M0990
Das Weihnachtsmysterium
Von Martinus
1. Die Botschaft und der Sinn von Weihnachten sind die Entfaltung des Nächstenliebeprinzips
Nun ist es wieder Weihnachten, und in der ganzen christlichen Welt feiert man das heilige Fest zum Andenken an die Geburt des Jesuskindes. Vielleicht verschwindet mitten in aller Geschäftigkeit scheinbar die ursprüngliche Ursache des Weihnachtsfestes. Die Geschäftsmentalität dominiert ja auf so vielen Gebieten – auch zu Weihnachten. Aber trotzdem kann sie nicht das verdrängen, was die eigentliche Botschaft und der Sinn von Weihnachten ist: die Entfaltung des Nächstenliebe- und Geschenkprinzips und die besondere Feststimmung und Freude, die diese Prinzipien begleiten. Weihnachten ist ein mächtiger Gegensatz zu jener Energieentfaltung, die Krieg, Verfolgung, Hass und Tod unter den Menschen hervorruft. Wir lernten ja schon in der Schule, dass die Engel in der Heiligen Nacht sangen: "Frieden auf Erden und ein Wohlbehagen unter den Menschen". Aber das ist ja nur ein Mythos oder ein Märchen, sagen viele Menschen, ebenso wie sie auch den übrigen Bericht des Weihnachtsevangeliums von dem armen Kind, das in einem Stall geborgen und in eine Krippe gelegt wurde, nur für eine schöne alte Legende oder Sage halten. Das sagt man auch, wenn man von der jungfräulichen Geburt hört, oder von den heiligen drei Königen, die dem Stern folgten und dem Jesuskind reiche Geschenke darbrachten, oder von der Verfolgung des kleinen Kindes durch Herodes, weil er gehört hatte, dass ein neuer König geboren war, von dem Kindermord in Bethlehem und von der Flucht nach Ägypten, wodurch das Jesuskind seinen Verfolgern entkam und zu einem Welterlöser heranwuchs, d.h. der Menschheit ein Modell dafür wurde, was es bedeutet, ein Mensch als Abbild Gottes zu sein.
2. Das Weihnachtsevangelium ist in seiner tiefsten Analyse eine Darstellung von Prinzipien
Wenn nun kein Weihnachtsevangelium existieren würde, würden die Menschen dann auch nicht diese besondere Weihnachtsstimmung – mit dem Drang, Geschenke zu machen und Licht im Dunkel zu entzünden – erleben? Doch, das würde man trotzdem. Die spezielle Atmosphäre von Weihnachten ist der Ausdruck eines kosmischen oder universellen Prinzips, das man im Menschen ebenso findet, wie man das Prinzip des Krieges, das tötende Prinzip oder das sogenannte Böse in diesem Wesen findet. Beide Prinzipien sind natürliche Anlagen, die genauso im Menschen vorhanden sind, wie er Augen, Ohren und andere Sinneswerkzeuge hat, die in der Struktur des Wesens ganz unabhängig davon vorhanden sind, ob er von Religion etwas weiß oder nicht. Der Mensch, der es heute nicht vermag, einem anderen Lebewesen Schaden zuzufügen, würde diese Struktur in seiner Mentalität haben, selbst wenn er in seiner jetzigen Inkarnation niemals etwas vom Weihnachtsevangelium oder den anderen Evangelien oder einer anderen humanen Religion gehört hätte.
Das Weihnachtsevangelium ist wie jede andere Religion, wo es sich nicht um Dogmen handelt, in seiner tiefsten Analyse eine Darstellung von Prinzipien, die im Lebewesen zur Entfaltung kommen. Die Prinzipien sind somit nicht ein Produkt des Weihnachtsevangeliums, sondern dieses Evangelium erzählt auf seine besondere Art und Weise von einem Prinzip, das nun in den Erdenmenschen immer mehr zur Entfaltung kommt, sich aber unter heftigem Widerstand und Verfolgung eines anderen Prinzips entfalten muss. Aber warum sagt das Weihnachtsevangelium dann nicht geradeheraus, dass es sich so verhält? Weil das die Menschen in den Jahrhunderten, in denen das Weihnachtsevangelium für Millionen von Menschen Bedeutung hatte, überhaupt nicht verstanden hätten. Bedeutet das also, dass das Weihnachtsevangelium in der Zukunft für die Menschen keine Bedeutung mehr haben wird? Das bedeutet es absolut nicht. Die Menschen werden die religiösen Überlieferungen in einem anderen Licht und aus einer größeren Perspektive betrachten, sodass sie für den Einzelnen vielmehr eine noch größere Bedeutung als früher bekommen werden, weil sie nicht nur ein Ereignis schildern, das wirklich einmal stattgefunden hat, sondern auch einen Entwicklungsprozess, der im Bewusstsein des einzelnen Menschen vor sich geht.
