Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Wir nehmen nicht die wirkliche Natur eines Dinges wahr, sondern vielmehr nur das Verhältnis zwischen diesem Ding und unserem eigenen Ich. Dort, wo ein Ding nicht dieses oder jenes Verhältnis zu unserem Ich darstellt, ist es für uns nicht wahrnehmbar und wird zu "Etwas Nr. 1" | 808. Dass es genau so ist, wird auch durch den Umstand zur Tatsache, dass all diese Kontraste "relativ" sind. Wenn wir z.B. meinen, dass dieses oder jenes Ding "schön" ist, so ist der Ausdruck "schön" nur die Bezeichnung für das Verhältnis dieses Dinges zu unserem "Ich". Da es aber gleichzeitig andere geben kann, die meinen, dasselbe Ding sei "hässlich", ist diese Bezeichnung ebenfalls nur ein Ausdruck für das spezielle Verhältnis, das zwischen diesem Ding und dem "Ich" dieser anderen Wesen besteht. Wenn nun aber einige meinen, das Ding sei "schön", und andere meinen, es sei "hässlich" – welche dieser Bezeichnungen ist dann für das Ding selbst die absolut gültige? Die Antwort muss lauten – absolut keine. Das Ding hat an sich keine Analyse. Dort, wo es nicht das Verhältnis zwischen dem "Ich" und dem "Das" ist, kann es seiner innersten Natur nach nur als "X" existieren und wird denn hier, wie bereits im "Livets Bog" geschildert, identisch mit "Etwas Nr. 1", was ja dasselbe ist wie "X1". Alles, was wir über die Dinge, die wir wahrnehmen, aussagen, ist also nicht die absolute Natur der Dinge, sondern stellt nur Bezeichnungen für das Verhältnis zwischen den Dingen und unserem eigenen "Ich" dar. Dass die Sinneseindrücke somit in gewisser Weise Illusionen sind, ist sicher für viele schwer zu verstehen. Sie werden nämlich behaupten, dass, wenn ein Ding von dem einen Wesen als "schwarz" und von einem anderen Wesen als "weiß" aufgefasst wird, es möglicherweise wohl richtig sein kann, dass dieses Ding an sich weder "schwarz" noch "weiß" ist, dass es aber nicht richtig sein kann, dass es deswegen als nicht wahrnehmbar existieren und damit gleich "X" sein soll, da es ja andere Wesen geben kann, die das Ding auch wahrnehmen, wenn auch nicht als "schwarz" oder "weiß", so doch auf diese oder jene Weise. Und wenn sie das Ding wahrnehmen können, kann es nicht gleich "X" sein. Aber hier sind wir gezwungen zu wiederholen, was wir bereits früher bemerkt haben, nämlich, dass ja, wenn das Ding wahrgenommen werden kann, ein Verhältnis zwischen diesem Ding und dem Urheber der Wahrnehmung oder dem "Ich" existiert. Und es ist eben dieses Verhältnis und nicht das Ding selbst, das wahrgenommen wird. Wenn ein Wesen ein Ding als "schwarz" wahrnimmt und es nicht auf andere Weise wahrnehmen kann, muss jede beliebige andere Auffassung desselben Dinges für dieses Wesen absolut gleich "X" sein. Aber ein Ding, das für die Sinne nur gleich "X" sein kann, d.h. als nicht wahrnehmbar hervortritt, wird unumstößlich identisch mit – "X1". Das kann nämlich nicht ausgelöscht werden oder als ein "Nichts" betrachtet werden, da es ja von anderen Wesen wahrgenommen werden kann, und es tritt daher unerschütterlich mit der Analyse "Etwas, das ist" hervor. |
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