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(289-638) 
 
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Der Kreislauf. Hunger und Sättigung als regulierende Faktoren im Kreislauf. Das Erdenleben eines Wesens ist auch ein Kreislauf  604. Dieser "Kreislauf" wird vom Lebewesen als Bewegung von Manifestation zu Manifestation erlebt. Das tiefste Moment in dieser Bewegung ist das "Urbegehren". Dieses Urbegehren ist ja seiner Natur nach automatisch, aber es setzt sich bis ganz hinunter in das Unterbewußtsein des Lebewesens fort und wird in seinem "Tagesbewußtsein" als identisch mit dem gewöhnlichen, bewußten, willensmäßigen Begehren erlebt. Dieses Begehren wird wiederum als Anziehung zwischen dem Ich und jenen Stoffen oder Materien empfunden, die in seiner Manifestation aktuell sind, wie z.B. Essen und Trinken, Kleidung, Haus und Heim, Geld usw. Hierher gehört natürlich auch das sexuelle Begehren. Die Regulierung dieser Begehren geschieht ganz automatisch. Hier gilt dasselbe Prinzip wie beim Eingießen von Wasser in einen Krug. Wenn der Krug voll ist, kann man ihn nicht weiter füllen. Wenn das Wesen durch sein Begehren so viel der begehrten Materie angezogen hat, wie es innerhalb seines Bewußtseinsbereiches auf dem betreffenden Feld fassen kann, hört das Begehren ganz automatisch auf, bis diese Materie aufgebraucht ist und wieder Platz für neue Materie desselben Feldes da ist. Diese Erscheinung ist bei den Erdenmenschen wohl am besten unter den Begriffen "Hunger" und "Sättigung" bekannt. Wenn der Magen voll ist, kann er nichts mehr fassen, und das Begehren des Wesens nach Nahrung ist zufriedengestellt, bis im Magen wieder Platz für Nahrung vorhanden ist.
      Aber was für den Magen gilt, das gilt auch für den übrigen Teil der Manifestation des Wesens. Er besteht ausschließlich aus dem Prinzip von "Hunger" und "Sättigung". Das Fehlen oder das Vermissen der aktuellen Materie wird als "Hunger" und die Überfüllung oder der Besitz des notwendigen Quantums wird als "Sättigung" empfunden. Dies gilt ebensogut für die seelischen wie für die physischen Bereiche. Dieser Begehrens- und Sättigungsprozeß ist die Triebfeder und der Regulator jeglicher Manifestation. Und dieses Prinzip hat denn auch einen Bereich, der sich weit über den gewöhnlichen täglichen "Hunger" und die "Sättigung" hinaus erstreckt. Wie aus dem Voranstehenden hervorgeht, gilt die Sättigung nur, bis der Stoff verdaut oder aufgebraucht ist, wonach der "Hunger" oder das Begehren von neuem einsetzt. Aber jedes Mal, wenn das Wesen eine "Sättigung" erlebt hat, wird der neue "Hunger" bis zu einem gewissen Zeitpunkt stärker als der vorhergehende. Dann kehrt sich das Prinzip um und der "Hunger" des Wesens wird mit jeder neuen "Sättigung" schwächer, um schließlich in diesem Feld gänzlich aufzuhören, ja es kann sogar eine reine Abstoßung ausgelöst werden. Dies kommt ziemlich oft in deutlich sichtbarer Form innerhalb des Ernährungsbereiches des Wesens vor. Ein "Leibgericht" ist selten beim ersten Mal zum "Leibgericht" geworden, sondern erst, nachdem sich das Wesen an das Gericht "gewöhnt" hat, d.h. es wurde nach mehreren Sättigungen zur besonders begehrten oder beliebten Speise. Aber hiermit hat das Begehren oder der Hunger schon die Kulmination erreicht. Bei jeder Sättigung, die nun stattfindet, wird jeder nachfolgende neue Hunger auf das betreffende "Leibgericht" immer schwächer. Und eines schönen Tages muß er dem Hunger auf ein anderen Gericht Platz machen, das allmählich zum "Leibgericht" geworden ist.
      Es ist auch dieses Prinzip, das sich in bezug auf die anormalen Nahrungsmittel und Getränke wie Alkohol, Tabak usw. geltend macht. Gegen diese Erscheinungen empfindet das Wesen am Anfang geradezu eine Abneigung. Aber durch ein schwaches Begehren, das auf "Sitten" und "Gebräuchen", auf "Mode" oder "Eitelkeit" beruht, trotzt es dieser seiner natürlichen Abneigung, die in Wirklichkeit sein Schutz gegen die unseligen Stoffe ist, und zwingt sich zum Genuß dieser Stoffe. Nach jedem kleinen Genuß oder nach jeder "Sättigung" wächst das Begehren nach ihnen und macht sie schließlich sozusagen zu ganz besonderen, ja geradezu unentbehrlichen "Leibgerichten".
      Aber auch hier kommt früher oder später die Kulmination, wenn der Organismus völlig zerstört ist, zum Wrack geworden ist. Dann entsteht in der Tiefe des Bewußtseins eines solchen Wesens das Begehren nach Befreiung von diesem seinem Laster. Es empfindet Widerwillen dagegen. Dieses Gefühl von Widerwillen des Wesens gegen das Laster ist in Wirklichkeit die zunehmende Sättigung des Wesens, obwohl das Laster noch als unstillbares Begehren in seinem physischen Organismus rast. Aber jedes Mal, wenn das Wesen ausschweifend gelebt hat und noch tiefer in sein Elend gesunken ist, wächst dieser Widerwille, d.h. also diese "Sättigung", und wird unweigerlich das zerstörerische Begehren des Wesens, durch Erdenleben hindurch, auflösen und es zu neuen, normaleren Begehren zurückführen. Eine solche Hunger- und Sättigungsperiode ist dasselbe wie das Generalprinzip im "Kreislauf". Es ist das Grundprinzip in jeglichem Erleben des Lebens. Kein einziges Erlebnis ist ein mathematisch vollendetes Ganzheitserleben, wenn es nicht eine entsprechende Hunger- und Sättigungsperiode repräsentiert. Das gilt natürlich nicht allein für die tägliche Ernährung, sondern für absolut alles, was der Wahrnehmung zugänglich ist. Alles ist "Kreislauf". Das Leben eines Wesens von der Geburt bis zu seinem natürlichen Tod im Alter ist ein natürlicher Kreislauf, ist eine balancierende Hunger- und Sättigungsperiode. Sie beruht auf dem "Hunger" nach physischem Dasein und auf dem "Gesättigt-Sein" von diesem Dasein. Aber hier gilt natürlich auch, daß für jedes "Gesättigt-Sein" von einem solchen Dasein ein noch stärkerer "Hunger" oder ein noch stärkeres "Begehren" nach einer neuen "Sättigung" kommen wird und so weiter, bis die Kulmination der "Sättigung" im physischen Dasein erreicht ist. Dann nimmt das Begehren oder der "Hunger" nach jeder neuen "Sättigung" (jedem neuen Erdenleben) ab und das physische Dasein ist nicht länger das geistige "Leibgericht" des Lebewesens. Es beginnt, Begehren nach einer anderen Form von Dasein, nach einem Kontrast oder Gegensatz zum physischen Dasein zu bekommen. Es liegt nämlich in der Natur der "Sättigung", Begehren nach dem Gegensatz zu schaffen. Alle sehnen sich nach dem Gegensatz zu dem, dessen sie satt sind oder wovon sie im Überfluß haben.


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