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(1-288) 
 
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Die Nationen sind mit Wesen zu vergleichen, die eine Gesellschaft ohne Gesetzes- und Rechtswesen bilden  97. Das Recht oder die Staatsgewalt ist somit noch weit davon entfernt, vollkommen zu sein, insonderheit, weil es nur "nationaler" Natur ist. Dies bedeutet wieder, daß jede Form von Staatsgewalt oder von Gesetzes- und Rechtswesen nur für ein einzelnes Volk und für ein einzelnes Landgebiet gilt, dessen Grenzen eigentlich einmal durch selbstsüchtige oder räuberische Okkupationen in der Vergangenheit gezogen wurden und die deshalb noch zuweilen Dünungen von schwelenden und gärenden Unzufriedenheiten hinterlassen, welche wieder Anlaß zu neuen Kriegen geben können. Auf diese Weise ist die gesamte Erdenmenschheit in viele "Staatsgewalten" eingeteilt, was dasselbe ist wie "Nationen". Da diese Nationen jedoch hauptsächlich selbständig sind, d.h. ein bestimmtes Volk, seine Moral und seinen Charakter repräsentieren, werden sie wie die einzelnen Erdenmenschen Ausdruck für Selbstsucht und repräsentieren mehr oder weniger das Prinzip "jeder ist sich selbst am nächsten". Die Nationen sind also mit Wesen zu vergleichen, die einen Charakter haben, die moralisch und unmoralisch sein können. Die gesamten Nationen der Welt sind in bezug auf das eben Gesagte als eine Gemeinschaft zu betrachten, deren einzelne "Individuen" die Nationen sind. Aber der Unterschied zwischen dieser "Gemeinschaft" und einer ganz allgemeinen Gemeinschaft ist der, daß die erstgenannte noch ohne Gesetzes- und Rechtswesen ist. Hier gibt es keine Regierung. Hier gibt es keine Polizei. Die einzelnen "Individuen" (Nationen) sind sich selbst preisgegeben, müssen sich selbst aus eigener Kraft und Stärke helfen. Würden wir dieses Verhältnis auf einen einzelnen Staat übertragen, was würde dann das Resultat sein? – Es würde ganz einfach dies sein, daß die einzelnen Wesen ganz nach ihrem eigenen Gutdünken, jedes nach eigener Kraft und Stärke, schalten und walten könnten. Die Schwachen würden niedergeschlagen werden. Aller Friede wäre verbannt. Jeder müßte bewaffnet sein, mit Schußwaffen gehen. Jedes Heim müßte seinen Verteidiger haben, seine Maschinengewehre usw. Und gerade solchen Verhältnissen ist ja die "Gemeinschaft" unterworfen, in der die Nationen "Individuen" sind. Hier gibt es, wie gesagt, keine Polizei. Die einzelnen "Individuen" müssen "Waffen tragen", d.h. ein stehendes Heer und eine Flotte haben. Jedes "Wesen" (jede Nation) muß selbst ihr Recht behaupten. Jedes Wesen ist seine eigene Polizei. Innerhalb einer solchen "Gemeinschaft" hat jeder sich mehr dem Stärksten, der Macht, zu fügen als dem Recht. Hier wird nicht Rücksicht darauf genommen, ob ein einzelnes "Individuum" (eine einzelne Nation) zugrunde geht, auskonkurriert wird usw.
      Betrachten wir die gesamte Erdenmenschheit auf diese Weise, als wäre sie ein Staat, dessen einzelne Wesen Nationen sind, dann werden wir also Zeuge dessen, daß sich dieser "Staat" in Hinsicht auf Verwaltung, Gesellschaftsordnung und Lebensbedingungen auf der Entwicklungsstufe des Steinzeitvolkes befindet und nur in dem über dessen Entwicklung steht, was die Entfaltung tierischer Barbarei und tierischer Grausamheit betrifft. Sämtliche dieser "Individuen" haben sich somit dazu entwickelt, Waffen (das Militärwesen) zu tragen, die nicht allein "schärfer" als die Flintwerkzeuge des Steinzeitvolkes sind, sondern die außerdem ein sehr umfassendes, hervorragend entwickeltes Mordsystem repräsentieren, in welchem alle Mittel, die das "tötende Prinzip" fördern, bis zur Genialität gebracht worden sind. Wenn es dazu kommt, daß jedes dieser "Individuen" (Nationen), auch noch mit einer auf dem Gebiet der Ausbeutung oder Begehrlichkeit entsprechend entwickelten Intelligenz ausgerüstet ist, die innerhalb des "Geschäftsbegriffs" in der Lage ist, die Räuberei und die Manifestation der Begehrlichkeit als Heldentaten und Ideale aussehen zu lassen, so werden wir hier Zeuge dessen, daß innerhalb der erdenmenschlichen Gemeinschaft noch ein großes Gebiet existiert, in dem das Tierreich oder das Prinzip "Macht ist Recht" fast in Reinkultur existiert. Recht oder das absolut "menschliche" Lebensprinzip "Recht ist Macht" ist also noch weit davon entfernt, seine Vollkommenheit oder sein endgültiges Ziel erreicht zu haben: alle Realitäten innerhalb der Erdenmenschheit liebevoll zu umfassen.


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