestiert werden können, ob es im Dasein ein Gesetz oder Grundprinzip gibt, womit diese fortlaufende Lebenskette oder Wiedergeburt des Individuums begründet werden kann. Wir müssen da in erster Instanz ein solches Erdenleben betrachten. Wir sehen dann, dass dieses in die vier bekannten Stadien oder Epochen Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter und Alter einzuteilen ist. Eine nähere Betrachtung dieser vier Stadien zeigt, dass sie zusammen ein fundamentales Grundprinzip ausmachen, das sich in aller Schöpfung, in absolut allem, was mit Bewegung, Stoff oder Materie zu tun hat, wiederholt. Es ist also nicht bloß im physischen Leben des Lebewesens anwesend. Es ist in so überwältigender Weise in allen anderen Verhältnissen des Lebens verbreitet und präsent, ja, in allem, was überhaupt erlebt werden kann, dass ihm von dem entwickelten Forscher unmöglich abgesprochen werden kann, das eigentliche Grundprinzip in der Schöpfungs- und Erlebensstruktur des Lebens zu sein. Abgesehen davon, dass dieses Grundprinzip unser physisches Erdenleben in Form der erwähnten vier Epochen reguliert und gestaltet, gestaltet es prinzipiell auch alle anderen Manifestationen in denselben vier Epochen. Es ist dieses Prinzip, das bewirkt, dass wir den Tag in Mitternacht, Morgen, Mittag und Abend und das Jahr in Winter, Frühling, Sommer und Herbst eingeteilt sehen. Diese Epochen bilden eine Art Ganzheit, worin sie jeweils eine Lokalität darstellen. Wenn eine solche Ganzheit mit ihren vier Epochen durchlaufen ist, wiederholt sie sich immer wieder. Es ist diese Wiederholung, durch die die Zeit in Form von Tagen, Jahren und Erdenleben markiert wird.
Wie schon erwähnt, offenbart sich aber dieses Wiederholungs- oder Kreislaufprinzip nicht bloß im Tageslauf, im Jahreslauf und im Erdenleben. So werden wir z.B. Zeugen dessen, wie das Wasser abwechselnd zu Abwasser wird, dann durch Bodenschichten dringt und wieder gefiltert und zu kristallklarem Trinkwasser wird, wie es zur frischen Luft wird, die wir einatmen, ja, wie es daran beteiligt ist, sowohl den blauen Himmel als auch das Morgen- und Abendrot zu bilden, um schließlich wieder zu Regen zu werden, wie es erneut zu Abwasser und ein weiteres Mal zur reinen Luft und zum sonnendurchleuchteten Himmel wird usw.
Können nicht die verschiedenen Phasen aller Stoffe ebenfalls in die bekannten vier veränderlichen Stadien im großen Naturkreislauf eingeteilt werden, die wir als fest, flüssig, gasförmig und strahlenförmig bezeichnen? – Glaubt man, dass es einen Stoff gibt, der nicht durch diese Stadien geht? – Die Natur ist also derart überreichlich vom Kreislauf- oder Wiederholungsprinzip erfüllt oder durchdrungen, dass überhaupt keine Manifestation stattfinden kann, ohne ein Detail oder ein Glied in einem Kreislauf zu sein. Dies gilt sowohl im Mikrokosmos und Makrokosmos als auch im Zwischenkosmos. Wir verstehen daher, dass wir von Kreisläufen oder Wiederholungsmanifestationen von solch enormen Ausmaßen umgeben sind, dass selbst ein einzelnes Detail darin einen Zeitraum oder eine Lebenszeit ausmacht, der gegenüber die Existenz unseres eigenen gegenwärtigen Erdenlebens nur einen unfassbar kleinen Bruchteil einer Sekunde ausmacht. Ebenso gibt es natürlich Kreislaufs- oder Wiederholungsmanifestationen von solch unfassbarer Winzigkeit, dass unsere eigene siebzigjährige Lebensspanne im Verhältnis dazu wie eine Ewigkeit erscheint. Wir werden hier somit Zeugen dessen, dass die Energieauslösung oder der Schöpfungsprozess des gesamten Universums von einem ewigen Wiederholungs- oder Kreislaufprozess organisiert und beherrscht wird, der das Leben oder das Dasein zu einem Ozean an Wiederholungsmanifestationen oder Kreisläufen macht. Von diesen Kreisläufen kennen wir natürlich diejenigen am besten, welche von kleinerem Format als unser eigener Kreislauf, d.h. als unser gegenwärtiges Leben, sind. Wir sind somit im Stande, ganz unmittelbar mit unseren physischen Sinnen zum Beispiel dem Tages- und dem Jahreskreislauf zu folgen und zu bestätigen, dass sie sich in fortlaufender Folge wiederholen und dass jeder einzelne Tag und jedes einzelne Jahr ein Glied in einer Kette von Wiederholungen ist. Aber dadurch bekommen wir den festen Punkt, an dem eine logische Begründung für die Unsterblichkeit des Lebewesens festgemacht werden kann. Wenn sich alle Kreisläufe, die wir mit unserem physischen Erdenleben zu überdauern imstande sind und mit hundertprozentiger Wahrnehmungsfähigkeit erleben, für uns lediglich als Glieder einer Kette von Wiederholungen erweisen, warum sollte dasselbe dann nicht bei all jenen Kreisläufen der Fall sein, die sich über längere Zeiträume erstrecken als die Existenz unseres gegenwärtigen Erdenlebens und die wir daher nicht direkt physisch überblicken können? – Da unser gegenwärtiges Leben ebenfalls mit hundertprozentiger Sicherheit als ein Kreislauf wahrgenommen werden kann, warum sollte dieser Kreislauf, der darüber hinaus noch die Existenz eines Lebewesens zum Ausdruck bringt, von der Regel abweichen und kein Glied in einer Kette von Wiederholungen sein? – Die besondere Energiestruktur oder das Kreislaufgesetz des ganzen Universums bestätigt somit die Unsterblichkeit und macht die Reinkarnation zur höchsten intellektuellen Erkenntnis für das noch uneingeweihte Wesen, das nur auf theoretischem Wege Zugang zu kosmischer Aufklärung hat.
Diese Frage und ihre Beantwortung stammen aus einer festen Rubrik in den Kontaktbriefen von 1950-51, wo Martinus Leserfragen beantwortete, und wurde als Frage Nr. 15 zum ersten Mal im Kontaktbrief Nr. 9, 1950 veröffentlicht. Artikel-ID: M3015. Übersetzung für den deutschen Kosmos 2024 Nr. 2 von Vincent Stadlmair.
© Martinus-Institut 1981, www.martinus.dk
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