3. Die Zweideutigkeit der Evangelien macht sie zu Mysterien
Alles Wissen, das sich die Menschen aneignen können, kann in erster Linie nur dadurch erlangt werden, dass man es vermag, die Offenbarungen der Natur zu erleben, in jenem Buch des Lebens, das das Buch der Natur ist, zu lesen, oder die Stimme der Natur zu hören. Aber um das zu können, muss ein Mensch hoch entwickelt sein, und es sind solche entwickelten Menschen, die man "die Weisen" genannt hat. Das sind Wesen, die hier auf der Erde ihrer Zeit weit voraus waren. Sie haben in den Prozessen der Natur die herrschenden Prinzipien und Gesetze erkannt, sowohl diejenigen, die sich in der physischen Welt entfalten, als auch diejenigen, die sich in der hinter der physischen Welt existierenden psychischen Welt der Strahlen und Wellen entfalten. Sie haben ihren unwissenden Mitmenschen von diesen Prinzipien in einer solchen Weise erzählt, dass es gerade auf der Entwicklungsstufe, auf der diese sich befanden, inspirierend wirken konnte. Das, wovon sie erzählten, hat auch stattgefunden, da die Naturprinzipien sich immer wieder in historischen Ereignissen widerspiegeln. Aber in den Berichten der Weisen, einschließlich der Evangelien, wurden die äußeren Ereignisse in eine bestimmte Form gekleidet, die so genial ist, dass sie gleichzeitig damit, dass sie von Ereignissen berichten, die als menschliche Handlungen und Erlebnisse wirklich stattgefunden haben, auch von der Entwicklung der Naturprinzipien oder kosmischen Prinzipien im einzelnen Menschen berichten. Diese Doppeldeutigkeit macht diese Evangelien zu Mysterien, und man kann deshalb das Weihnachtsevangelium auch das Weihnachtsmysterium nennen.
4. Die Atmosphäre der Hilfsbereitschaft, Freigebigkeit und Nächstenliebe, die zu Weihnachten gehört, wird sich einmal auf das ganze Jahr erstrecken
Wenn viele Menschen heute glauben, dass das Weihnachtsevangelium nur eine Legende oder ein Märchen ist, zeigt das, dass sie dem Zustand entwachsen sind, in dem die suggestive Kraft des Mysteriums ihren religiösen Instinkt und ihr religiöses Gefühl beeinflusste. Aber der Botschaft des Weihnachtsevangeliums: "Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlbehagen" sind sie nicht entwachsen, im Gegenteil, sie ist zum innigen Wunsch von immer mehr Menschen geworden. Die Atmosphäre der Hilfsbereitschaft, Freigebigkeit und Nächstenliebe, die Weihnachten in so vielerlei Hinsicht kennzeichnet, ist ja eigentlich die Mentalität, die sich über das ganze Jahr erstrecken sollte, dann wäre sie nicht so forciert, gehetzt und hektisch, wie sie es jetzt ist. Aber die Menschen sind noch nicht reif genug, um einen solchen Zustand über längere Zeit zu repräsentieren, schon gar nicht einen so einmütigen oder kollektiven Ausdruck des Nächstenliebeprinzips. Natürlich gibt es viele Menschen, die im Laufe des Jahres mit ihrer individuellen Bewusstseinsentfaltung und ihrem Verhalten einige Male das Weihnachtsprinzip manifestieren. Das ist wie kleine verstreute Lichter in der Dunkelheit und das ist der Weg, den die Entwicklung nehmen wird. Aber eine solche gemeinsame Manifestation, wie wir sie in der Weihnachtszeit erleben, können die Menschen bisher nur für relativ kurze Zeit verwirklichen. Die Herodesmentalität ist immer noch die stärkere, und die Mentalität, die durch das kleine schwache Kind repräsentiert wird, muss nach Ägypten fliehen, in das Land der Mysterien.
