Stern-Symbol im Menü


Lesen und suchen im Das Dritte Testament
   Ziff.:  
(289-638) 
 
Erweiterte Suche
   

 

Der Altersunterschied der humanen und der brutalen Tendenzen der Wesen und deren Einfluß auf ihr tägliches Leben  454. Da aber die Erdenmenschen durch ein millionenjähriges Dasein – das ihre Passage durch den Zustand der fleischfressenden Pflanzen, durch das gewöhnliche tierische Dasein in Ozeanen und über Kontinente hinweg und schließlich ihr beginnendes Menschendasein enthält – den Krieg als absolut unentbehrliche Lebensbedingung und damit als allerhöchste moralische Basis angesehen haben, ist es klar, daß die millionenjährige Prägung des Gedanken- und Seelenlebens des Individuums und seine Schaffung der Organismen eine so tiefe Spur hinterlassen haben, daß diese sich nicht in einem Augenblick entfernen läßt, auch nicht mit der biblischen Bergpredigt, deren schöne Worte das Größte, das Wahrste und damit das Wichtigste sind, was überhaupt in dieser Welt gesagt werden kann. Und die Folge muß denn auch notwendigerweise die Tatsache sein, mit der die Erdenmenschen nun schon in vielen Inkarnationen gelebt haben, nämlich daß sie Wesen sind, in denen die millionenjährige kriegerische Lebensweise dominierendes Gewohnheitsbewußtsein ist, lediglich gehemmt durch einige einzelne, noch zarte oder neugeborene Fähigkeiten in Richtung auf die Schaffung einer diametral entgegengesetzten Lebensweise, d.h. die der Humanität oder der Liebe.
      Daß diese Lebensweise gerade erst geboren ist, läßt sich in Anbetracht des Entwicklungspanoramas, das wir hier überblicken, nicht verleugnen. Was bedeutet es schon, daß die Menschen die ersten schwachen Prophezeiungen oder Verheißungen zu den ersten elementaren Formen des Beginns dieser humanen Lebensweise über einige Jahrtausende im obengenannten Panorama zurückverfolgen können, wenn die Lebensweise des Krieges, des Tötens oder der Macht in der universalen Stammtafel dieser Wesen bis weit zurück zu ihrem Hervortreten als fleischfressende Pflanze verfolgt werden kann? Das humane Gedankenklima, ob es sich als Buddhismus, Christentum oder als irgendeine andere Form humaner Religiosität zeigt, ist noch immer nur als ein kleiner, neugeborener Stern auf dem ungeheuren Himmel dieses Zeitpanoramas zu betrachten. Mit anderen Worten, die Kriegsmoral oder die Kriegskräfte im Erdenmenschen repräsentieren Millionen von Jahren in der irdischen Existenz, während die Friedensmoral oder die Humanität in derselben Existenz nur Jahrtausende repräsentiert. Es ist kein Wunder, daß der Krieg noch mit so überwältigender Übermacht über die Welt dahinrasen kann und daß die humanen Tendenzen oder sympathischen Anlagen noch so unsicher und schwach sind, daß sie in jeder Kriegssituation von dem unglaublich überlegenen millionenjährigen kriegerischen Gewohnheitsbewußtsein, das in der gegebenen Situation sofort automatisch in Funktion tritt, völlig außer Kraft gesetzt werden. Nur in ganz einzelnen Fällen kommt es vor, daß ein Wesen wie Christus es wagt, die sympathischen Anlagen im Dienste der Verteidigung zu gebrauchen und die rechte Wange hinzuhalten, wenn es auf die linke geschlagen wird. Im allgemeinen sind die millionenjährigen tierischen Kräfte im Wesen im Verhältnis zu den viel jüngeren humanen Tendenzen so dominierend, überlegen und routinemäßig, daß das Ich faktisch keine Wahl hat. Es hat also zwei Verteidigungswaffen, von denen die eine aus den routinemäßigen Mord- und Zerstörungskräften und die andere aus den in diesem Panorama schwachen, neugeborenen oder beginnenden humanen und intellektuellen Tendenzen besteht. Da aber diese Tendenzen nur wenige Jahrtausende repräsentieren, sind sie in dem unermeßlich großen Bereich innerhalb der Mentalität der Erdenmenschen noch immer nur "A-Wissen", während die Kriegs- oder Mordtendenzen, mit ihrer millionenjährigen Tradition schon längst überall in der gesamten Mentalität dieser Menschheit zu "C-Wissen" geworden sind. Das bedeutet wieder, daß die kriegerischen Tendenzen in Wirklichkeit noch natürliche, angeborene oder von der Vorzeit ererbte Anlagen sind, die automatisch in Funktion treten, wenn die notwendigen auslösenden Momente gegeben sind, ganz unabhängig davon, ob die Wesen das wollen oder nicht.
      Diese angeborenen Kriegskräfte kommen in Reinkultur in den Anfällen zur Auslösung, die wir "Wut" oder "Jähzorn" nennen. Solche Anfälle sind Ausdruck der tierischen Mentalität in ihrer Kulmination. Sie sind daher in jenen Stadien der Entwicklung eine Tugend, in denen sie eine Lebensbedingung sind, u.a. für die Wesen, die wir "Raubtiere" nennen. Sie sind eine automatische Mobilisierung aller Tötungs- und Zerstörungstalente im Wesen, zum Nutzen für die Überwindung des Gegners oder der Beute. Es ist eine Lebensbedingung, sie zu überwinden. Je größer die Fähigkeit des Wesens zur Mobilisierung dieser in diesem Stadium lebensbedingenden Kräfte ist, desto größer ist dementsprechend seine Fähigkeit, sich in dieser Zone zu behaupten. Und diese Anfälle können daher, wie gesagt, in diesem Stadium nur eine Tugend sein.


Kommentare bitte an das Martinus-Institut senden.
Fehler- und Mängelanzeigen sowie technische Probleme bitte an Webmaster senden.