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Lesen und suchen im Das Dritte Testament
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(289-638) 
 
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Das Ich existiert vor und nach den Einzelheiten in seiner Schöpfung  347. Aber das Leben hat keinen Anfang. Es ist ein ewiger Kreislauf. Und das Lebewesen ist der Urheber aller Einzelheiten und allen Kolorits dieses Kreislaufs. Die einzelnen Details in diesem Kreislauf haben einen Anfang und ein Ende. Aber der Urheber von allem, was anfängt und aufhört, muß vor dem Anfang existiert haben. Wie sollten die Einzelheiten denn sonst entstanden sein? Und wenn der Urheber nach dem Aufhören der Einzelheiten nicht existierte, wäre die Entstehung der Einzelheiten zwecklos gewesen. Wenn der Urheber der Schöpfung selbst die Erfahrungen seiner Schöpfung nicht ernten sollte, wer sollte sie denn dann ernten? Daß andere diese Erfahrung ernteten, während der Urheber sterben müßte, wäre ja sehr ungerecht. Das wäre ja genau so, als ob einige Wesen sich die Annehmlichkeiten aneignen könnten, die andere gesät haben, während diejenigen, die vielleicht mit großer Mühe die Ursache oder die Grundlage für die Entstehung der Annehmlichkeiten geschaffen haben, niemals selbst ihre Schöpfung oder die Früchte ihrer Saat genießen könnten. Aber so sind die Gesetze der Natur nicht. Der Mann, der nasse Füße bekommt, muß die Folgen selbst erleben. Man bekommt keine Erkältung, weil sein Nächster zu dünn bekleidet ist.
      Es ist richtig, daß es innerhalb dieses erdenmenschlichen Horizonts so aussieht, als ob viele unschuldig leiden müßten und als ob andere eine Menge Vorteile ernteten, deren Erlangung sie nicht verdient haben und für die sie auch keinen Finger gerührt haben. Diese Auffassung beruht aber wieder auf dem viel zu kleinen erdenmenschlichen Horizont, der nur die Lebenszeit des erdenmenschlichen Körpers umfaßt und somit überhaupt keine Ewigkeitsperspektive hat. Das Wesen sieht sich selbst ja nur als etwas Zeitliches. Es verbindet seine Existenzdauer mit der Lebenszeit seines Körpers und hat damit aus seinem Tagesbewußtsein all das ausgeschlossen, was es eventuell vor der Lebenszeit seines Körpers getan hat. Es hat damit alle Voraussetzungen verloren, um seine Zukunft nach dem Aufhören oder Untergang dieses Körpers verstehen zu können.


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