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Artikelübersicht

M0650
Die Bildung des Herzens
von Martinus

1. In alten Zeiten waren die Menschen aufgeteilt in zwei gegensätzliche Klassen, eine Herrscherklasse und ihre Sklaven
In unserer zivilisierten Gesellschaft kennen alle Menschen wohl den Ausdruck "die Bildung des Herzens". Aber das bedeutet ja nicht, dass alle Menschen auch wissen, was dieser Ausdruck bedeutet. Es gibt ja auch eine andere Art der Bildung, eine Bezeichnung für eine ganz bestimmte Lebensform der Personen der sogenannten vornehmen Gesellschaft. In alten Zeiten bestand diese Gesellschaft aus Fürsten und dem Adel, aber nach und nach als die demokratische Einstellung und Volksregierung diese Gesellschaft ablöste, ist das mit der feinen und vornehmen Gesellschaft ein etwas unbestimmter Begriff geworden. Heute kann ein Arbeiter, ein Handwerker oder jede andere Person innerhalb des sogenannten Proletariats Zugang zu den höchsten Stellungen im Staat bekommen, kann Minister, Präsident und Oberhaupt des Staates werden. Ein solcher Zustand der Dinge war undenkbar unter dem früheren königlichen und adligen Absolutismus. Da war das Volk aufgeteilt in zwei gegensätzliche Klassen, eine Herrscherklasse und ihre Sklaven. Die letztgenannte Sklavenklasse bestand aus mehr oder weniger geknechteten Bürgern und Bauern, die alle abhängig waren von dem Gutdünken der Fürsten und des Adels. Es war eine Selbstverständlichkeit, dass Kinder, die in der Herrscherklasse geboren waren, dazu erzogen wurden, mit Würde aufzutreten und gewisse Eigenschaften zu besitzen, die ihre vornehme Geburt hervorheben konnten, damit man sofort sehen konnte, dass sie keine Proletarierkinder waren. Es war von größter Bedeutung, dass man sich standesgemäß gegenüber seinen Standesgenossen aufführte und herablassend gegenüber den Proletariern und dem Pöbel. Dass derjenige, der feine Manieren und ein angenehmes Wesen in den vornehmen Kreisen hatte, gleichzeitig damit, dass er seine leibeigenen Bauern bis zum Äußersten ausnutzte, ja, sie sogar vielleicht auspeitschen oder foltern ließ, war nicht nur etwas, womit man durch die Finger sah, es war gleichsam etwas, das mit zur "Bildung" gehörte. Das Volk sollte Respekt und Ehrfurcht seinen Herren den Fürsten und dem Adel gegenüber erweisen, und wenn es das nicht freiwillig tat, wurde es dazu gezwungen. Zwischen dem Adel und dem Proletariat musste die Kluft so viel wie möglich markiert werden, und je mehr man die Volksmassen in Primitivität niederhielt, desto vornehmer und erhabener musste der Adel oder die gebildeten Menschen jener Zeit sich benehmen. Das war eine Blütezeit der Eitelkeit und des Machtbegehrs, und "die Bildung" war nur eine Art "Glasur" über der Dschungelmentalität.