5. Das Weihnachtsmysterium geht auf derjenigen Bühne vor sich, die das eigene Bewusstsein des Erdenmenschen ist
Aber das Weihnachtsevangelium soll nicht ein Mysterium bleiben, etwas, worin man die Wahrheit sowohl spürt als auch nicht spürt. Das Geheimnis soll für jene Menschen gelüftet werden, die dazu herangereift sind, die verborgenen Wahrheiten über den Menschen zu erkennen, die dieses Evangelium enthält, und das sind genau die Menschen, die die Weihnachtsbotschaft selbst als Sehnsucht und beginnende Manifestation in ihrer mentalen Struktur tragen, die aber finden, dass das Weihnachtsevangelium mit all seiner naiven Schönheit eigentlich nur etwas für Kinder und kindliche Seelen ist. Das Weihnachtsevangelium ist absolut nicht naiv, wenn man hinter seine äußere Form gelangt, im Gegenteil, denn es berichtet von der Verwandlung von Naivität und Primitivität zu hochintellektueller Wesensart und schöpferischer Entfaltung, die der Erdenmensch durchmacht. Das Weihnachtsmysterium geht auf derjenigen Bühne vor sich, die das eigene Bewusstsein des Menschen ist, und die Personen im Weihnachtsmysterium sind mentale Kräfte oder Prinzipien, die zusammen seine Psyche oder Mentalität darstellen.
Die Hauptperson des Weihnachtsmysteriums ist ja das kleine Jesuskind, und die Rollen der anderen Personen basieren auf ihrer Verknüpfung mit diesem kleinen Wesen, dieser passiven Hauptperson. Die Bedeutung des Jesuskindes liegt nicht so sehr in dem, was es in dem Moment ist, sondern in dem, was es werden soll, in den großen Möglichkeiten, die in dem kleinen Kind stecken, das deshalb beschützt, unterstützt und vor den Gefahren bewahrt werden muss, die ihm drohen, personifiziert in Herodes, dem Repräsentanten der Macht, Brutalität und Diktatur. Das Bewusstsein des Erdenmenschen ist für ihn selbst noch ein Mysterium, aber durch die Enthüllung des Weihnachtsmysteriums werden auch die kosmischen Prinzipien und Energien dieses Bewusstseins enthüllt, denn auch dort gibt es eine noch passive Kraft, die große Möglichkeiten für die Zukunft birgt, das schlummernde Christusbewusstsein, das den Erdenmenschen zu einem wahren Menschen machen wird, einem Menschen als Abbild Gottes.
6. Humanität und Nächstenliebe sind nicht ein Produkt der Religionen, sondern der Leidenserfahrungen des Menschen
Im Weihnachtsevangelium wird erzählt, dass das Jesuskind in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt wurde. Und diese Szenerie passt als Symbol für den eigenen Zustand des irdischen Menschen. Der Stall ist die Welt, in der die Tiere leben, es ist das Tierreich, und darin befindet sich die Krippe, in der das Jesuskind liegt, das aus einer anderen Welt stammt als der Stall und die Tiere. Die einpoligen physischen Organismen der Erdenmenschen sind allesamt "Krippen für ein Jesuskind" oder Hüllen für ein Christusbewusstsein in seinen zarten Anfängen. Die böse Macht im Weihnachtsmysterium, König Herodes, verfolgt diesen künftigen Rivalen um die Königswürde, von dessen Geburt in Bethlehem er gehört hat.
