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(639-1052) 
 
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Wenn ein natürlicher sexueller Hunger nicht befriedigt wird  848. Das oben Genannte bedeutet natürlich nicht, dass das Individuum mit aller Kraft dieses oder jenes überlieferte Dogma – oder was eben für das "Normale" innerhalb der Sekten oder der Glaubensgemeinschaften dieser oder jener Zeitepoche gehalten wird – befolgen muss, denn eine solche Befolgung kann für den Menschen, den die Entwicklung weit von den speziellen Dogmen oder sexuellen Auffassungen der betreffenden Zeitepoche weggeführt hat, geradezu unterminierend für das Bewusstsein und damit lebensgefährlich sein. Die Entwicklung steht nicht still. Man wird nicht behaupten können, dass es in allen Situationen das absolut Gesündeste und Unfehlbarste ist, was man tun kann, ein vier- oder fünftausendjähriges Dogma als Rezept für das weit fortgeschrittene Gefühlsleben des heutigen Menschen aufzustellen. Die Hauptbedingung in der einen oder anderen Form für die Befriedigung eines Hungers ist also nicht das, was geschrieben steht, was die Weisen gesagt haben oder was Sitte und Brauch ist oder als autorisierte Moral aufgestellt wurde, sondern ausschließlich dieses eine, dass der Hunger ein natürlicher Hunger ist, eine unausweichliche Forderung des Organismus und der Mentalität nach einer Erneuerung ist, eine absolute Forderung nach Nahrung für die Entfaltung und Aufrechterhaltung der Lebenskraft, die wieder dasselbe ist wie die Empfindung der natürlichen Freude daran, zu existieren. Ist der Hunger von solcher Natur, so ist er eine Stimme, ein Ruf, eine natürliche Fähigkeit als Hilfe für die Förderung der Instandhaltung oder Aufrechterhaltung des ewigen Lebens und Daseins des Wesens. Wird dieser Stimme, diesem Ruf oder dieser Forderung nicht nachgekommen, so ist das eine Art "Hungerstreik" oder "Selbstmord". Das kann zwar nicht den Tod zur Folge haben, da das Ich unsterblich ist, aber wenn diese Forderung nicht auf eine ihr entsprechende gesunde Weise erfüllt wird, so kann das im schlimmsten Fall auch zu der schon erwähnten Finsternis in einer Gummizelle führen – ganz unabhängig davon, wie sehr diese "Askese" oder diese sexuelle Haltung auch eine Erfüllung autorisierter Dogmen und Vorschriften gewesen sein mag.


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