2. Die Oberklasse schaffte schöne, künstlerische Kulturwerte, aber unterminierte gleichzeitig ihre eigene Machtposition durch ihre Unterdrückung der unteren Klasse
Innerhalb der vornehmen Oberklasse wetteiferte man darum, eine besonders ausgesuchte Höflichkeit Eleganz und Ritterlichkeit anderen gegenüber zu zeigen. Ebenso angesagt war es zu versuchen, einander zu übertrumpfen in vornehmer Kleidung und äußerer Eleganz. Aber hinter der vornehmen Maske der Bildung und Kultur lauerte das Machtbegehren des Tierreichs, ungesättigter Ehrgeiz und der Wunsch, die Bewunderung und Verehrung anderer zu erreichen. Das alles erwähne ich nicht, was einige vielleicht glauben, um die Menschen, die die Macht in der Vergangenheit der Menschheit ausübten, zu kritisieren und herabsetzend von ihnen zu sprechen. Es ist nur eine Analyse der Zustände, die so sein mussten, aber die sich nicht andauernd in der Menschheit geltend machen sollten, da die Menschheit auf dem Wege zu viel höheren Formen der Bildung ist. Die Eitelkeit und das Machtbegehren dieser genannten Oberklasse wurden also die Mittel und die Triebfedern, die die ersten Formen einer höheren physischen Kultur hervorbrachten. Die Früchte dessen kennen wir als die schönen Schlösser und Rittergüter mit ihren hohen Sälen, ihren feinen Möbeln, ihren Park- und Gartenanlagen, ihren unzähligen Kunstwerken und vielen anderen Kulturwerten. Das alles war geschaffen, um ihren Standesgenossen zu imponieren und dem Volk Ehrfurcht und Respekt einzuflößen, also viele Varianten der Bewunderung. Und es wurde bewundert! Diese Schlösser der vornehmen Gesellschaft mit all ihrem Luxus wurden ein Vorbild, eine Art Modell der Zukunftsträume des Proletariats. Der unwissende Knecht oder Sklave in einem tief erniedrigten Zustand hatte in seinem Inneren die Hoffnung, einmal die Freiheit und die Überlegenheit seines Herrn erreichen zu können. Je mehr die Oberklasse ihre Untergebenen zu Sklaven machte und selbst in Herrlichkeit und Freude lebte, desto mehr animierende Sehnsüchte mussten in dem Gemüt der Sklaven geschafft werden, um imstande zu sein, in einer solchen Herrlichkeit wie der der Unterdrücker zu leben. Diese Freiheit und Macht der Unterdrücker, ihr Genuss der Güter des Lebens in Glanz und Herrlichkeit konnte dem nicht entgehen, das zu werden, um das sich die Hoffnung und die Zukunftsträume des Proletariats drehten. Und das führte unumgänglich zum Fall der Unterdrücker. Die Unterdrückung kann nämlich niemals existieren, ohne sich nach und nach selbst zu unterminieren. Sie gibt dem Aufruhrsfeuer eine beständig stärkere Nahrung, die wie eine innere Kraft in den Unterdrückten hervorwächst, um ihr Joch abzuschütteln und selbst Freiheit, Macht und Ehre zu erreichen. Eines Tages wird die Kraft so stark, da jeder Druck Gegendruck hervorruft, dass die Revolution lichterloh ausbricht und die Oberklasse getötet wird oder zum Sklaven der Unterklasse gemacht wird, die nun ihre Machtgelüste entfaltet und die Plätze an dem wohlgedeckten Tisch der Macht und des Reichtums einnimmt.
3. Viele der Menschen, die heute die Geldaristokratie ausmachen, die großenteils die Welt regieren, sind die Sklaven und die Leibeigenen der Vergangenheit
Ein solcher Umtausch der Rollen hat viele Male im Lauf der Geschichte stattgefunden, und die neuen Herren haben sich als ebenso große Tyrannen wie ihre Vorgänger gezeigt, wenn sie nicht noch schlimmer waren. Es ist wert, heute zu erinnern, dass die Machtgelüste der Diktatur sich über große Teile der Welt verbreitet haben und dass viele Menschen in ihrer Naivität und Blindheit mit Freude ihren Auftrag ausführen und zu dem Feuer der Zerstörung der Kultur beitragen. Gewiss ist auf Erden etwas hervorgewachsen, was wir Demokratie und Volksregierung nennen, und wie schon erwähnt kann ein Arbeiter oder Handwerker oder ein Bauer heute Staatsminister oder Präsident werden, und das Volk wählt selbst seine Regierung, aber trotzdem existieren da zwei Fronten, die einander bekämpfen: eine Aristokratie und ein Proletariat. Offiziell ist alle Sklaverei abgeschafft, und es gibt nur noch wenige Güter und Schlösser, die noch in den Händen des alten Adels sind. Aber es ist eine Geldaristokratie entstanden, eine Geschäftsmacht, die auf keine Weise auf die Vorteile und das Eigentumsrecht verzichten will, um damit den Nächsten zu dienen oder den Krieg abzuschaffen. Sie haben nun Schlösser oder feine moderne Paläste, Luxus-Autos, Seejachten und einen Stab von Dienern und alles‚ was zu einer feinen Gesellschaft in unseren Tagen gehört samt all "der Bildung" oder "dem guten Ton", der in unserer Zeit modern ist. Viele dieser Menschen sind Sklaven und Leibeigene der Vergangenheit gewesen, die nun prüfen dürfen, wie es ist, Macht, Ehre und Herrlichkeit zu besitzen. Aber solange sie, wie ihre Vorgänger es taten, andere Menschen ausnützen und missbrauchen und im Wohlstand auf ihre Kosten leben, selbst wenn das auf eine etwas andere Art und Weise geschieht als vorher, so werden sie damit sich selbst unterminieren und früher oder später "in einem Schlammgraben enden". Dasselbe gilt für die Menschen, die zur Zeit keine Macht besitzen, aber davon träumen, brillieren zu können, und die deshalb in hohem Grad Sympathie für Ziele und Mittel haben, die das Wohlbefinden und Schicksal der Mitmenschen links liegen lassen, wenn sie nur mit diesen Mitteln selbst auf den Gipfel kommen können. Auch sie werden die Süße der Macht und auch den tiefen Fall der Erniedrigung erleben, ganz gleich ob diese wahren Jünger und Aspiranten der Diktatur zu der Kapitaldiktatur und zu der totalitären Machtdiktatur neigen.
