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Lesen und suchen im Das Dritte Testament
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(289-638) 
 
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Das "Kirchenheiligtum" kann im Hinblick auf die Lösung des Lebensmysteriums keine dauerhafte Zufriedenstellung geben. Die Wesen streben millionenfach nach einer anderen mentalen Sphäre, die wir im "Livets Bog" als das "Schulheiligtum" bezeichnen  629. Daß diese Form der Gottesanbetung nur ein Stadium auf dem Weg, nur eine Zone im Kreislauf ist und somit nicht die endgültige oder fertige Form der Mentalentwicklung oder Vervollkommnung des Bewußtseins darstellt, wird durch den Umstand zur Tatsache, daß die Wesen aus dieser Gefühlszone herauswachsen. Sie sind von den Zeremonien gesättigt und den Dogmen überlegen. Daß ihr Schicksal mit dem Schicksal all jener Wesen, die außerhalb der Zone existieren, gleichgestellt ist, macht es allmählich zu einer strahlenden Tatsache, daß sie in keinerlei Hinsicht von der Vorsehung favorisiert werden. Sie sind Unglücken, Krieg, Verletzungen sowie materiellen und seelischen Leiden genauso ausgesetzt wie all die Wesen, die nicht "erlöst" sind und keine "Gnade" oder "Vergebung der Sünden" erhalten haben. Daß dies allmählich Mystik, Zweifel und den Abfall von Glauben und Dogmen sowie Sehnsucht und die Suche nach einer neuen Lösung des Lebensrätsels bewirken muß, neue Fragen nach dem "Warum" schafft, ist eine Selbstverständlichkeit. Schon Jesus war solchen neuen Fragen ausgesetzt und mußte "den kommenden Geschlechtern" die Antwort durch den "Beistand, den Heiligen Geist" versprechen. Wir sehen denn auch, daß Heiligtümer, Kirchen und Tempel – wieviel Schönes und Göttliches sie den Menschen auch gegeben haben mochten – ihren Anhängern nicht die absolute dauerhafte Zufriedenstellung im Hinblick auf die Lösung des Lebensmysteriums geben konnten. Und wir können uns ja auch allmählich immer mehr davon überzeugen, daß das "Kirchenheiligtum" einen außerordentlich herausragenden Konkurrenten bekommen hat. Eine andere Form von Heiligtum ist entstanden. Diese wollen wir "Schulheiligtum" nennen. Es besteht aus Universitäten, Lehranstalten oder Schulen. Dieses "Heiligtum" findet einen ständig wachsenden Zuspruch, muß in immer größeren Palästen untergebracht werden, muß immer mehr Fakultäten oder Unterrichtsfächer enthalten, muß sich immer mehr Unterrichtsmaterialien und Hilfsquellen in Form von Laboratorien, optischen Apparaten, Teleskopen und Mikroskopen verschaffen usw. Hier suchen Millionen und Abermillionen von Wesen auf der ganzen Welt nach Erkenntnis und streben nach Ausbildung in realistischem Wissen und Können, während gleichzeitig in den Bank- und Stuhlreihen der "Kirchenheiligtümer" immer mehr Plätze leer bleiben. Die Fackel des Krieges, die dieses "Heiligtum" gerade bekämpfen wollte, leuchtet in außerordentlichem Ausmaß durch seine Fenster. Bombenexplosionen, Kanonendonner und Todesröcheln beherrschen die Kontinente seiner Zone und übertönen seine Predigten.
      Aber der Kreislauf geht weiter. Die Wesen sind lebendig und können nicht mit Dogmen ernährt werden, die zu Ruinen geworden sind. Sie können nicht in einer Steinwelt leben, selbst wenn sie mit Kristallen und Eisblumen ausgeschmückt ist. Sie sind aus Fleisch und Blut. Sie wünschen sich daher denselben wärmenden Pulsschlag ihres Herzens und Blutes als Tatsache in den Details des Lebens außerhalb ihrer selbst – auf dieselbe Weise wie er in ihrem eigenen Innern schon längst zur Tatsache geworden ist. Sie müssen daher die Welt der Dogmen, die Welt des Glaubens hinter sich lassen, sie müssen heraus aus dieser Zone. Die Lebensgesetze bedingen, daß sie sich vorwärts und aufwärts hin zum absoluten Licht, zur ewigen Wahrheit oder zur Lösung des Lebensrätsels in der Ferne bewegen müssen.


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