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M30884
Unser Schicksal als göttliche Befruchtung mit Weisheit und Liebe verstehen
Von Martinus

Liebe Hr. und Fr. NN!
Ich danke Ihnen für Ihren liebevollen Brief vom 6. d. M. Es ist bedauerlich, dass Frau NN so erkrankt ist. Aber der Lebensweg durch das Terrain der Menschheit auf der physischen Erde ist immer noch sehr beschwerlich. Alle bekommen Schrammen und Kratzer, Wunden und Narben. Selbst ein Engel könnte nicht durch dieses Terrain hindurchgehen, ohne sein weißes, glänzendes Gewand zu beschmutzen. Wurde nicht auch Christus von der Finsternis heimgesucht und musste die demütigenden Qualen der Kreuzigung erleiden? Denken Sie bitte nicht, liebe Frau NN, dass Ihre derzeitige Krankheit eine "Strafe" von Gott ist. Im Universum gibt es so etwas wie "Strafe" überhaupt nicht. Was die Menschen als "Strafe" auffassen, ist reine Illusion. Es gibt hier nur Ursache und Wirkung. Lässt man eine Tasse auf den Boden fallen und sie geht dabei zu Bruch, so ist das keine Strafe Gottes, sondern nur die Wirkung davon, dass man mit so einem zerbrechlichen Ding nicht vorsichtig genug umgegangen ist. Wenn man Salz in seinen Kaffee tut, wird er natürlich salzig, auch wenn man sich geirrt hat und glaubt, Zucker hineingetan zu haben. Aber das kann man doch auch nicht als Strafe bezeichnen. Es ist doch etwas Göttliches, dass man mit Salz salzen kann, so wie man mit Zucker süßen kann. Wenn man sich bei diesen beiden Arten von Ursache und Wirkung irrt, ändert das nichts an ihrer Natur oder ihrer stofflichen Stabilität. Salz wird nicht zu Zucker, weil man sich irrt und glaubt, dass es Zucker ist. Und Zucker wird nicht zu Salz, wenn man hier wiederum irrt und ihn für Salz hält. Wie würde wohl die Welt aussehen, wenn es anders wäre? – So wären keine der Annehmlichkeiten und Segnungen, die das Leben heute zu bieten hat, zustande gekommen. Unser Schicksal ist keine "Strafe", sondern eine göttliche Befruchtung mit Weisheit und Liebe. Was auch immer man erlebt, es ist Gottes liebende, schöpferische Hand, die uns von primitiven und unwissenden, zu hochintellektuellen und in Liebe kulminierenden Wesen umgestaltet, die wie der schönste Edelstein in Gottes ewiger Strahlenglorie funkeln und leuchten können.
Liebe Frau NN! Ich habe Sie längst in mein tägliches Gebet zu Gott eingeschlossen. Seien Sie versichert, dass Sie von den liebevollsten Schutzengeln umgeben sind, die ständig über Ihre Situation wachen. Sie selbst müssen nur darum bitten, dass Gott Ihnen die Kraft und Stärke gibt, um in ihrer Situation Gottes Gegenwart zu spüren, und dass Gottes Wille für Sie zur Gänze geschehen möge. Dann wird Ihnen, liebe Frau NN, die allerhöchste Hilfe offenstehen.
Bitte nehmen Sie beide meine liebevollsten Grüße und eine herzliche Umarmung in Gedanken entgegen sowie ein inniges Dankeschön für all die Liebe und Treue, die Sie beide die vielen Jahre hindurch nicht nur meiner Mission und unserer großen gemeinsamen Sache im Dienst der Menschheit, sondern auch mir persönlich in so großer Fülle zuteilwerden ließen.
Martinus
Der Artikel ist die Wiedergabe eines Briefes von Martinus vom 9. Mai 1958. Reinschrift von Torben Hedegaard. Vom Rat gutgeheißen am 01.04.2017. Artikel-ID: M30884. Zuerst erschienen im dänischen Kosmos Nr. 2, 2018. Übersetzung für den deutschen Kosmos 2025-1: Vincent Stadlmair.

© Martinus-Institut 1981, www.martinus.dk

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