4. Freiwillig die Herrenmentalität zu verlassen und sich das Dienenbewusstsein anzueignen, ist dasselbe wie sein Leben zu geben
Soll das Leben auf Erden damit fortfahren, ein Kampf zwischen zwei Parteien zu sein, die abwechselnd Macht auf Kosten der anderen auszuüben? Nein, das ist nur ein Übergangszustand, solange das Tier im Menschen so viel Macht hat, dass die Bildung nur eine äußere Tarnung ist und gleichzeitig basiert ist auf Eitelkeit und dem Wunsch zu brillieren.
Man kann diese äußere Bildung "die Bildung des Fleisches" nennen, ein Zustand der Selbstanbetung und des Egoismus, dessen Kontrast die "Bildung des Herzens" ist, die beginnt, in dem Gemüt mancher Menschen hervorzuwachsen. Die Bildung des Herzens ist ohne irgendeine Tarnung oder Ausschmückung, sie ist entblößt von aller Eitelkeit und von allem Machtbegehren. Menschen, die diese Bildung besitzen, fühlen ebenso viel Sympathie für ihren Nächsten wie für sich selbst, sie wollen lieber selbst leiden, als ihrem Nächsten Leiden zufügen. Die Bildung des Herzens zu besitzen, ist dasselbe wie damit aufzuhören, seinen Nächsten und sich selbst zu erniedrigen, freiwillig die Herrenmentalität zu verlassen und das Dienenbewusstsein auf sich zu nehmen. Es ist dasselbe wie sein Leben zu geben. Aber derjenige, der sein Leben gibt, wird es besitzen, sagte Christus, und derjenige, der sein Leben nicht gibt, soll es verlieren. Christi Mission war es, den Menschen zu zeigen, dass es eine andere Bildung gibt als die, die die feine Gesellschaft besaß, ob sie nun Pharisäer oder Römer waren. Christus repräsentierte die wirkliche Königsmentalität ohne äußeren Glanz und "Bildung". Die einzige Krone, die er tragen sollte, war die Dornenkrone. Christus kündigte die Geburt einer neuen Kultur auf dieser Erde an, in der "die Bildung des Herzens" "die Bildung des Fleisches" ablösen soll.
5. Wirkliches Christentum und die Bildung des Herzens sind ein und dasselbe, es ist das Christusbewusstsein in jedem einzelnen Menschen
Es gibt Menschen, die glauben, dass das Christentum dabei ist zu verschwinden, dass es seine Rolle als Kulturfaktor ausgespielt hat. Das ist jedoch ein großer Irrtum. Das, was man das Christentum genannt hat und das ganz richtig dabei ist zu degenerieren, ist die äußere Form, die Tarnung der Dogmatik, der Zeremonien, der strahlenden Gewänder, der Sakramente usw., die Jahrhunderte hindurch durchaus von Nutzen gewesen sind, selbst wenn sich hinter ihnen eine ganz andere Mentalität als die, die Christus repräsentierte, entfalten konnte. Haben wir nicht gesehen, dass die Kirche ein Teil der Fürstenmacht wurde? Haben nicht Päpste, Kardinäle, Bischöfe und andere sogenannte Kirchenfürsten die Waffen gesegnet und in gewissen Situationen selbst das Schwert gezogen? Die Geschichte zeigt, dass "die Bildung des Fleisches" bis jetzt der dominierende Faktor in der Entwicklung des Christentums war. Aber auch das ist nicht als eine Kritik gesagt, es hat so geschehen müssen. "Die Bildung des Herzens" entwickelt sich nicht auf einmal, sondern durch viele Leben hindurch, in denen der Mensch lernt, alle Tarnung zu durchschauen, und er lernt durch Lebenserfahrungen, dass man erntet, was man gesät hat. Durch diese Erfahrungsbildung wächst nach und nach "ein neuer Adel" in den Erdenmenschen hervor. Denn ebenso wie die "Bildung des Fleisches" seinen "vornehmen Adel" hat, hat auch "die Bildung des Herzens" ihren Adel. Aber da ist der große Unterschied, dass diese letztgenannte Bildung überhaupt keine Unterklasse hat. Hier sind alle gleich. Die Bildung des Herzens gründet sich nicht auf