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(289-638) 
 
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Die allgemeingültige erdenmenschliche Anschauung vom Weltall und die wirklichen Fakten. Ein Konflikt zwischen der "Sündenerlaßtheorie" und den Lebensgesetzen oder der wirklichen Wahrheit  586. Nun wird man hier möglicherweise einwenden, daß die Konstruktion des Weltalls gerade der erstgenannten entspricht, da diese Ausdruck für all das ist, was vom allgemeinen erdenmenschlichen Aussichtspunkt aus vom Weltall sichtbar wird. Von diesem Aussichtspunkt aus scheinen die Lebewesen sehr weit davon entfernt zu sein, "gleichgestellt" zu sein. Hier kommen alle Formen von Vorrechten und Benachteiligungen und den hieraus folgenden Formen von "Ungerechtigkeit" oder "Martyrium" vor.
      Kann es aber richtig sein, daß das Weltall nicht in dem vollkommensten logischen Plan konstruiert ist oder hervortritt? Sollte man nicht meinen, daß an diesem erdenmenschlichen Blickwinkel etwas falsch ist? Man wird auf alle Fälle gezwungen sein zu erkennen, daß er nur einen sehr kleinen Ausschnitt des wirklichen Konstruktionsplans des Weltalls abdeckt, auch wenn man in der "Sündenvergebungstheorie" glaubt, die Ganzheit oder die Lösung gefunden zu haben. Wir haben aber schon im Voranstehenden gesehen, daß diese "Sündenvergebungstheorie" – obwohl sie in Form eines "Sakramentes" eine große Hilfe oder Kraft zur Förderung der "göttlichen Suggestion" zu einem Zeitpunkt war, als die erdenmenschliche Mentalität nicht mit Intelligenz, sondern nur mit Gefühl geführt werden konnte – nicht davon freigesprochen werden kann, ein ziemlich dichtes nebelartiges Hindernis für das Wesen zu sein, das kraft seiner Intelligenz oder seiner intellektuellen Fähigkeiten so weit gekommen ist, die wirklich absolute Wahrheit oder Lösung des Lebensmysteriums haben zu wollen. Diese Theorie – die erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Bibel kam als viele der absolut tragenden Wahrheiten, wie z.B. "und er wird jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen", "Stecke dein Schwert in die Scheide, denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen", "Was der Mensch sät, wird er ernten" sowie verschiedene andere – ist allmählich zu einem solch dichten Nebel geworden, daß sie die Grundlage für die Berechtigung dieser wichtigen Lebensfazite oder ihre Identität mit der Wahrheit völlig verbirgt. Die "Sündenvergebungstheorie" basierend auf der Leidensgeschichte – die den Menschen "ewige Seligkeit" gewährt, ganz unabhängig davon, was sie in Form von "Sünden", Leiden und Verfolgung gegen sich selbst und die Mitwesen verübt oder unternommen haben, wenn sie "ihre Sünde nur bereuen" – macht die Erfüllung oder Einhaltung dieser Lebensgesetze überflüssig. Es besteht also ein Konflikt zwischen dieser Theorie und der Identität der Lebensgesetze als Wahrheit. In diesem Konflikt steht die Sündenvergebungstheorie, die auf der Leidensgeschichte beruht, außerordentlich schwach da. Allein ihre Forderung, daß man seine Sünden "bereuen" soll, ist ja eine Forderung, etwas zu erbringen, was gar nicht dem eigenen Willen unterliegt. Zu "bereuen" ist kein Intelligenz- oder Willensakt, sondern ein "Gefühlsakt". Zu "bereuen" ist nichts, was geschieht, weil man es will. Reue kommt ebenso gut, wenn man es nicht will. Sie ist die Auslösung eines Konfliktes zwischen unseren seelischen Kräften und geschieht ganz unabhängig von unserem Willen.
      Das einzige, was "Reue" auslösen kann, ist das Erleben der Erfahrung, daß man etwas oder jemandem gegenüber Unrecht begangen hat. Kann man diese Erfahrung oder dieses Erleben nicht haben, dann wird es absolut unmöglich sein, "Reue" hervorzurufen. Aber die Sündenvergebungstheorie selbst beruht ja nicht darauf, Erklärungen zu geben, und bringt dies mit dem Begriff "die Wege des Herrn sind unerforschlich" zum Ausdruck. Vielmehr verheißt sie denen "ewige Verdammnis", die ihre "Sünden" nicht "bereuen" oder "bedauern", bevor sie sterben. Damit fordert sie die Erfüllung eines Aktes, der nicht willenskontrolliert ist. Sie macht den "Weg zum Himmel" oder die "Seligkeit" von etwas abhängig, worüber das Individuum ebensowenig Herr ist, wie es heute Herr über die angeborene blaue oder braune Farbe seiner Augen ist, und bestätigt damit ihre eigene Unhaltbarkeit oder ihren eigenen Untergang, und zugleich verhüllt oder verdeckt sie den Teil des Konstruktionsplans des Weltalls, der die vorher genannten ewigen Wahrheiten unerschütterlich macht, nämlich die außerordentlich herausragende, große Realität in der Natur, die wir den "Kreislauf" nennen.


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