Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Das Hervortreten des Wesens als Individualität basiert ausschließlich auf der Existenz des Ichs. Wenn die Individualität nur ein Phantasiebild wäre. Die Verneinung der Existenz des Ichs durch den Materialisten ist der Beweis für die Unerschütterlichkeit seiner eigenen Individualität | 811. Wenn die allesdominierende und willenführende Zentrumsempfindung, die wir als Ich bezeichnen, eine sehr detaillierte und stark kolorierte Erscheinung wäre, existierte in unserem Bewusstsein absolut nichts, was irgendetwas erleben könnte. Alles müsste Bewegung oder Materie sein. Die beiden Kontraste, die die absolute Bedingung für jede Wahrnehmung sind, und sei sie noch so klein, würden vollständig fehlen. Das Bewusstsein wäre ein Ozean. Wie aber könnten wir die Individualität des Tropfens in eben diesem Ozean finden? Ja, wie könnte dort überhaupt eine Individualität existieren? Die Zentrums- oder Ich-Empfindung ist doch das einzige, was den Tropfen vom Ozean unterscheiden kann. Wenn sie vollständig fehlt, kann der Tropfen doch niemals isoliert werden. Individualität wäre absolut unmöglich. Aber diese Empfindung ist nun mal die allesdominierende im Bewusstsein jedes normalen Menschen, ja, sie dominiert nicht nur in der "inneren Welt" jedes Wesens, sondern sie ist auch – wenn auch auf indirekte Weise – die sichtbarste Realität in der "äußeren Welt" jedes Wesens. Ausschließlich das Vorhandensein dieses göttlichen "Etwas" oder Ichs im Wesen ist die Basis dafür, dass wir die Lebewesen als getrennte, einzelne Wesen oder Individuen sehen. Wir sehen Bewusstseinsozeane in "einzelnen" Tropfen hervortreten. Und schließlich kommt denn auch jener Umstand zur Geltung, dass sich diese Sicht immer deutlicher enthüllt, je höher sich das Lebewesen entwickelt. Das Individualitätsempfinden wird in allen Bereichen mit der Entwicklung des Wesens immer unerschütterlicher. Es müsste absolut das Gegenteil gelten, wenn das Genannte nicht die Empfindung einer wirklichen Erscheinung und damit nur ein bloßes Phantasiebild wäre. Dieses Bild müsste sich dann vor der aufsteigenden Intellektualität – wie der Tau vor der Sonne – vollständig auflösen oder verfliegen. Aber kein Lebewesen kann erreichen, dass diese Empfindung verfliegt. Selbst der schlimmste Materialist, der die Existenz des göttlichen "Etwas" oder Ichs, auf dem das Individualitätsprinzip ausschließlich basiert, hundertprozentig verneint, bestätigt mit dieser Verneinung in allerhöchstem Maße seine eigene Individualität, da die Verneinung an sich nur als Enthüllung der Unterscheidung seines eigenen Ichs vom "Das" existieren kann. Dieses "Das" ist in diesem Fall die "Verneinung". Diese ist wiederum "etwas", was – er – manifestiert. Dieses "er" ist ja Ausdruck für jene Individualität, von der sich seine Verneinung unterscheidet und die damit ihren Urheber als "Individualität" dokumentiert. Man sieht also, dass die höchste Natur des Lebewesens nicht durch Vorstellungen, Worte oder Gedanken aufgelöst werden kann. Sie besteht ewig, unerschütterlich und unabhängig sowohl von der Verneinung als auch von der Bestätigung. Sie ist immer "Etwas, das ist", ob wir das wollen oder nicht, ob wir es verstehen oder nicht verstehen. |
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