Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Vermögenserwerb als Lebensbedingung. Die Gesellschaftsordnung kann niemandem zur Last gelegt werden. Die Gesellschaftsordnung und der Begriff "alles ist sehr gut". Die Erdenmenschen sind dabei, sich zu "verbrennen" | 78. Da aber das Leben in seiner göttlichen Natur über Untergang erhaben ist, kann die Gesellschaft nicht sterben, sondern es kann nur ein System sterben. Das gegenwärtige Gesellschaftssystem ist also "im Sterben", sich selbst vernichtend. Dies ist desto mehr sichtbar, als das Hauptprinzip in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung ja eben bedingt, daß jeder Erdenmensch, der ohne Erbe eines Vermögens zur Welt kommt, ein unterdrücktes Wesen ist oder ein Wesen, das in Wirklichkeit ein Untertan der Geldmacht und als solches gezwungen ist, in Form von Sklaverei einen "Überpreis" für seine Existenz oder für seinen täglichen Lebensbedarf zu bezahlen. Da aber alles Leben nach Freiheit und Licht strebt, wird jede Form von Unterdrückung zur Bekämpfung des Joches reizen. Und zur Bekämpfung der materiellen Unterdrückung der Erdenmenschen ist das Mittel zunächst das Geld. Für Geld kann man sich aus der Sklaverei oder Unterdrückung durch die Geldmacht freikaufen. Deshalb ist das Wichtigste oder Zentrale im Bewußtsein der erdenmenschlichen Gesellschaft "Geld". Hat man Geld, ist man frei, befindet sich höher und höher auf der materiellen Rangstufenleiter, und man wird bewundert, geehrt und hat Ansehen. Vermögensbesitzer zu sein, ist somit ein Ideal für die Erdenmenschen. Und als Folge hiervon ist jede Erziehung, jeder Unterricht auch darauf gegründet, das Wesen so qualifiziert wie möglich im Kampf um den materiellen Gewinn zu machen. Qualifiziert zu sein, Geld zu erwerben, ist somit eine Lebensbedingung im erdenmenschlichen Selbsterhaltungstrieb, da dies ja faktisch das einzige Mittel ist, mit dem sich der Erdenmensch zeitweilig von Unterdrückung und Armut befreien kann. Wenn es aber das allgemeingeltende Ziel ist, Kapitalist zu werden, das Ziel, zu welchem jeder Erdenmensch erzogen wird, dann kann denen, die dieses Ziel schon erreicht haben, ja nichts zum Vorwurf gemacht werden, insonderheit nicht, weil es in der Regel absolut nur an erzwungenen Umständen liegt, daß die Wesen, die heute Gegner der Kapitalisten sind, nicht freiwillig den Werten entsagt haben und nicht selbst als Kapitalisten hervortreten. Wenn diese Wesen dieselben Bedingungen gehabt hätten wie die Kapitalisten, würden sie nun in ebenso hohem Grad wie diese als Vermögensbesitzer hervortreten. Wenn also aber diese Fakten an der Erziehung und in der Lebensbedingung liegen, bedeutet das, daß sie im religiösen und moralischen Standard der Wesen wurzeln und somit ein Entwicklungsproblem sind, d.h. ein Problem, das sich nur im Verhältnis zur gradweisen Entwicklung der ganzen Erdenmenschengesellschaft ändern läßt. Es würde deshalb nicht einmal etwas nutzen, wenn die Wesen der Geldmacht die Werte an den übrigen Teil der Gesellschaft abgäben oder wenn die Werte plötzlich gleichmäßig unter den Wesen der Gesellschaft verteilt werden würden. Bevor ein Tag vergangen wäre, würden die Verhältnisse genau dieselben sein wie vor der Verteilung, da dann viele Wesen ruiniert und andere reich und wohlhabend sein würden. Die wirkliche Ursache wurzelt also darin, daß die gesamte Erdenmenschheit dem Tierreich noch nicht ganz entwachsen ist. Und im selben Grad, in dem sie dem Tierreich noch nicht entwachsen ist, muß sie auch die Tendenzen, Manifestationen und Lebensbedingungen des Tierreiches befolgen. Man kann deshalb der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung nichts zur Last legen, weder der Geldmacht noch der Staatsmacht, weder den Reichen noch den Armen, weder dem Verbrecher noch dem Pfarrer, denn diese Gesellschaftsordnung ist dazu gezwungen, ausschließlich Ausdruck für die Entwicklung zu sein, zu der das erdenmenschliche Durchschnittsbewußtsein gekommen ist. Ebenso wie man nicht verlangen kann, daß ein vierjähriges Kind mehr manifestieren kann als die Handlungen eines vierjährigen Kindes und ein achtzigjähriger Mensch keine anderen Handlungen manifestieren kann als ein Achtzigjähriger, kann man auch nicht verlangen, daß die gesamte Menschheit eine höhere Entwicklungsstufe manifestiert als die, auf die sie gekommen ist und für welche ihre gegenwärtige Lebensbedingung und Gesellschaftsordnung eben ein fundamentaler Ausdruck ist. Daß diese Gesellschaftsordnung und diese Lebensbedingungen von unbehaglicher und schmerzlicher Natur sein können, bedeutet nicht, daß sie im Widerstreit mit dem göttlichen Weltplan oder mit dem Begriff "alles ist sehr gut" stehen, denn es ist ebenso natürlich, daß die Erdenmenschheit, die in der Entwicklung auf dem Wege vom Tierreich ins Menschenreich ist, alle die dazwischenliegenden Grade von Erfahrungszonen durchmachen muß, um damit im wahren menschlichen Dasein erwachsen zu werden, wie es natürlich ist, daß jedes Kind, das geboren wird, durch alle Stadien der Kindheit und deren Erfahrungszonen hindurch muß, um im täglichen Dasein erwachsen zu werden. Wie das kleine Kind, das noch nicht weiß, daß ein stark geheizter Ofen nicht mit den bloßen Händen berührt werden kann, ohne daß man sich verbrennt, ihn anfaßt und sich verbrennt, ist es auch mit der Erdenmenschheit selbst. Ihre Gesellschaftsordnung und Lebensbedingungen sind ein Ausdruck dessen, daß sie sich in einer Zone befindet, in der sie auf vielen Gebieten dabei ist, sich zu "verbrennen", d.h. daß sie in entsprechendem Grad dabei ist zu erleben, daß sie auf diesen Gebieten anders gehandelt haben sollte. Wenn also die Erdenmenschengemeinschaft dabei ist, zu dieser Erkenntnis zu kommen, dann liegt das eben an den Schmerzen und Leiden, die ihre falsche Handlungsweise verursacht hat, und die eben ausschließlich auf das tierische Lebensprinzip konzentriert ist, d.h. "jeder ist sich selbst am nächsten" oder "lieber nehmen als geben", was wir ja gerade als das Hauptprinzip im erdenmenschlichen Selbsterhaltungstrieb sahen. |
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