Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Der Welterlöser unterscheidet zwischen dem "Himmelreich" und dem "Himmel" |
874. Wenn es eben nicht ein kommendes physisches Dasein wäre, worauf der Welterlöser abzielte, was wäre dann mit dem Begriff "Gerechtigkeit"?
Im "Himmel" existiert wohl überhaupt keine Form von "Ungerechtigkeit"?
Wenn dessen Bewohner, die "Engel", dienende Geister für denjenigen sind, der die Seligkeit erben soll, können sie wohl keine "Banditen" voller "Ungerechtigkeit" oder "Sünde" sein?
Glaubt man, dass der Welterlöser auf die Erde kam, um im "Himmel" Vollkommenheit zu schaffen?
Wenn alle absolut größten Weisen der Welt unermüdlich überall zur Nächstenliebe auffordern und diese stimulieren, wo immer sie auftreten und mit was auch immer sie zu tun haben, glaubt man dann nicht, dass dies geschieht, um das physische Dasein der Erdenmenschen umzuformen, damit es wie das der "Engel im Himmel" wird?
Heißt es nicht im "Vaterunser": "Dein Wille geschehe, im Himmel wie auf der Erde"?
Glaubt man nicht, dass dies gerade dazu dienen soll, den Zustand der "Engel" und des "Himmels" auf der Erde oder der physischen Ebene einzuführen?
Ist es nicht diese Einführung oder das Wachstum dieser Arbeit, was Jesus mit einem "Senfkorn" bezeichnet, das allmählich zu einem großen und mächtigen Baum wird ...?
War dieser Baum nicht gerade das "Himmelreich"?
Bestätigt der Welterlöser hier nicht mit diesem göttlichen Gleichnis, dass dieses Reich nur durch Wachstum entsteht?
Was kann dieses Wachstum anderes sein als Training, Erfahrung und Erleben?
Und wozu sonst sollten der moralische Unterricht und die moralische Anleitung durch die Weisen nütze sein, wenn sie nicht dazu gedacht waren, sich mit diesem praktischen Erlebens- und Erfahrungszustand des Individuums zu verbinden?
Ist es nicht dieses durch seinen Erfahrungs- und Erlebenszustand manifestierte Mentalitätswachstum des Individuums, das wir "Entwicklung" nennen?
Ist es nicht die durch die Entwicklung des Individuums zunehmende Ablagerung von Moralkenntnis und Humanismus im Bewusstsein, die von Christus als "Himmelreich" bezeichnet wurde?
Es ist kein Wunder, dass Christus im Hinblick auf die Vervollkommnung dieses Reiches darauf, "von neuem geboren zu werden", hinweisen musste und auf die Begegnung späterer Zeiten mit dem "Beistand, dem heiligen Geist". Und es ist kein Wunder, dass er zwischen dem "Himmel" und der "Auferstehung" unterscheidet und betont, dass diese beiden Realitäten zwei verschiedene Reiche oder Lebensformen sind. Er war deutlich damit einverstanden, dass der "Himmel" der notwendige spezielle Zustand ist, in dem sich jedes Individuum befinden muss, wenn sein physischer Körper entweder aus Altersgründen oder durch Verletzungen nicht mehr imstande ist, als brauchbares Werkzeug für die physische Manifestation des Wesens zu dienen, und deshalb durch den Prozess, den wir "Tod" nennen, vom Ich und dessen Überbewusstsein getrennt wird. Dass es sich in diesem Zustand befinden muss, bis sein Ich durch sein Überbewusstsein, sein Schicksalselement und seine Talentkerne imstande ist, sich einen neuen physischen Körper zu erschaffen, darüber war sich Christus auch vollkommen im klaren. Was bedeutet es, wenn er an einer Stelle zu seinen Zuhörern sagt: "Habt ihr im Übrigen nicht gelesen, was Gott euch über die Auferstehung der Toten mit den Worten gesagt hat: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden." Und weiter wird in der Bibel hinzugefügt: "Als das Volk das hörte, war es über seine Lehre bestürzt". Was war es in Jesu Lehre, worüber das Volk bestürzt war? War es nicht sein Hinweis auf die "Auferstehung der Toten"? Glaubten diese Zuhörer nicht gerade, dass die Wesen in dem nicht-physischen oder geistigen Zustand verbleiben mussten, in den sie durch den Tod eingegliedert wurden? Und glaubt das autorisierte Christentum auf der ganzen Welt bis zum heutigen Tage nicht genau dasselbe? Ist es nicht heute wie damals normal, diejenigen, die in den genannten Zustand übergegangen sind, mit dem Begriff "die Toten" zu bezeichnen? Ist dies, dass diese Wesen "tot" sind, d.h., dass sie ihre physische Daseinsform verlassen haben, nicht für alle eine unerschütterliche Tatsache? Ist es hier nicht so, dass das Dasein für alle uneingeweihten Wesen vollkommen in Mystik eingehüllt ist? Laufen nicht alle Fäden des Lebens hier zusammen und werden zum größten Rätsel des Daseins? Ist die große Frage "Gibt es ein Leben nach dem Tod?" heute nicht dieselbe wie zur Zeit Jesu? Werden die Menschen, was dieses Problem betrifft, nicht ständig durch den Zweifel und die Dunkelheit der Unwissenheit geplagt? Zweifler kommen heute wie in der Vergangenheit um zwei Realitäten nicht herum, nämlich die "Lebenden" und die "Toten", wobei sie von den Letztgenannten glauben, dass diese vollkommen aufgehört haben zu existieren. Sind es nicht solche Zweifler, die der Welterlöser darauf aufmerksam macht, dass Abrahams, Isaaks und Jakobs Gott nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden ist? Betont er damit nicht, dass es im eigentlichen Sinne des Wortes überhaupt keine "Toten" gibt? – Alles ist lebendig. Andernfalls müsste die genannte Gottheit doch auch eine Gottheit für etwas "Totes" sein. Die sogenannten "Toten" sind also in Wirklichkeit "Lebende". Aber obwohl die Bibel nur spärliche Bruchstücke im Hinblick auf Erklärungen zu diesem Thema gibt, sind diese doch ausreichend genug, um die ganze Einstellung des Welterlösers zu diesem Problem und sein Wissen darüber zu erkennen. Wir sehen, dass er sich darüber im klaren ist, dass die Wesen nicht in dem Zustand verbleiben sollen, in dem sie von den "Lebenden", d.h. von den physischen Wesen, als "Tote" oder als diejenigen, die im "Himmel" sind, bezeichnet werden, sondern dass sie zu einem Zustand zurückkommen werden, in dem sie wieder als "Lebende", d.h. als physisch, bezeichnet werden. Es ist dieser zurückkehrende Zustand, den Jesus als "Auferstehung" bezeichnet. Was sollte es sonst sein? Wenn die Wesen in dem nicht-physischen oder geistigen Zustand verbleiben sollten, könnte keine "Auferstehung" manifestiert werden. "Auferstehung" oder "von den Toten auferstehen" wäre vollkommen ohne jegliche Grundlage. Wenn man im "Himmel" ist, braucht man keine "Auferstehung", um in ihn zu kommen. Wenn Jesus das Volk an die "Auferstehung" erinnert, ist das dasselbe wie das, was er Nikodemus gegenüber zum Ausdruck brachte, nämlich "von neuem geboren zu werden", zu einem neuen "physischen Dasein" zurückzukommen. Es ist nicht verwunderlich, dass "das Volk bestürzt war über seine Lehre", das war der gelehrte Nikodemus ja auch. |
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