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M0561
Die Welt Gottes und unsere eigene Welt
Von Martinus

1. Was ist die Welt Gottes?
Alle Lebewesen leben in zwei Welten: die Welt Gottes und ihre eigene Welt. Von diesen zwei Welten ist das unfertige Wesen in überwältigendem Ausmaß mit seiner eigenen Welt beschäftigt und macht diese zum Primären in seinem täglichen Leben, während Gottes Welt im gleichen Ausmaß überwiegend etwas Übles ist, etwas, vor dem man Angst hat. Die eigene Welt des Wesens besteht aus allen seinen Begierden und Wünschen. Seine eigene Welt möchte das unfertige Wesen in allerhöchstem Grad favorisieren. Basierend auf dieser Favorisierung erschafft es sich sein ganzes tägliches Dasein. Es denkt deshalb nicht an die Welt Gottes, die aus allem besteht, womit das Lebewesen überhaupt in Berührung kommen kann. Gottes Welt besteht also aus allen anderen Lebewesen und ihren Manifestationen zusammen. Dieses bedeutet wiederum, dass auch alle Feinde des Wesens Teil dieser Welt sind, alle, die es nicht leiden mag und deshalb geradezu verfolgt. Gottes Welt ist außerdem die Natur und alles, was dazu gehört. Die gewaltigen Kräfte und Manifestationen der Elemente. Die unermesslichen Tiefen des Weltalls mit seinen Milchstraßen und Sonnenstädten, Planeten und Globen, Kometen und Meteoren. Ja alles, was wir als die drei Kosmen kennen: Mikrokosmos, Zwischenkosmos und Makrokosmos.
2. Die Menschen leben mit einem gigantischen Lebewesen zusammen
Ebenso wie unser eigenes Ich der regierende Mittelpunkt in unserer eigenen Welt ist, so gibt es auch einen regierenden Mittelpunkt in der Welt Gottes. Dieser Mittelpunkt ist wie unser eigenes Ich ein bestimmendes Etwas. In Wirklichkeit stehen wir einem anderen Lebewesen gegenüber, das sich für uns als Gott, als die Welt oder die Natur, das Weltall oder das Universum zeigt. Aber dieses als gesammelte Einheit in Form eines Lebewesens zu verstehen, ist das Allerwichtigste, das einzig Notwendige in der Welt, wie es auch das absolut Schwierigste von allem ist. Im Allgemeinen fassen die Menschen diese äußere Welt als unendliche Masse auf, deren gesammelte Bewegungen und Energieauslösungen man geneigt ist, ausschließlich als Zufälle anzusehen. Die Menschen leben also mit einem gigantischen Lebewesen zusammen, ohne in Wirklichkeit zu wissen, dass es ein Lebewesen ist. Sie verstehen darum auch nicht, dass sie selbst ein mitwirkendes, auslösendes Organ in diesem Lebewesen sind, und dass dieses Lebewesen deshalb daran interessiert ist, die Gesundheit und das Wohlergehen dieses Organs zu erhalten. Es geht also von Gottes Welt oder diesem gigantischen Wesen ein Wunsch, eine Willensmanifestation aus, die darauf abzielt, Wohlbefinden für die Menschen sowie für die anderen Lebewesen zu schaffen, die ja ebenfalls, jedes für sich, diesem lebendigen Wesen in Form der äußeren Welt gegenüberstehen. Dieses Wesen spricht sowohl zu dem einzelnen Menschen als auch zu den Nationen, zu Gesellschaften, zu Vereinen oder anderen Formen von Zusammenschlüssen der Lebewesen.
3. Christus machte sich eins mit der äußeren Welt und konnte sehen, dass alles sehr gut war
Es ist dieses Vorhandensein eines in Form der äußeren Welt oder des Universums hervortretenden Lebewesens, das den Begriff "Gott" bewirkt hat. In alle Lebewesen ist ein instinktmäßiges Talent gelegt, das sich als eine Art unbewusstes Empfinden dadurch geltend macht, dass die äußere Welt der Ausdruck für die Manifestationen einer Reihe von Lebewesen ist, denen man den Namen Götter gegeben hat, um zuletzt die Begriffe in einem einzigen Lebewesen zu vereinigen, das wir als die nun so aufgefasste eine Gottheit kennen, die in Christi Mentalität zum "Vater" wurde. Wenn Christus die äußere Welt als den Vater erleben konnte, dann eben deshalb, weil er in der Entwicklung so weit gekommen war, dass er sehen konnte, dass die Natur und die gesamte äußere Umgebung die Manifestationen dieses Vaters waren und absolut nur die Manifestationen eines lebendigen Wesens sein konnten.
Er konnte diese Manifestationen wie die Anrede eines anderen Lebewesens erleben, wahrnehmen oder empfinden, und er konnte diese als eine direkt an ihn persönlich gerichtete Botschaft verstehen. Er sprach deshalb mit Gott, so wie ein Mann mit seinem Nächsten spricht. Und durch dieses Gespräch war er eins mit Gott geworden. Aber indem er derart eins mit Gott geworden war, war er eins mit der äußeren Welt geworden. Er fühlte sich eins mit ihr, was sich in seinem Verhalten in Bezug auf alle Manifestationen und Fügungen des Lebens zeigte. Niemand hat größere Liebe, als der, der sein Leben gibt, um andere zu retten. Was tat er selbst? – Gab er nicht sein Leben, um andere zu retten? – Wurde die Kreuzigung nicht zu einer deutlichen Manifestation seiner Liebe zum Nächsten? – Sagt er hier nicht: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun? – Er liebte nicht nur die, die ihn gernhatten, sondern er liebte und setzte sein Leben aufs Spiel auch für die, die ihn hassten und verfolgten. Es lag also in seinem Wesen, die äußere Welt eins mit seiner eigenen Welt zu machen. Seine Liebe erstreckte sich nicht nur über seine eigene Welt, seinen eigenen Organismus und sein Lebenserleben, sie umfasste in gleichem Ausmaß die Umwelt, andere Lebewesen, ja alles, was existierte. Deshalb konnte er auch sehen, dass alles sehr gut war.
Das Manuskript schließt mit diesen Worten;
Erkläre hier, wie man sich heute darauf einstellen muss, diese äußere Welt eins mit seiner eigenen Welt zu machen, sodass es zum Schluss nur eine Welt gibt, in der man lebt, nämlich Gottes Welt. Um dahin zu gelangen, in Gottes Welt zu leben, muss man das Leben und das Wohlbefinden aller anderen Lebewesen zu einer Notwendigkeit in seinen eigenen Manifestationen machen. Dadurch wird man zum Schluss in Gottes Welt leben, ganz gleich, was oder wer einem begegnet.
Der Artikel ist eine Wiedergabe eines unfertigen Manuskriptes, das Martinus schrieb als Vorbereitung für einen Vortrag in Klint am Montag, den 7. Juli 1952. Reinschrift und Abschnittüberschriften von Torben Hedegaard. Vom Rat am 16.02.2020 gutgeheißen. Erstmals im deutschen Kosmos 2023-2 erschienen. Artikel-ID: M0561. Übersetzt aus dem dänischen Kosmos 2022-3, Helga Holmgren.

© Martinus-Institut 1981, www.martinus.dk

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