Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Warum die Analyse des "göttlichen Etwas" oder des Ichs schwer zu verstehen ist, obwohl sie das Einfachste ist, was es gibt | 957. Dieselbe Kalamität kommt zur Geltung, wenn der Leser oder Forscher zum ersten Mal der Analyse des Ichs gegenübersteht. Die gedankliche Einstellung der Leser jedem Problem, der Erforschung jedes Dinges gegenüber ist ja ein Wiegen und Messen und die hiermit verbundene Erwartung von Maß- und Gewichtsfaziten oder anderer Ausdrücke für die Grade von Begrenzung oder Ortsgebundenheit des Dinges. Und von dieser millionenjährigen und als Automatfunktion auftretenden Einstellung ist der Forscher auch beseelt, wenn er durch die Geistesforschung zum ersten Mal auf das Ich oder das "göttliche Etwas" trifft, und das greift zu kurz. Denn hier steht er zum ersten Mal etwas gegenüber, das von allem anderen dadurch abweicht, dass es nicht ein Gewicht oder Maß hat oder in irgendeiner Form "ortsgebunden" ist und daher nur mit dieser einen Analyse hervortritt: "Etwas, das ist". Da er hier zu überhaupt keinem Maß oder Gewicht kommen kann, kann er sozusagen dieses "Etwas" auch nicht be-greifen. Alle seine Erwartungen bezüglich Maß- und Gewichtsfazite können nicht befriedigt werden. Und dieses göttliche "Etwas, das ist" oder das Ich, dessen Analyse an sich das Einfachste und Leichteste ist, was überhaupt existiert – denn nichts kann in seiner Analyse einfacher sein als dies: lediglich "Etwas" zu sein, "das ist" und zugleich vollkommen bar irgendeiner anderen Analyse zu sein –, wird vom beginnenden Forscher zuweilen als das Schwierigste und Unverständlichste empfunden, was ihm jemals begegnet ist. Was ist es nun, was diese Analyse schwierig macht? Ja, eine Analyse kann nur schwierig sein, wenn sie reich an komplizierten Details ist. Wie die Leser hier jedoch selbst sehen können, ist die Analyse des Ichs so detailarm und einfach, wie die Analyse eines Dinges, das wirklich existiert, nur eben sein kann. Ja, sie ist sogar so einfach, dass auch nicht annäherungsweise etwas anderes mit einer so einfachen Analyse existieren kann. Irgendein anderes Ding existiert nicht nur, sondern es bezeichnet auch Grade von Energie ausgedrückt in Maß, Gewicht, Volumen, Farbe usw., es tritt also mit einer Flut von Erscheinungen auf, die auf speziell hierfür geeignete Sinne, die der Forscher besitzt, reagieren, wodurch das Ding sinnlich erfahrbar wird. Da aber das Ich an sich vollkommen bar solcher Erscheinungen ist, kann es in den Sinnen des Forschers nicht direkt Reaktionen hervorrufen, und es bleibt damit im Verhältnis zu allen anderen Dingen "unerfahrbar". Die Gewöhnung an diese "Unerfahrbarkeit" macht das aus, was als schwierig empfunden wird. Die Existenz eines Dinges akzeptieren zu sollen, das ausschließlich diese Existenz als Analyse hat und vollkommen bar all dessen ist, womit man sonst die Existenz eines Dinges kennzeichnet, wie z.B. Energie ausgedrückt in Maß, Gewicht, Volumen, Farbe usw., hieße, gegen tausendjährige Wahrnehmungstraditionen anzugehen. Das Individuum steht hier zum ersten Mal mit seinen Sinnen einem "Etwas" gegenüber, das keine Reaktion der Sinne hervorrufen kann. Das Individuum hat seine Augen auf "Etwas" gerichtet, das nicht gesehen werden kann. Es hat seine Ohren auf "Etwas" gerichtet, das nicht gehört werden kann. Es hat sein "Gefühl" auf "Etwas" gerichtet, das nicht gefühlt werden kann usw., und enthüllt damit, dass die Situation die ist, dass es keine Zufriedenstellung durch die gewöhnlichen sinnesmäßigen Reaktionen gefunden hat und auch nicht finden kann. Hunderttausende von Jahren und zahlreiche Erdenleben hindurch ist das Individuum durch seine Sinne Millionen und Abermillionen sinnesmäßiger Reaktionen (Erfahrungen und Eindrücke) begegnet und hat diese erlebt, es hat Analysen