Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Weshalb ganze Generationen die erste Phase des Welterlösungsprinzips "verdammen". Das "Böse" und das "Gute" sind in gleich großem Ausmaß die "Erlösung der Welt" | 973. Dass ganze Generationen jahrhundertelang diese Phase verdammt haben und sie überhaupt nicht mehr als zum Welterlösungsprinzip gehörend anerkennen, liegt nur daran, dass sie nun im Begriff sind, bis zum Überdruss oder Ekel von dieser Natur gesättigt zu werden. Der kühlende "Sommerregen" ist im Begriff, zu unterminierender Feuchtigkeit zu werden. Die gottessohnliche Pflanze glaubt sich allmählich in der Gefahr, an Muff, Schimmel oder Pilzen einzugehen, und ruft daher jetzt nach dem Licht der Seligkeit oder dem wärmenden mentalen Sonnenschein, der dieses göttliche Wesen von dieser dunklen Schlammatmosphäre mentaler Feuchtigkeit befreien kann. Und diesen Ruf kennt der Erdenmensch heute als den Schrei nach der Gottheit, den Schrei nach der Lösung des Lebensmysteriums, den Schrei nach einem wirklichen Frieden oder "Erlösung", den Schrei nach einem "ewigen Leben" in Seligkeit, den Schrei nach "Nächstenliebe". Und nur das, was dazu dient, diesen Wunsch des Erdenmenschen zu erfüllen, wird heute als zum "Welterlösungsprinzip" gehörig akzeptiert. Alles, was in entgegengesetzter Richtung wirkt, wird von diesem Wesen als das "Böse" aufgefasst. Und doch ist dieses "Böse" einmal ein so erstrebenswertes, ja geradezu ein so lebensbedingendes Gutes gewesen, dass das permanente, ewige Dasein, Leben oder Mentalität des Gottessohnes vollkommen unmöglich gewesen wäre, wenn diesem Gottessohn oder dem Lebewesen zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht in eben dieses "Böse" hineingeholfen worden wäre. So wie es heute eine ungeheure Lebensbedingung für den Gottessohn ist, von diesem "Bösen" befreit zu werden, damit ihm in den strahlenden Sonnenschein der Nächstenliebe hineingeholfen werden kann, so war es also einmal eine ebenso unerschütterliche lebensbedingende Notwendigkeit für die Förderung der ewigen Lebenserlebensfähigkeit des Gottessohnes, ihn sozusagen total aus diesem Sonnenschein herauszubringen. Und es ist dasselbe Prinzip, das sich uns im Alltag hundertprozentig im rein physischen Aufrechterhalten des Lebens offenbart. Dort, wo niemals Feuchtigkeit, Wasser oder Regen vorkommt, wo statt dessen Luft und Erde permanent von glühenden Sonnenstrahlen aufgeheizt werden, verebbt das Leben und die Wüste erfüllt das Dasein mit ihrer brennenden unfruchtbaren Einöde. Dort, wo die wärmenden Strahlen einer glühenden Sonne durch ein zweckmäßiges Hinzugeben von kühlem Wasser temperiert werden, entstehen die blumengefüllten Terrains und üppigen Obstplantagen einer Oase. Die Wüste hat also ihre Existenzberechtigung. Sie zeigt uns auf rein äußerliche, elementare Weise die Struktur des Lebens selbst. Sie ist ein Abbild der innersten seelischen oder mentalen Struktur des gottessohnlichen Wesens und zeigt sein Verhältnis zum "Sündenfall" und zur "Welterlösung". Was ist der Schrei des Lebewesens nach der "verbotenen Frucht" anderes als der Schrei eines verdurstenden Wüstenwanderers nach Wasser? Und was ist der Schrei des gottlosen Kulturmenschen nach Frieden und Nächstenliebe anderes als der Schrei desselben verdurstenden oder verhungernden Wüstenwanderers nach einer lebensbedingenden Nahrung und Sättigung? Die Befriedigung beider Schreie ist also prinzipiell dasselbe. Das "Böse" und das "Gute" sind also in gleich großem Ausmaß die "Erlösung der Welt" oder besser gesagt, sie sind die vollkommene totale Liebe, mit der der ewige göttliche Vater seinen eigenen geliebten Sohn, das Lebewesen, umarmt. Und dieser Sohn enthüllt somit, dass er zwei Formen von Begehren oder Hunger durchläuft, die beide bis zum Überfluss durch den göttlichen Vater gesättigt werden. |
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