Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| "Hölle", die unglücklichen Schicksale oder Leiden sind unfertige Stadien im großen Schöpfungsprozess |
908. Aber dieser Zustand der Wesen kann ihnen nicht zur Last gelegt werden.
Wie wir gesehen haben, war die Ursache der Misere kein Mangel an den Dingen, um die die Wesen sich schlagen oder derentwegen sie sich bekriegen, sondern vielmehr ein Mangel an Denkfähigkeit und der hieraus folgende Mangel an Überblick über ihre eigene wirkliche Situation.
Aber das, worüber die Wesen keinen Überblick haben, können sie eben nicht regulieren oder administrieren.
Dass das Dasein ein scheinbares Chaos sein muss, das von den Wesen zuweilen als "Dorado der Sünden", "Jammertal" oder ähnliches bezeichnet wird, ist ganz natürlich und macht es für den entwickelten Forscher gerade zur Tatsache, dass den Wesen hier eine ausreichende Denkfähigkeit und ein ausreichender Überblick über ihr eigenes Leben, ihr Schicksal und Dasein fehlt.
Aber diese "Misere" kann auch nicht der Vorsehung zur Last gelegt werden. Die erschaffende Macht, die in Jahrmillionen die glühenden Materien in eine so wunderbare himmlische Wohnstätte verwandelt hat, wie man das vom Erdball wegen seines lebendigen Kolorits und seiner verschwenderischen Fülle an Wohlbefinden oder Seligkeit spendenden Lebensbedingungen sagen muss, kann die Energieentfaltung dieses ungeheuren Zeitraums zur Hervorbringung einer solchen Vollkommenheit nicht inszeniert haben, um plötzlich das Schlussresultat zu Chaos, Disharmonie, Jammer und Elend werden zu lassen. Diese Entwicklungsresultate aus Jahrmillionen – die harmonisch aufgebauten und hundertprozentig zweckmäßigen Organismen und Sinneswerkzeuge der Lebewesen und die durch diese Sinneswerkzeuge beginnende Denkfähigkeit sowie deren weitere Fortführung hin zu einer beginnenden intellektuellen Auffassungsfähigkeit, mit der die Wesen anfangen können zu fragen, anfangen können, nach einer Erklärung des Lebensmysteriums selbst zu suchen – können nicht manifestiert worden sein, um plötzlich die Antwort auf diese Frage Chaos, Zufall, "Sünde" und "Gottlosigkeit", "Hölle" und "Strafe", "ewige Verdammnis" oder "Feuer der Hölle" für ein Wesen sein zu lassen, genauso wenig, wie die Antwort darin bestehen kann, ein besonderer Gunstbeweis, eine besondere Liebesentfaltung für einige der von der erschaffenden Macht besonders favorisierten Wesen zu sein, denn in dem Fall müsste es hier einen Fehler in der sonst so hundertprozentig vollkommenen Schöpfungsfähigkeit dieser erschaffenden Macht geben. Das würde also bedeuten, dass der von dieser Macht beabsichtigte Plan nur zum Teil geglückt wäre. Alle Wesen, die der "ewigen Verdammnis" anheim fielen, müssten missglückte Erscheinungen sein, müssten – sowohl an Material als auch an Kraft – Vergeudung sein, wenn man denn nicht sogar anerkennen wollte, dass diese Erscheinung dazu da wäre, eine perverse oder sadistische Neigung der ewigen Vorsehung zu befriedigen. Wer wagt es, an einer solchen Auffassung festzuhalten? Wo ist die logische Begründung für diese Auffassung? Ist diese Auffassung nicht ein krasser Gegensatz zu allen anderen Erscheinungen, die im göttlichen Schöpfungsprozess als fertig zu betrachten sind? Und gleicht sie nicht gerade hundertprozentig den Erscheinungen, die in diesem Prozess noch nicht fertig sind? Glaubt man nicht, dass man sich mehr in Harmonie mit seinem eigenen innersten Selbst und der göttlichen Vollkommenheit befindet, derer wir im Schein der Sonne, im Gang der Sterne, im Wachstum der Pflanzen und in der Schöpfung der Organismen der Wesen Zeuge werden, wenn man die "Hölle", die unglücklichen Schicksale und die Leiden als zu den im Schöpfungsprozess noch unfertigen Erscheinungen gehörend auffasst? |
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