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M31399
Die absolut einzige gesunde Lebenskraft
Von Martinus

Lieber Herr NN!
Zu allererst möchte ich Ihnen und Ihrer netten Frau dafür danken, dass Sie so freundlich waren und mich im letzten Jahr, als Sie in Dänemark waren, besucht haben. Außerdem schreibe ich Ihnen, weil ich durch Ihren Freund, Herrn A., von dem harten Schicksal erfahren habe, von dem Sie und Ihre Frau betroffen sind. Ich verstehe, dass es sehr schlimm für Sie sein muss. Und wenn ich nur ein kleines Wunder wirken könnte, das Sie von Ihren Schwierigkeiten befreien würde, wäre das schon längst geschehen. Aber das ist nicht möglich. In meinem Gebet an Gott denke ich aber oft an Sie. Ich weiß, dass Gott eine Absicht mit all dem Unangenehmen hat, das Sie und Ihre Frau erleben müssen. Und ich kann nur sagen, je mehr man sich in diesen Widerwärtigkeiten befindet, desto mehr wird es zur Tatsache, dass Gott mit uns arbeitet. Desto mehr befinden wir uns in seinem Schmelztiegel. Gott hat ja eine Absicht mit uns, und diese Absicht ist, uns so umzuformen, dass wir zu seinem strahlenden Abbild werden. Aber wie könnte er das ausschließlich durch Licht machen? – Dazu sind auch andere Realitäten erforderlich. Der Apfel reift nicht nur durch Sonnenschein allein, die Nacht hat auch ihren Einfluss auf sein Entstehen. So muss er auch Regen ebenso wie Sonnenschein erleben. Wir sehen, dass er verschiedene Stadien durchlaufen muss, die mehr oder weniger sauer sind, bevor er das reife Stadium erreicht, das das Bild Gottes bezüglich des Apfels ist.
Gott möchte alles Unfertige so umgestalten, dass es "sein Abbild" wird. Gottes Abbild ist keine Gestalt, die so oder so aussieht. Gottes Abbild ist hingegen der Segen und die Freude, die die wahre göttliche, reife und fertige Schöpfung ausdrückt. Sind die reifen Früchte nicht zur Freude und zum Segen für die Lebewesen? – Nur das, was von Gottes Hand noch nicht fertig erschaffen ist, ist unbehaglich. Wenn wir aber das bemerken, was durch Gottes Hand fertig ist, sehen wir in allen Situationen, ohne Ausnahme, dass es göttlich und zur Freude und zum Segen für die Lebewesen ist. Während millionenjähriger Epochen hat Gott unsere Augen, unsere Ohren, unseren Geruchssinn, ja, unseren ganzen Körper erschaffen. Und ist dieser Körper nicht göttlich? – Wo er nicht so ist, wie er sein soll, beruht das nur darauf, dass die Menschen selbst eingegriffen und ihn durch ihre besondere falsche Verhaltensweise mehr oder weniger zerstört haben. Die schöpferische Macht hinter den Dingen, die solcherart offenbart, dass ihre fertigen Resultate in allen Situationen, ohne Ausnahme, zur Freude und zum Segen für die Lebewesen sind, kann nur bezwecken, dass die schöpferische Macht, die wir selbst durch diesen wunderbaren Organismus besitzen, mit dem Gott uns ausgestattet hat, in allen Situationen ebenso zur Freude und zum Segen für die Lebewesen sein soll. Wo sie es nicht ist, geschieht es, dass wir uns ein dementsprechendes unglückliches Schicksal erschaffen. Die schöpferische Macht, die unseren Organismus oder dieses wunderbare Werkzeug geschaffen hat, mit dem wir selbst etwas erschaffen können, kann ihn uns nicht nur gegeben haben, damit wir eine schöpferische Macht ausüben sollten, die zum Schaden und zur Vernichtung für die Schöpfung ist, die die erstgenannte Macht ständig um uns herum in der Natur und in allen anderen Lebewesen entfaltet. Hier liegt die grundsätzliche Quelle zu allen Leiden, zu jeglichem dunklen Schicksal.
Da, wo wir uns nicht in Kontakt mit der schöpferischen Macht befinden, die unsere göttlichen Schöpfungsmöglichkeiten erzeugt hat, und nicht nach der gleichen Methode und zum gleichen Zweck wie diese Macht etwas erschaffen, da entsteht ein Kurzschluss in unserem Bewusstsein und unserem Nervensystem. Dieser Kurzschluss äußert sich als Schmerz, Leiden, Depressionen und als alle anderen Situationen, die ein Schicksal unglücklich machen können. Für den unglücklichen Menschen gibt es nur einen Weg. Und dieser Weg besteht darin, die Vorsehung darum zu bitten, seine eigene Schöpfungsfähigkeit dafür gebrauchen zu dürfen, sein Leben und sein Verhalten derart zu formen, dass die Resultate in allen Situationen zur Freude und zum Segen für die Lebewesen werden, genauso wie die Schöpfung der Vorsehung oder der Natur. Nur diese Denkweise ist die absolut einzige, vollständige und gesunde Lebenskraft, die existiert. Alle anderen Gedankenarten, die nur darauf hinauslaufen, sich selbst zu retten, ragen über die Gedankenart der Tiere nicht hinaus. Das Tier allein hat das Recht, nur an sich selbst, seine Nachkommen und seinen Paarungstrieb zu denken. Das Tier hat nicht die große Intelligenz, mit der der Mensch ausgerüstet worden ist. Es hat nur seine physische oder körperliche Überlegenheit, um sich zu schützen. Und hier, in dem Reich dieses Wesens, ist es eine Lebensbedingung, dass es töten muss, um zu leben. Und je überlegener und tödlicher das Wesen seinen Verfolgern und Widersachern gegenüber werden kann, desto besser kann es sich selbst schützen. Für das Tier gibt es keinen anderen Ausweg. Es ist was seine Schöpfung betrifft so weit davon entfernt, fertig zu sein, dass es nur sein eigenes Leben retten kann.
