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(639-1052) 
 
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Das Leiden der Wesen kann nicht gerechtfertigt werden, indem es nachfolgenden Wesen zugute kommt. Ohne Wiedergeburt wird jede Entwicklungsstufe nicht nur vollkommen überflüssig, sondern auch schlicht unmöglich  741. Hier wird man vielleicht einwenden, dass diese Erscheinung doch das Gute hat, dass die Wesen, die nachkommen, vollkommener werden und höhere und schönere Daseinsformen erleben werden. Ja, aber auch das ist ja völlig bedeutungslos. Diese Wesen, die nach uns kommen, haben ja niemals vorher gelebt und können daher auch nicht auf irgendeine Weise den Wunsch nach dieser vollkommenen oder höheren Daseinsform gehabt haben oder sie vermisst haben, vielmehr sind sie mitten in sie hineingeboren, ohne die geringste Anstrengung oder Mühe damit gehabt zu haben, sich diese Daseinsform anzueignen. Im Gegenteil, sie ist in allerhöchstem Maße Ausdruck für die innerste stille Hoffnung oder den innersten stillen Wunsch der jetzt lebenden Wesen. Aber diese werden niemals in aller Ewigkeit ein solches vollkommeneres Dasein erleben, da sie ja zusammen mit ihrem physischen Körper untergehen oder sterben müssen. Es ist richtig, dass die heute lebenden Wesen, Vorteile erlangt haben, von denen ihre Vorfahren nicht begünstigt waren, wie z.B. verfeinerte Organismen, eine entwickeltere Intelligenz, bessere Verkehrsverhältnisse, eine größere Hygiene und bessere Wohnverhältnisse, geniales technisches Können usw. Aber wozu diese verbesserten und vollkommeneren Verhältnisse? Die Lebensverhältnisse unserer Vorfahren können ja unmöglich ausgelebt, veraltet und langweilig für Wesen sein, die sie niemals erlebt haben. Die Lebensbedingungen, denen diese Vorfahren unterworfen waren, müssten doch bei jeder neuen Generation, die geboren wird, dieselbe Aktualität haben, dieselbe Freude am Leben wecken, da diese Generation ja nie zuvor existiert hat. Wenn die jetzt lebenden Wesen niemals zuvor existiert hätten, müssten sie doch in genau demselben Maße Lebensfülle in den vergangenen primitiven Lebensverhältnissen finden wie die Vorfahren. Die neuen verbesserten Verhältnisse wären also für die heutigen Menschen absolut genauso wenig erforderlich wie für die Menschen der Vergangenheit, ja sie wären absolut überflüssig, insbesondere da eine solche erhabene und verbesserte Daseinsform unmöglich zum Wunsch oder Begehren von Wesen werden kann – außer auf der Grundlage dessen, dass sie deren Gegensatz absolut ausgelebt haben oder davon gesättigt sind. Bis diese Sättigung erreicht ist, kann man ja eben nur nach diesem Gegensatz hungern oder ihn begehren und somit in entsprechendem Maße glücklich und froh über ihn sein. Und in demselben Maße, in dem man froh über ihn ist, kann die höhere und vollkommenere Form von Kultur oder Dasein ja unmöglich aktuell sein, ja sie wäre sogar für die betreffenden Wesen der Gegenstand von Antipathie und direkter Verfolgung. Sind nicht alle Formen von Religionsverfolgung ein unerschütterlicher Ausdruck hierfür? Sind nicht auch politische Kämpfe Ausdruck hierfür? Die Wesen haben alle ohne Ausnahme Antipathie gegen Erscheinungen, die einen Gegensatz zu jenen Erscheinungen bilden, die sie nicht ausgelebt haben und von denen sie nicht gesättigt sind und die sie deshalb immer noch mehr oder weniger begehren. Diese Erscheinungen sind daher die Triebkraft ihrer Wünsche oder ihres Lebens.
      Aber diese Sättigung von einer Daseinsform kann ein Wesen, das nie zuvor gelebt hat, unmöglich repräsentieren. Wie hätte sie entstehen sollen? Neue Generationen, also Wesen, die nie zuvor existiert haben, die mit ihrem jetzigen Leben somit zum ersten Mal existieren, können unmöglich von primitiven und auch nicht von intellektuellen Daseinsformen gesättigt sein. Sie müssen von Natur aus sowohl der einen als auch der anderen Daseinsform gegenüber völlig immun sein. Ein solches Wesen muss in jeder normalen Daseinsform gleichermaßen glücklich sein, gleichgültig, welche Art der Natur die Daseinsform auch repräsentieren mag, gleichgültig, in welche Stufe der Vollkommenheitsskala es auch hineingeboren sein mag. Wenn es aber exakt dasselbe Glück oder dieselbe Lebensfülle erreicht, völlig unabhängig davon, in welche Stufe der Entwicklungsskala es hineingeboren sein mag, dann sind diese Stufen zwecklos. Wenn sich die Wesen auf einer bestimmten Stufe genauso glücklich fühlen, wie die Wesen, die sich auf Stufen befinden, die noch höher liegen, wozu dann die höheren Stufen? Wozu gibt es überhaupt Stufen? Zu sagen, dass die höheren Stufen dazu da sind, den Wesen ein glücklicheres Dasein zu verschaffen, und gleichzeitig jede Möglichkeit für die Existenz der Wiedergeburt zu verleugnen, bringt also eine komplette Unwissenheit über die Konsequenzen der absoluten Sterblichkeit oder über die Notwendigkeit der Wiedergeburt zum Ausdruck. Ohne irgendeine Wiedergeburt oder irgendein vor seinem derzeitigen Leben existierendes Dasein oder Erleben von Leben hätte das Wesen überhaupt keine Voraussetzungen, um sich auf der einen Entwicklungsstufe glücklicher zu fühlen als auf der anderen. Diese Stufen wären also hundertprozentig überflüssig. Aber gibt es einen intellektuellen Menschen, der glauben kann, dass dies das wirkliche Fazit ist? Überzeugt uns die Natur selbst in ihrem wirklichen Wesen nicht allzu sehr vom Gegenteil? Die besondere unerschütterliche Erkenntnis jedes wirklich wahrheitsliebenden und fortgeschrittenen intellektuellen Forschers ist eben die, dass die Natur keinerlei Form der Manifestation von Zufälligkeiten kennt. Alles ist an Gesetze gebunden und damit zweckmäßig und logisch. Jeder Forscher, der das Gegenteil lehrt, enthüllt damit sich selbst als jemanden, der sich im ersten zarten Kindheitsstadium der Forschung befindet. Und die Erdenmenschheit ist in der mentalen Entwicklung zu weit fortgeschritten, um sich mit den mentalen Kinderseufzern begnügen zu können, die von einem solchen Stadium ausgehen können, oder um sie als Ausdruck vollkommenen Denkens oder vollkommener Intellektualität zu betrachten.


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