Eitelkeit oder fördert einen unersättlichen Hunger danach, bewundert und geehrt zu werden. Die Bildung des Herzens ist die Verehrung und die Aufrechterhaltung des Wohlbefindens der anderen. Da sie in allen Situationen so eingestellt ist, hat sie nichts zu verbergen und nichts, womit sie den Nächsten zum Narren hält oder ihn zwingt. Sie entfaltet sich in jeder Situation, in der Nächstenliebe verlangt wird, und sie ist an sich also ausschließlich Nächstenliebe. Sie ist keine Sentimentalität und überspannte Empfindlichkeit. Um sich wirklich zum Nutzen der Ganzheit entfalten zu können, muss sie auch die Intelligenz haben, die in einer gegebenen Situation aufweisen kann, was das Liebevollste ist, das man tun soll. Das wirkliche Christentum und "die Bildung des Herzens" sind ein und dasselbe, es ist das Christusbewusstsein, das sich wie eine innere Kraft in dem Menschen entwickelt. Wir können leicht Zeuge dessen werden, dass Repräsentanten der "Bildung des Herzens" in vielen Fällen durchaus nicht die äußere Glasur und den Kulturfirnis haben, die die Repräsentanten der "Bildung des Fleisches" gebrauchen, um ihre Umwelt damit zu bluffen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es feine Repräsentanten dieser hervorwachsenden Kultur gibt, die jedoch etwas klotzig mit Messer und Gabel umgehen und deshalb nach dem alten Maßstab als höchst "ungebildet" angesehen werden. Es kann auch sein, dass die Betreffenden arme Menschen sind, aber es ist besser, ein Repräsentant der Liebe in Lumpen zu sein als ein Lump in feinen Kleidern.
6. Die Geisteswissenschaft wird ein inspirierender Faktor der Schaffung der wirklichen Demokratie werden, die als eine innere Kraft in den Menschen hervorwachsen wird
Die Menschen können alle in wechselnden Inkarnationen versuchen, was es sagen will, oben oder unten auf der sozialen Rangleiter zu stehen, und durch diese Erfahrungsbildung entsteht nach und nach das Verlangen nach einer menschlichen Gesellschaft, in der es keine Ober- und Unterklasse gibt, sondern Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Durch Revolutionen wird eine solche Gesellschaft niemals hervortreten können, damit wird nur das Unterste nach oben gekehrt, und die neue Herrscherklasse schafft eine neue Axt der Diktatur. Deshalb muss die wirkliche Demokratie als eine innere Kraft in den Menschen hervorwachsen, und hier wird die Geisteswissenschaft ein inspirierender Faktor sein, weil der suchende Mensch dadurch die Entfaltung der kosmischen Kräfte verstehen lernt, nicht nur in der Welt um ihn herum, sondern auch in seinem eigenen Gemüt. "Die Bildung des Herzens" wird einmal das Fundament der Kultur werden, die die ganze Menschheit umfasst, ein wirklicher Weltfrieden. In unseren Tagen erleben wir jedoch "die Bildung des Fleisches" und "die Bildung des Herzens", die Gedankenklimas sind, die wir in unserem Gemüt haben. Und nur da, wo "die Bildung des Herzens", die Nächstenliebe, die äußere Form durchdringt, kann man von menschlicher Kultur sprechen.
Der Artikel ist die Wiedergabe eines Manuskripts, das Martinus zur Vorbereitung für einen Vortrag schrieb, den er am 07. Dezember 1947 im Martinus-Institut hielt. Das Manuskript wurde von Mogens Møller bearbeitet. Die Bearbeitung wurde von Martinus gutgeheißen. Erstmals im dänischen Kontaktbrief Nr. 17, 1957 unter dem Titel "Hjertets dannelse" veröffentlicht. Artikel-ID: M0650. Überarbeitete Übersetzung (4/2012): Liesel Lind. Erstmals im deutschen Kosmos 6/1972 veröffentlicht.

© Martinus-Institut 1981, www.martinus.dk

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