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Lebenssubstanz Nr. 37 – Das "Empfinden, frei zu sein". Lebenssubstanz Nr. 38 – Das "Empfinden der Ortsgebundenheit"  951. Von diesem "Zuschauerraum" oder "Tagesbewusstsein" aus wohnt das Ich seinem eigenen Schicksal bei und spielt zugleich aktiv seine Rolle auf dieser Bühne. Es ist also ein aktiv Mitwirkender in diesem Spiel. Wir werden hier somit Zeuge der erhabenen göttlichen Natur des Ichs als dem "festen Punkt", um den sich die Manifestationen des Individuums oder des Lebewesens bewegen oder vibrieren. Wir sehen hier, dass das Ich unmöglich ortsgebunden sein kann. Es lässt sich nicht bestimmen, dass das Ich hier oder dort ist. Es befindet sich auf einem "Platz im Zuschauerraum", spielt gleichzeitig seine Rolle auf der Bühne und ist außerdem durch seine Talentkerne "Techniker" oder "Maschinist" hinter der Bühne. Wenn es aber gleichzeitig sowohl hier als auch dort ist, dann ist es ja "überall". Wir sehen hier also in Wirklichkeit eine Art "Allgegenwart". Aber ist das nicht genau die Eigenschaft, von der uns durch unsere Schulweisheit verkündet wurde, dass die Gottheit sie besitzt?
      Aber kann ein Ding denn "allgegenwärtig" sein? Nein, in absolutem Sinne kann es das nicht. Ein "Ding" ist auf jeden Fall "ortsgebunden". Es ist an die Zeit gebunden, hat ein "Alter", was ja eine Markierung seiner "Ortsbezeichnung" innerhalb der Zeit ist. Es hat Maß und Gewicht, was ja seinen Platz in Bezug zum Volumen bezeichnet. Es repräsentiert Grade an Geschwindigkeit, was seinen Platz in der "Bewegung" markiert. Jedes beliebige Ding ist somit absolut "ortsgebunden". Wenn es nichtsdestoweniger in unserem Tagesbewusstsein oder in unserem eigenen Erleben des Lebens eine Tatsache ist, dass wir gleichzeitig passiver Zuschauer und aktiver Schauspieler sind, wird es auch zur Tatsache, dass es "etwas" gibt, was anders ist als das "Ding".
      Ein "Ding", d.h. etwas, das erschaffen ist, kann nicht an mehr als einer Stelle zur selben Zeit sein. Ein Ding kann nicht in Europa und gleichzeitig in Amerika liegen. Eine Lokomotive kann nicht einen Zug in Australien und gleichzeitig in Afrika ziehen, so wie ein Ding ja auch nicht passiv und gleichzeitig aktiv sein kann. Es kann sich nicht in Bewegung befinden und gleichzeitig stillstehen. Aber durch unser Erleben des Lebens, ja ganz im Inneren unseres eigenen Bewusstseins, sehen wir also, dass es "etwas" gibt, das gleichzeitig passiv und aktiv ist, "etwas", das "Zuschauer" und gleichzeitig "Akteur" ist. Aber gerade diese Erscheinung oder diese Ansicht beweist, dass das, was wir wahrnehmen oder sehen, in Wirklichkeit Illusionen sind, denn selbstverständlich kann ein Ding nicht stillstehen und sich gleichzeitig in Bewegung befinden, so wie ein Ding auch nicht an zwei oder mehr Stellen gleichzeitig sein kann. Das, was wir sehen, kann also keine absolute Wirklichkeit sein, kann nur "Kulisse", "Maskierung" oder "Tarnung" sein. Aber was wird denn hier getarnt? Ja, hier müssen wir das Lebenserleben gründlich betrachten. Was ist in ihm das Zentrale? Ist das nicht das Empfinden oder das Betrachten unseres eigenen Auftretens als lebendiger, funktionierender Organismus und alsdann das Empfinden des Auftretens unserer Mitwesen als lebendige Organismen? Das, was wir sehen oder wahrnehmen, ist also nicht das Ich, sondern der Organismus, gleichgültig, ob wir selbst es sind oder unsere Mitwesen, worauf wir unsere Sinne richten. Aber sind der Organismus und das Ich denn nicht ein und dasselbe? Nein, das können sie unmöglich sein, denn das Lebenserleben selbst enthüllt sich ja unerschütterlich als etwas, das zwei diametral entgegengesetzte Prinzipien beinhaltet, nämlich "etwas", das "ortsgebunden" ist, und "etwas", das "allgegenwärtig" oder "frei" ist. Wir haben ja gerade gesehen, dass wir uns im Lebenserleben als "Schauspieler" und als "Zuschauer" empfinden, als "passiv" und als "aktiv", kurz als "ortsgebunden" und als "frei" gleichzeitig. Da dies die Grundanalyse des Lebenserlebens ist, weil es überhaupt nicht existieren würde, wenn wir eine der beiden Empfindungen entfernen würden, werden das "Empfinden, frei zu sein" wie auch das "Empfinden der Ortsgebundenheit" zu gleich großen und unerschütterlichen Tatsachen. Wir wollen die beiden Empfindungen daher als "Lebenssubstanz Nr. 37" bzw. "Lebenssubstanz Nr. 38" bezeichnen.


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