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Lesen und suchen im Das Dritte Testament
   Ziff.:  
(289-638) 
 
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Die Erinnerungen treten in zwei Phasen auf  635. Die Erinnerung gibt uns also die Fähigkeit, in verwandten Erlebnissen das Prinzip oder den Kern wiederzuerkennen. Daher können wir sie in zwei Phasen einteilen. Die erste Phase ist die, in der wir alle sie als pure Erinnerung erleben und in der sie uns eine klare Detaillierung einer ganz bestimmten, erlebten Erscheinung gibt. Die zweite Phase ist die, in der die Erinnerung keine klare, eindeutige Detaillierung mehr von der erlebten besonderen Erscheinung darstellt und daher nur als das Wissen vom Prinzip oder Kern der Erscheinung im Bewußtsein zurückbleibt.
      Aber ein Wissen über eine Erscheinung, an deren Einzelheiten wir uns nicht mehr "erinnern" können, nehmen wir nicht mehr als "Erinnerung" wahr. Jetzt ist sie fast als neue Fähigkeit oder neues Talent zu betrachten. Wenn wir uns vorstellen, daß ein Wesen in seinem derzeitigen Erdenleben eine sehr schwere Krankheit durchmacht, z.B. Krebs, dann wird dieses Erlebnis in seinem Bewußtsein ein herausragendes Wissen über die Details oder Symptome dieser Krankheit schaffen. In seinem jetzigen Erdenleben steht dieses Wissen als eine sehr realistische oder fundamentale "Erinnerung" da und bildet damit die Phase Nr. 1. Wenn aber dieses Erdenleben längst beendet ist und das Wesen in ein neues Leben hineingeboren wird, hat es dieses Wissen nicht mehr als bewußte "Erinnerung". Daß dieses Wissen aber trotzdem in seinem Bewußtsein gegenwärtig ist, zeigt sich in seiner Einstellung jedem Krebspatienten gegenüber, dem er eventuell in dem neuen Erdenleben begegnet, und in seinem Verständnis für ihn. Es zeigt sich hier, daß er in besonderem Grad die Fähigkeit hat, sich in die Qualen und Leiden des betreffenden Patienten hineinzuversetzen, sich den Zustand des Kranken in seiner eigenen Mentalität ganz lebendig vorstellen zu können. Dies besagt wiederum, daß er unbewußt eine Verbindung zwischen dieser Begegnung mit dem Zustand des Krebspatienten und seinem eigenen früheren, aber nun unbekannten oder vergessenen Erlebnis derselben oder ähnlichen Art herstellen kann. In Wirklichkeit ist es dieses Prinzip des vergessenen Erlebnisses, das für ihn lebendig wird, ohne daß er sich deshalb klar darüber wird, daß dieses lebendige Bild des Prinzips, das er von der Krankheit des anderen in seinem eigenen Bewußtsein hat, nur die Reminiszenz seines eigenen Erlebens derselben Erscheinung in einer unbekannten Vergangenheit ist. Dieses Verlebendigen der Leiden anderer im eigenen Bewußtsein des Wesens geschieht ausschließlich kraft einer unbewußten Mobilisierung seiner eigenen "Erinnerungen" aus früheren Leben, die aber in Phase Nr. 2 hervortreten.


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