der Dinge und der Umwelt gefunden, aber das Leben selbst oder das "Lebendige" in ihm selbst ist weiterhin, trotz dieser millionenfachen Erlebnisse, trotz des tausendjährigen Zusammenseins mit der Natur, der Umwelt und den Mitwesen, eine unbeantwortete Frage, ein Mysterium geblieben. Und nun beginnt das Individuum zu spüren, dass diese vielen Erdenleben und die zahlreichen sinnesmäßigen Reaktionen auf etwas anderes hindeuten als auf Maß- und Gewichtsfazite und dass der Hunger nach der Lösung des Lebensmysteriums nur dadurch befriedigt werden kann, dass es diesem anderen begegnet. Dieses andere kann nicht Sinnesreaktionen, Energien und Bewegungen sein, denn in dem Fall wäre das Individuum dem Problem ja keinen einzigen Schritt näher gekommen. Und seine Frage: "Was ist Leben?" ist gleichfalls unbeantwortet. Und diese Unzulänglichkeit der Sinnesreaktionen oder der gewöhnlichen Erlebnisse in der Beantwortung der Frage ist es, was den Forscher unerschütterlich zur Existenz des "unerfahrbaren" "Etwas" hinführt und die ihm keine Befriedigung gibt, bevor er sich nicht sinnesmäßig vollkommen in Kontakt mit diesem "Etwas" befindet. Das bedeutet also wiederum, dass keine Erforschung des Lebensmysteriums vollkommen gelöst oder befriedigt werden kann, bevor sich der Forscher nicht an die Existenz des "göttlichen Etwas" hinter einem Ding gewöhnt hat. Dieses "Etwas" ist also in Wirklichkeit das unbekannte und unsichtbare Ziel des Forschers. Dieses Ziel zu erreichen, ist eine unerschütterliche Bedingung dafür, dass die Enthüllung des Lebensmysteriums erreicht wird und das Individuum seine eigene höchste Identität als unsterblicher Gottessohn erleben und das "Einssein mit Gott" spüren kann. Und da dieses Ziel nur durch das Erkennen der Existenz des "göttlichen Etwas" hinter den Erlebnissen erreicht werden kann, kommen wir also nicht an dieser Existenz vorbei, obwohl sie in Bezug auf die Materie und die durch sie hervorgebrachten Dinge "unerfahrbar" ist. Solange man die Existenz dieses "Etwas" verleugnet, wird die Lösung des Lebensmysteriums unmöglich bleiben, und das Wesen wird sich dann nicht als "eins mit der unsterblichen Gottheit" fühlen, sondern sich in höchstem Maße "eins mit der Materie, der Zerstörung oder dem Tod" fühlen – wie man sieht eine Lebensphilosophie, die als Schlussfazit oder Endziel des Lebewesens unmöglich befriedigend sein kann. Man kommt an dem "göttlichen Etwas" nicht vorbei, wie "unerfahrbar" es auch sein mag. Aber es ist richtig, wie wir schon erwähnt haben, dass die Analyse dieses "Etwas" viel zu einfach ist, um sie mit Hilfe einer Einstellung zu erfassen, die darauf basiert zu messen und zu wiegen. Diese Überflüssigkeit der Fähigkeit zu wiegen und zu messen beim Anerkennen oder Erkennen der Existenz des "unerfahrbaren" Etwas ist das, was den Forscher verwirrt. Er ist es gewohnt zu fragen: "Was wiegt dieses oder jenes, welche Wellenlänge, welche Farbe, welche Geschwindigkeit oder welche Entwicklungsstufe usw. repräsentiert es?" Und infolge dieses Gewohnheitsbewusstseins oder dieser Gewohnheitseinstellung gestaltet sich seine Frage hier in derselben Weise, obwohl es in Wirklichkeit überhaupt nicht solche Fazite sind, nach denen er sucht. Denn wenn er Maß- und Gewichtsfazite, Farb- und Geschwindigkeitsgrade usw. angegeben bekäme, hätte er zwar bestimmt eine Antwort erhalten, die sogar sehr "wissenschaftlich" aussähe, aber das wäre keine Lösung für die Frage, von der er in seinem Innersten beseelt ist. Er hätte hier den Millionen von Faziten, die er schon vorher besaß, nur neue materielle Fazite hinzugefügt. Und da diese neuen Fazite im Prinzip ganz genau dasselbe aussagen oder zum Ausdruck bringen wie die anderen, wäre die Frage nach dem "Leben" weiterhin ein ungelöstes Rätsel. |
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