Aber der Mensch ist dem fertigen Zustand seiner Erschaffung viel näher gekommen. Denn dieses Wesen hat die ganze intellektuelle Ausstattung in seiner Mentalität und seinem Organismus erhalten. Es hat also eine viel größere Begabung bekommen als notwendig ist, um selbst sein Leben retten zu können. Diese, für die Rettung seines eigenen Lebens überflüssige psychische und mentale Struktur, soll also zu Gunsten anderer Wesen gebraucht werden. Und dieses ist hier die große Lebensbedingung geworden, die die tierische Lebensbedingung ersetzt hat, die ja bedingte, dass man töten musste, um zu leben. Deshalb ist es zur Lebensbedingung für den Menschen geworden – nicht zu töten –, sondern stattdessen, Leben zu geben. Das bedeutet wiederum, dass man die Fähigkeiten, die über den tierischen Fähigkeiten stehen und unsere Intellektualität und unser höheres Gefühl ausmachen, zugunsten unseres Nächsten gebrauchen muss. Deshalb kommt hier das große Gesetz zum Vorschein, das mit dem fünften Gebot ausgedrückt wird: "Du sollst nicht töten." Für den Menschen ist es keine Lebensbedingung zu töten, um zu leben. Wo die Menschen dies tun, sind sie völlig auf der gleichen Wellenlänge wie Kain, zu dem Gott sagte: "Wenn du Gutes tust, wagst du, frei nach oben zu sehen, – wenn du aber Böses tust, liegt die Sünde vor der Tür". Ja, dann liegen Krankheiten, Unglück und Leiden oder das unglückliche Schicksal vor der Tür.
Nicht zu töten, bezieht sich auch auf die Tiere. Für den Menschen ist es nicht nur schädlich, sondern auch absolut unnötig, animalische Nahrung zu essen, um zu leben. Überall auf der Welt töten Millionen und Abermillionen von sogenannten "Zivilisierten" oder sogenannten "Kulturmenschen" täglich Millionen und Abermillionen von Tieren in dem törichten Aberglauben und Schlendrian, dass dies die richtige Lebensweise sei. Sie verstehen nicht, dass sie in Wirklichkeit so weit in der Entwicklung oder darin, ein wahrer Mensch zu werden, vorangekommen sind, dass sie weit über der tierischen Stufe oder dem für den Menschen total unwürdigen Zustand stehen, die Organismen anderer hoch entwickelter Lebewesen zu essen und damit deren Leben zur Hölle zu machen. Ein Mensch, für den es überhaupt keine Lebensbedingung mehr ist zu töten, um zu leben, der aber trotzdem Unmengen von Lebewesen tötet, um deren Fleisch und Blut zu verzehren, befindet sich sozusagen im Bereich des Kannibalismus. Jeglicher Genuss von Fleisch und Blut ist Kannibalismus, ganz gleich, ob Tier- oder Menschenorganismen verzehrt werden. Gedankenarten zu haben, die derart das Töten von Tieren beabsichtigen, sind eine tödliche Lebenskraft für den Menschen. Gedankenkraft ist nämlich gleichzeitig die Lebenskraft im Körper oder Organismus des Menschen. Wo der Mensch von der tötenden Lebenskraft, die also eine Todeskraft ist, noch nicht gereinigt ist, da kann er gegen die dementsprechenden Leiden oder der Verfolgung des Lebens, die er selbst gegen andere Lebewesen auslöst, nicht beschützt sein. Und Gott ist ja dabei, die natürliche Nahrung für den Menschen zu entwickeln, nämlich die vegetarische. Hier könnte man vielleicht annehmen, dass Pflanzennahrung zu essen, auch ein Todschlag des Lebens ist. Die Pflanze hat aber auf der physischen Ebene nicht so viel geistiges Leben oder Bewusstsein, dass sie die Fähigkeit hat, Schmerz und Leiden zu fühlen. Sie kann also weder Furcht noch Schrecken empfinden, so wie es für die animalischen Wesen der Fall ist.
Ja, lieber Herr NN. Ich kann keine Wunder wirken und das, was ich Ihnen gegeben habe, ist im Augenblick möglicherweise nur ein geringer Trost, aber es ist nichtsdestoweniger der Weg aus dem unglücklichen Zustand. Ich habe Ihnen hier einen kleinen Einblick in die kosmischen Gesetze und die Struktur des Lebens gegeben, damit Sie sehen können, wo die Kurzschlüsse beginnen. Alle Menschen kommen in ihrem Leben in ein Stadium, wo das Schicksal stopp sagt. Es gibt etwas in der Verhaltensweise des betreffenden Wesens, das nun nicht mehr weiterführt. Jegliche Gedankenkraft muss aufhören, eine Todeskraft zu sein, und muss also dahin gebracht werden, zu Lebenskraft zu werden und somit Gesundheit für Körper und Seele zu spenden. Und wenn man das erst einmal versteht, dann hat man eine unendlich große Hilfe und Kraft in seinem Gebet. Und das Leben fängt wieder an, heller zu werden.
Entwurf eines undatierten Briefes von Martinus. Titel und Reinschrift von Torben Hedegaard. Vom Rat am 05.03.2021 gutgeheißen. Der Artikel ist nicht früher im Kosmos erschienen. Artikel-Id: M31399. Übersetzung aus dem dänischen Kosmos 2023-1: Helga Holmgren

© Martinus-Institut 1981, www.martinus.dk

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