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Lesen und suchen im Das Dritte Testament
   Ziff.:  
(639-1052) 
 
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In der Zahlensprache muss es auch "Subjekte" und "Prädikate" geben, ebenso wie in der Buchstabensprache  1012. Die Zahlenreihe hat wie gesagt nur zehn Zahlenbuchstaben, nämlich die Zahlen von null bis neun. Von diesen ersten zehn Zahlen sind es nur die Zahlen eins bis neun, die zählen. Warum ist es aber dann notwendig, vor der Eins die Null zu haben? Ja, warum ist es notwendig, dass wir "Ich" sagen, wenn wir die von uns geschaffenen Situationen zum Ausdruck bringen wollen? Warum sagen wir z.B. "ich denke", "ich schreibe", "ich gehe"? Warum begnügen wir uns nicht damit zu sagen "denke", "schreibe" und "gehe"? Ja, liegt das nicht daran, dass diese Wörter alleine ganz unvollkommen oder sinnlos sind? Müssen wir uns in einer solchen Situation nicht selbst fragen, "wer" oder "was" denkt, schreibt oder geht? Wir müssen also wenigstens diese unvollkommenen Wörter mit einem Wort oder Zeichen für jenes "Etwas", das denkt, schreibt oder geht, rekonstruieren. Da wir dieses "Etwas" aber nicht kennen, müssen wir also z.B. ein X vor die genannten Wörter setzen, wodurch es dann heißt: "X denkt", "X schreibt", "X geht". Aber was ist dieses X in dieser Situation anderes als die "Null" der Buchstabenreihe? Damit in den Wörtern ein Sinn entstehen kann, d.h., damit die Wörter die beiden Kontraste ausdrücken können, die nötig sind, damit ein Ding ein Erlebnis sein und damit zu einem Bericht werden kann, müssen wir also für den fehlenden Kontrast ein Zeichen finden. Ein Bericht, der nur einen einzigen Kontrast zum Ausdruck bringt, ist kein Bericht. Ein Bericht kann nur als Ausdruck für das Verhältnis einer "Bewegung" zu einem "festen Punkt" existieren. Auf dieser Tatsache basiert jeder Satz in einer Sprache. In jedem Satz müssen also ein "Subjekt" und ein "Prädikat" vorhanden sein. Anderenfalls ist es kein Satz. Das Subjekt drückt den "festen Punkt" aus, während das Prädikat die "Bewegung" ausdrückt. Aber so wie die Buchstabensprache nur dort vollkommen sein kann, wo sie das Verhältnis einer "Bewegung" zum "festen Punkt" ausdrückt, genauso kann auch die Zahlensprache nur vollkommen sein, wo sie das Verhältnis der "Bewegung" zum "festen Punkt" ausdrückt. Dies wird umso selbstverständlicher, je besser man versteht, dass im Dasein überhaupt nichts anderes existiert. Und etwas, das nicht existiert, kann unmöglich einen Bericht auslösen. Wenn die Zahlenreihe überhaupt einen Sinn zum Ausdruck bringen soll, also ein Bericht über etwas Existierendes sein soll, muss sie auch denselben Gesetzen unterworfen sein wie die Buchstabenreihe. Auch ein Satz, der mit Zahlen geschrieben ist, muss ein Bericht über das Verhältnis der "Bewegung" zum "festen Punkt" sein. Auch er muss ein "Subjekt" und ein "Prädikat" haben. Und das "Subjekt" in der Zahlensprache ist eben die Null, während alle anderen Zahlen in Wirklichkeit das "Prädikat" bilden. Das bedeutet wiederum, dass die "Null" die Zahl – oder das "Wort" – ist, um die herum alle anderen Zahlen platziert und benutzt werden können, um einen Sinn auszudrücken, ganz genauso wie das "Subjekt" das Wort ist, um das herum andere Wörter in der Sprache benutzt werden können, um einen Sinn auszudrücken. So wie das Subjekt seiner tiefsten Analyse nach der Ausdruck für das absolut Unbewegliche, für den "festen Punkt" oder das "Ich" ist, so ist auch die "Null" ihrer tiefsten Analyse nach Ausdruck für diesen "festen Punkt", für dieses namenlose, willenführende oder denkende "Etwas" im Dasein. Es kann unmöglich ein Satz oder eine Zahl vorkommen, die nicht die Aufgabe hat, die Situation dieses namenlosen "Etwas" zum Ausdruck zu bringen.


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