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Lesen und suchen im Das Dritte Testament
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(639-1052) 
 
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Behagens- oder Wollustempfindungen durch den Geliebten und durch die Natur sind identisch  929. Es ist richtig, dass der Erdenmensch bei der Liebkosung durch die Natur natürlich nicht dieselbe Stärke im Wollusterleben empfindet wie bei der Liebkosung durch den Geliebten, aber das liegt, wie erwähnt, nicht an einem prinzipiellen oder Artunterschied, sondern nur an einem graduellen Unterschied zwischen den beiden Liebkosungsäußerungen. Behagensempfindung ist Behagensempfindung, in welcher Weise sie sich auch zeigen mag. Der Unterschied kann nur in einer stärkeren oder schwächeren Äußerung dieser Empfindung bestehen. Dass der intime Akt eben in einer Skala von Abstufungen von einer weniger starken zu einer stärkeren Äußerung vorkommt, verleiht ja gerade dem Erleben dieses Aktes Details oder Kolorit. Ohne dieses Kolorit wäre er völlig "farblos". Er könnte nicht, wie es jetzt der Fall ist, in einer Kulmination oder höchsten Entfaltung auftreten. Eine Entfaltung, die ewig gleichförmig wäre, könnte ja keine solche "höchste" Entfaltung repräsentieren. Aber wenn es für das Wollustempfinden keine "höchste" Entfaltung gäbe, könnte auch keine "niedrigste" Entfaltung des Aktes existieren. Wenn es aber weder eine "höchste" noch eine "niedrigste" Entfaltung des Aktes gäbe, müsste er ein ewig konstanter Zustand sein. Und das Individuum könnte weder Aktivität noch Ruhe beim Akt empfinden und wäre somit völlig davon abgeschnitten, "Hunger" und "Sättigung", "Wollust-" oder "Behagenserleben" erleben zu können. Aber damit wäre der göttliche Wert dieses Aktes oder die lebenspendende Kraft total verschwunden, da Wollust- oder Behagensempfinden ausschließlich nur als Befriedigung von Hunger oder Begehren existieren kann. Aber ein Leben ohne Befriedigung von Begehren oder Hunger ist kein Leben. Es könnte nur die totale Stille sein, ja, es müsste ein existierendes "Nichts" sein. Alle Tatsachen zeigen jedoch, dass das Leben kein "Nichts" ist, sondern ein "Etwas". Dass das Behagens- oder Wollustgefühl in Abstufungen von Hunger bis Sättigung vorkommt, ist also in Wirklichkeit dasselbe wie das Kolorit des Lebens. Das Leben offenbart sich uns hier als eine Orgie von Behagens- oder Wollustnuancen von den finstersten oder nachtschwarzen Schattenformationen bis zu den blendendsten und strahlendsten Sonnenscheinperspektiven. Innerhalb dieser beiden Extreme bewegt sich das Lebewesen in einem üppigen Detailreichtum an Freudenempfindungen in allen starken und weniger starken Szenerien des Farbspektrums.


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