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Das Schicksalsspiel des Lebens - Inhaltsverzeichnis   

 

 
Das Schicksalsspiel des Lebens
1. KAPITEL
Wir sind sowohl Schauspieler als auch Zuschauer
Das Lebenserleben der Menschen ist in Wirklichkeit das Erleben eines gigantischen Schauspiels, eines Schauspiels, in dem wir alle eine Rolle haben. Aber das Eigentümliche an diesem großen Schauspiel, das wir Schicksal nennen können, ist, dass wir nicht nur eine Rolle haben oder Schauspieler sind, sondern dass wir gleichzeitig auch Zuschauer sind. Das Schauspiel oder Schicksalsspiel, in dem wir alle sowohl Akteure als auch Zuschauer sind, ist ein ewiges Bühnenpanorama mit wechselnden Szenerien von den bluttriefendsten und hassumsponnensten Dramen mit höllenartigen Kulissen bis zu den glänzendsten Märchen und Liebesszenen mit Kulissen von reinstem mentalem Gold.
      Unser Schicksal ist dasselbe wie die Verbindung unserer Gegenwart mit unserer Vergangenheit und unserer Zukunft, und das Schicksalsspiel des Lebens wird daher zu einer Art Darbietung oder Aufführung dieser drei verschiedenen Arten von Zeit. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind drei Rollen im Schicksalsspiel, und unsere eigene Rolle ist die Gegenwart. Wir erleben uns selbst als Gegenwart oder Mittelpunkt in der Ewigkeit genauso, wie wir uns als Mittelpunkt in der Unendlichkeit oder im Universum fühlen.
      Als Zuschauer sind wir Zeuge des Zusammenspiels dieser Gegenwart oder unserer eigenen Rolle mit der Vergangenheit und der Zukunft, die von unseren Mitwesen gespielt werden. Alle anderen Mitwesen im Dasein sind unsere Mitspieler im Schicksalsspiel. Einige von ihnen haben die Rolle der Vergangenheit in ihrem Zusammenspiel mit uns, und andere haben die Rolle der Zukunft. Unsere Aufgabe ist es, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden und damit die Ganzheit und Einheit des Stückes für den Zuschauer, d.h. für uns selbst, zu vervollkommnen.
      Allmählich, wenn das Stück voranschreitet, beginnt der Zuschauer, den Zusammenhang zu ahnen. Der Zuschauer ist ja gerade der Teil unseres Bewusstseins, der erlebt und über die Dinge nachdenkt und gleichsam neben demjenigen Teil von uns steht, der handelt und aktiv ist.
      In unserer Eigenschaft als Schauspieler befinden wir uns von der Wiege bis zur Bahre – oder anders gesagt: in unserem derzeitigen Leben – auf der Bühne. Das ist unser wacher, tagesbewusster aktiver Einsatz. Wenn wir sterben, verlassen wir die Bühne eine Zeit lang und gehen in die Welt unseres Nachtbewusstseins, die in diesem Zusammenhang mit derjenigen Welt verglichen werden kann, die es im normalen, irdischen Theater hinter der Bühne gibt, die Welt von Maschinisten, Beleuchtern, Garderobiers, Regisseuren oder wie sich all diese Helfer nun nennen mögen, die von den Zuschauerplätzen aus unsichtbar sind, deren Hilfe aber absolut notwendig ist, damit die Aufführung auf der Bühne voranschreiten kann.
      Die Schutzgeister und andere geistige Helfer, ohne die sich das Leben hier in der physischen Welt nicht so entfalten könnte, wie es der Fall ist, sind ja gerade die unsichtbaren Regisseure, Beleuchter usw. des großen Schicksalsspiels. Und wenn wir die physische Welt verlassen, treten wir wie die Schauspieler von der Bühne ab und gehen hinein in diesen Raum hinter der Bühne, hinein in die geistige Welt, bis das Schauspiel nach diesem Zwischenakt fortgesetzt werden soll. Und wir, weiterhin in der Rolle der Gegenwart, aber mit einem neuen Kostüm, d.h. mit einem neuen physischen Organismus, sind wieder der Mittelpunkt im Schicksalsspiel des Lebens.


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