Genau das Gleiche geschieht in der inneren Welt des irdischen Menschen, das Recht des Stärkeren oder das Macht-geht-vor-Recht-Prinzip, d.h. Zorn, Hass, Bitterkeit, Gereiztheit, Egoismus usw. wollen die humanen Eigenschaften zerstören, die bisher nur in einem passiven und embryonalen Zustand existieren. Aber im Weihnachtsmysterium entkommt das Jesuskind den Soldaten des Herodes, und so ist es auch mit den humanen Kräften im menschlichen Bewusstsein: Sie können nur scheinbar niedergehalten werden. Herodes kann eine Zeit lang triumphieren und glauben, er sei im Besitz der Macht, weil alle Kinder in Bethlehem getötet wurden. Er weiß nicht, dass die Weisen oder die drei heiligen Könige, denen gegenüber er selbst Freundschaft heuchelte, das Kind und seine Eltern reich beschenkt und ihnen damit zur Flucht an einen Ort verholfen haben, an dem Herodes sie nicht erreichen kann. Welche Kräfte im Bewusstsein der Erdenmenschen repräsentieren die Weisen oder heiligen drei Könige? Sie repräsentieren die Kräfte, die von den großen Weltreligionen inspiriert wurden und von ihnen Impulse erhalten haben. Nun, ich habe bereits erwähnt, dass der Mensch, der es nicht ertragen kann, einem anderen Lebewesen etwas anzutun, diese Struktur in seiner Mentalität hat, selbst wenn er in dieser Inkarnation noch nie etwas vom Weihnachtsevangelium oder einem der anderen Evangelien oder einer anderen humanen Religion gehört hat.
Menschlichkeit und Nächstenliebe sind kein Produkt der Religionen, sondern der Erfahrungen, insbesondere der Leidenserfahrungen, die ein Mensch über viele Inkarnationen hinweg durch sein eigenes Lebenserleben oder die Sprache des Lebens selbst gemacht hat. Aber durch diesen Bewusstseinswandel, der den Menschen aufgrund von Erfahrungen dazu bringt, sich von Brutalität und Gewalt abzuwenden und sich nach Menschlichkeit zu sehnen, wächst die Fähigkeit, die Gaben der Religionen annehmen zu können, und genau das ist ja das Jesuskind im Bewusstsein. Mithilfe der Geschenke wird es nach Ägypten ins Land der Mysterien geführt, und die religiösen Mysterien gewähren ihm eine Zeit lang Schutz und Hilfe gegen die Bosheit der Welt, bis es mit seinem wachsenden und nun zunehmend aktiven Christusbewusstsein dafür reif zu sein beginnt, den dunklen Kräften zu widerstehen, ohne Mystik, sondern mit der Entfaltung der Nächstenliebe in Gedanken, Worten und Taten seines logischen Tagesbewusstseins. Viele irdische Menschen haben genau dieses Stadium in ihrer Entwicklung erreicht. Das Christusbewusstsein ist in ihrer Seele so weit gereift, dass sie nicht mehr im "Land der Mysterien" zu Hause sind. Das bedeutet, dass die Religionen sie nicht mehr inspirieren können, ohne dass deren Mystik enthüllt wird, sodass sie die kosmischen Gesetze und Prinzipien sehen, die unter dem Mantel der Mysterien verborgen waren. Dann ist die "Taufe im Jordan" und das "Kommen des Heiligen Geistes" die nächste Stufe in der Entwicklung des Christuswesens, und es ist die Begegnung mit der Geisteswissenschaft, da, wo diese Begegnung wirklich dazu führt, dass der Mensch an seiner moralischen und intellektuellen Entwicklung arbeitet. Aber dann haben wir bereits die Entwicklungsbereiche betreten, zu denen die Enthüllung des Weihnachtsmysteriums führt, und das ist nicht das Thema dieses Vortrags. Hier möchte ich nur noch abschließend erwähnen, dass der von vielen Menschen missverstandene Begriff "jungfräuliche Geburt" auch seine Erklärung hat, wenn man ihn im Lichte kosmischer Gesetze und Prinzipien betrachtet.
