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(639-1052) 
 
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Der Gottheit alles zuzuordnen, was wir für "gut" halten, und ihr alles abzusprechen, was wir für "böse" halten, ist keine Gottesverehrung in "Geist und Wahrheit". Das ist Selbstanbetung und damit Götzenanbetung  702. Genauso wird auch die Wahrheit in der erhabenen Mahnung, "Gott in Geist und Wahrheit anzubeten", durch das oben Gesagte zu einer offenkundigen Tatsache. Wenn alles, was existiert, das "Bild Gottes" oder seine einzig sichtbare Offenbarung darstellt, ist es klar, dass ein einzelnes Wesen oder ein einzelnes Ding unmöglich etwas anderes als eine Lokalität oder ein Bruchteil dieses "Gottesbildes" sein kann und nicht das Ganze. Wenn aber das, was wir von "Gottes Bild" sehen, nicht das Ganze ist, kann ein Urteil, das nur auf dem Bruchteil basiert, den wir von diesem Bild sehen, unmöglich ein rechtmäßiger Ausdruck für das Ganze sein. Den Bruchteil als das Ganze anzusehen, ist ja eine Verfälschung. Und auf solchen Verfälschungen beruht die Gottesverehrung jedes Wesens, welches Gott eine ganz bestimmte Wesensart zuordnet, während alles, was außerhalb dieser Wesensart liegt, einem anderen Urheber, einem "Feind" Gottes zugeordnet wird, dem "Teufel" zugeordnet wird. Auf diese Weise der Gottheit bestimmte Manifestationsformen in höchster Instanz abzusprechen, die man selbst nicht leiden kann oder als "sündig" ansieht, ist ja dasselbe wie zu formen oder zu erschaffen. Das Resultat dessen kann daher nur eine "erschaffene Realität" sein. Das Resultat oder Produkt, das wir also auf diese Weise geschaffen haben, kann daher auf gar keinen Fall ein rechtmäßiger Ausdruck für die Gottheit sein, sondern ist vielmehr ein stabiler Ausdruck für die Begrenzung unserer eigenen Mentalität. Dieses Bild als Gottheit zu bezeichnen ist "Götzenanbetung".
      Wenn wir also einerseits der Gottheit all das zuordnen, was wir für gut und angenehm halten, und andererseits dem Teufel all das zuordnen, was wir nicht mögen, all das, was nicht zu dem passt, was wir als Moral und Idealismus ansehen, so kann dies nicht unter den Begriff einzuordnen sein, Gott in Geist und Wahrheit anzubeten, denn eine solche Auffassung von der Gottheit ist in höchstem Maße materialistisch. Wir haben jene Materie aus dem "Gottesbild" herausgenommen, die wir mögen, und nennen diese Materie "Gottheit", während wir die übrige Materie desselben "Gottesbildes" als "Teufelswerk" verurteilen. Es ist also nicht die Gottheit, die wir hier verehren, sondern eine bestimmte Art der Materie. Da dies nur die Materie ist, die in unserer Gunst steht, eine Materie, die uns außerordentlich gut bekommt, liegt es in Wirklichkeit nur an unserer eigenen Behaglichkeit, dass wir genau diese Materie anbeten, wodurch es hier zur Tatsache wird, dass es in Wirklichkeit unser eigenes Selbst oder Wesen ist, das wir anbeten. Das wird des Weiteren durch den Umstand als Tatsache dokumentiert oder festgestellt, dass wir all denen gegenüber intolerant oder entrüstet sind, die sich nur den geringsten Schatten von Zweifel an unserem besonderen Gott oder der Form von Gottesverehrung oder die geringste Abweichung davon erlauben. Dieser Zweifel oder dieser von unserer eigenen Auffassung abweichende Gottesbegriff ist ja ein Widerstand gegen die Aufrechterhaltung unseres eigenen Favoritbegriffs. Und die Intoleranz ist in diesem Fall also nur unser Selbsterhaltungstrieb, der gegen etwas ankämpft, um etwas zu verteidigen, das uns wie eine Lebensbedingung vorkommt. Wir befinden uns in einer Art Kampf – nicht für die Gottheit, sondern für eine Materie, die wir in besonderem Maße begehren. Wir führen einen Krieg, der seine Wurzel in genau demselben Prinzip hat wie irgendein anderer Krieg. Dass wir diesen Krieg "heiligen Zorn" oder "gerechte Empörung" nennen, verändert nicht das Prinzip. Das ist ja nur die Verschleierung oder Kaschierung, mit der wir unser schlechtes Gewissen beruhigen wollen oder mit der wir versuchen, diesen unseren selbstsüchtigen Kampf wie "Gottesverehrung" aussehen zu lassen. Dass dies in vielen Fällen unbewusst in uns vor sich geht, macht diese "Gottesverehrung" nicht weniger materialistisch. Sie kann nach wie vor nicht als Hingabe an die Gottheit in "Geist und Wahrheit" bezeichnet werden. Sie kann es nicht "im Geist" sein, weil sie die Favorisierung einer bestimmten erschaffenen Erscheinung ist und "Geist" demgegenüber nur jene gemeinsame Materie sein kann, aus der alle erschaffenen Dinge entstehen. Und sie kann es nicht "in Wahrheit" sein, weil sie selbstsüchtig ist. Sie kann keine wahre Gottesverehrung sein, solange sie in Wirklichkeit ausschließlich nur eine Toleranz jenen Erscheinungen gegenüber ist, die zu unseren eigenen Gunsten sind, und eine Intoleranz oder Verfolgung von Mitwesen und Dingen ist, die nicht in dieses unser Favoritsystem oder diese unsere Verehrung unseres eigenen Selbst hineinpassen.


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