7. Christus war nicht von einer Jungfrau geboren, das war dagegen sein Christusbewusstsein
Dass das Jesuskind im Weihnachtsmysterium als "jungfräulich geboren" bezeichnet wird, bedeutet nicht, dass Jesus von Nazareth keinen irdischen Vater hatte. Und er ist deswegen sicher nicht weniger göttlich. Man muss im Gegenteil sagen, dass der Umstand, dass ein Mensch, der in jeder Hinsicht die Bedingungen seiner Mitmenschen in dieser Welt teilen musste, sich dennoch als etwas ganz Besonderes erweist, göttlich ist! Das Göttliche zeigt sich nicht dadurch, dass es gegen die Naturgesetze verstößt, sondern dadurch, dass es ein Bewusstsein und Fähigkeiten entfaltet, die die Gesetze in vollem Umfang kennen und daher in der Lage sind, mit ihnen auf eine Weise zu arbeiten, wie es der gewöhnliche Erdenmensch nicht vermag, weil er noch nicht mehr als einen Bruchteil dieser Gesetze kennt. Was war es dann, das jungfräulich geboren wurde? Es war das Christusbewusstsein, das sich durch viele Inkarnationen entwickelt hat und keinen irdischen Vater hat. Das Gleiche gilt für das Christusbewusstsein, das sich im Bewusstsein jedes einzelnen irdischen Menschen entwickelt. Es wird weder von der Mutter noch vom Vater vererbt, es kann einem nicht gegeben werden, es muss sich auf der Grundlage von Erfahrungen von Leben zu Leben entwickeln. Aber der irdische Mensch bekommt Hilfe bei diesem Entwicklungsprozess.
Die Engel, die den Hirten vom "Frieden auf Erden und Wohlbehagen unter den Menschen" sangen, repräsentieren als Instrumente und Organe der ewigen Gottheit den Teil der Welterlösung, der für die Sinne unzugänglich ist. "Unerkannt wandeln sie unter uns", singen wir in einem schönen Weihnachtslied, und auch das ist keine bloße Legende oder Aberglaube. Eine unsichtbare Schar von Wesen, die freilich keine weißen Flügel und Gewänder zu haben brauchen (das ist fast schon Aberglaube), steht bereit, uns Impulse, Inspiration und Hilfe zu geben, wenn wir darum bitten und gleichzeitig versuchen, unser Bewusstsein und unser Verhalten auf die Wellenlänge einzustellen, die der Grundton des Universums und der Grundton von Weihnachten ist: zum Nutzen und zur Freude für andere Lebewesen zu sein.
8. Der verheißungsvolle Gesang der Engel "Frieden auf Erden und ein Wohlbehagen unter den Menschen" wird zur Wirklichkeit in einer physischen Welt
Das Weihnachtsevangelium hat eine Botschaft für jeden einzelnen Menschen, sogar eine sehr persönliche Botschaft, die, wenn das Mysterium offenbart wird, von großen und entscheidenden Ereignissen im Leben des Menschen auf dem Weg zur Entfaltung des Christusbewusstseins erzählt. Josef und Maria, die Repräsentanten des männlichen und des weiblichen Prinzips im Weihnachtsevangelium, haben ihre großen Rollen im Weihnachtsmysterium zu spielen, genauso wie der männliche und der weibliche Pol immer noch ihre Rolle als männliche Funktion und weibliche Funktion bei den Erdenmenschen zu spielen haben. Warum hat der Verfasser des Evangeliums sie in einem Stall platziert? Weil sie noch dem Tierreich angehören. Aber im Christusbewusstsein wird die Entfaltung des männlichen und weiblichen Prinzips zu einer rein menschlichen Entfaltung verschmelzen, und erst dann wird der prophetische Gesang der Engel zur Wirklichkeit in einer physischen Welt werden. Es wird Zeit brauchen, aber die Zeit wird kommen, in der es wirklich Frieden auf Erden und ein Wohlbehagen unter den Menschen geben wird, und jeder einzelne Mensch wird eines Tages zum Mitschöpfer jenes glorreichen Weltfriedens werden, dessen verheißungsvolle Botschaft wir mit dem Weihnachtsfest feiern.
Dieser Artikel ist das Manuskript zu einem Vortrag, den Martinus am 20. Dezember 1953 im Martinus-Institut gehalten hat. Die Bearbeitung von Mogens Møller ist von Martinus gutgeheißen worden und zum ersten Mal im Kontaktbrief Nr. 26, 1959 erschienen. Artikel-ID: M0990. Hier wurde er unter Einbeziehung einer früheren Übersetzung im DE-Kosmos 1973-10 neuübersetzt von Vincent Stadlmair.
© Martinus-Institut 1981, www.martinus.dk
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