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(1053-1590) 
 
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Alle haben Recht. Wesen und Dinge sind wirklich "gut", "böse", "gerecht", "ungerecht", "hell", "dunkel", "schön" und "unschön" in den Sinnesbereichen, in denen sie genau so gespürt oder wahrgenommen werden ‒ sie sind keine "Illusionen"  1082. Da die Wahrnehmung selbst ausschließlich dadurch bedingt wird, dass die Dinge oder Details im Wahrnehmungsbereich unterschiedlich sind, wird dieser Unterschied der Dinge eine ebenso absolute Realität wie die Wahrnehmung selbst. Wenn wir deshalb z.B. über ein Wesen sagen, dass es "ungerecht" ist, dann bedeutet das in Wirklichkeit, dass wir die "Begrenzung" oder den Kontrast zum Ausdruck bringen, den die spezielle Handlung oder das spezielle Phänomen in dem Wahrnehmungsbereich hat, also eine Eigenschaft, die das genannte Phänomen absolut haben muss, denn sonst könnten wir es ja unmöglich wahrnehmen. Sie stellt also einen Gegensatz zu den Details in unserem Wahrnehmungsbereich dar, die wir als "gerecht" aufgefasst haben. Wäre sie kein Gegensatz zu ihnen, so hätten wir sie als eins mit diesen Details aufgefasst, und damit wäre sie unter das gefallen, was wir als "gerecht" auffassen. Dasselbe ist natürlich der Fall, wenn wir sagen, dass etwas "liebevoll" oder "böse" ist, dass etwas "groß" oder "klein" ist, dass etwas "genial" oder "primitiv" ist usw. Von diesen Ausdrücken ist jeder für sich ein Registrierungsausdruck für den bestimmten Kontrast, den jedes einzelne dieser Phänomene aufweist, mit dem sie sich im Verhältnis zu den übrigen Phänomenen oder Details im Wahrnehmungsbereich markiert oder kennzeichnet. Wenn daher von Wahrnehmung die Rede ist, kann man diese Details nicht ignorieren oder behaupten, dass sie innerhalb der Erlebenssphäre, des "Jetzt" oder der "Zeit" "Illusionen" seien. Jede Einzelne ist eine absolute Realität, ohne die die Wahrnehmung unmöglich wäre. Wenn ein Mensch einen anderen als "böse" auffasst, so ist diese Auffassung im Wahrnehmungsbereich dieses Wesens eine wahre Realität. Das bedeutet wiederum, dass in diesem Bereich alle Details in einem solchen Verhältnis aufeinander eingestellt sind, dass die Ganzheitswirkung oder das gesamte Fazit dessen von einer solchen Natur ist, dass die Natur des fremden Wesens im Verhältnis dazu als absolut "böse" erscheinen muss. Das bedeutet aber nicht, dass dieses Wesen im absoluten Sinne wirklich "böse" ist. Es kann nämlich andere Sinnesapparate oder Wahrnehmungsbereiche geben, in denen das betreffende Wesen als das Gegenteil vorkommt. Das bedeutet wiederum, dass die Details im Wahrnehmungsbereich dieser anderen Wesen ein solches Ganzheitsauftreten haben, dass das Auftreten des genannten Wesens hierzu ein absolut größerer oder kleinerer Kontrast ist und daher unweigerlich gegenüber der genannten Ganzheitswirkung dazu führen muss, dass das Auftreten dieses Wesens als "gut" erscheinen muss. Genauso verhält es sich mit jeglicher Wahrnehmung. Das, was dem einen Wesen als "gut" erscheint, kann gleichzeitig dem anderen Wesen als "böse" erscheinen, was für den einen "schön" ist, ist für den anderen "unschön", und dasselbe gilt in einer ganzen Menge von Bereichen. Aber wer hat nun Recht? – Sie haben absolut alle Recht. Die Dinge sind wirklich "böse", "gut", "schön" und "unschön" in jenen Wahrnehmungsbereichen, in denen sie so empfunden oder wahrgenommen werden. Wie sollten sie sonst sein? – Wenn es nicht so wäre, was sollte dann die Wahrnehmung tragen? Die Urteilsfähigkeit und damit die Beurteilung des Wahrgenommenen oder Erlebten beruht ja ausschließlich auf dessen Kontrast oder Verhältnis zu den in denselben Wahrnehmungsbereichen bereits existierenden Details. Genau dasselbe Prinzip kommt zur Geltung, wenn man z.B., nachdem man seine Hand in fünf Grad kaltes Wasser gehalten hat, sie in 15 Grad warmes Wasser steckt. Man wird dieses Wasser als "warm" empfinden. Wenn man aber seine Hand zuerst in 30 Grad warmes Wasser hält, so wird man das 15 Grad warme Wasser nur als "kalt" empfinden können. Da jegliche Sinneswahrnehmung also ausschließlich auf dem Kontrast oder der Abweichung beruht, den bzw. die das Wahrgenommene im Verhältnis zu der im Wahrnehmungsbereich schon vorher existierenden besonderen Natur der Erfahrungen oder Erlebnisse ausmacht, kann ein Wesen ja unmöglich auf irgendeine andere Weise wahrnehmen oder erleben als es seine schon früher erlebten Erfahrungen und deren Platzierung im Zentrum oder in der Peripherie des Wahrnehmungsbereichs zulassen oder bedingen. Die Empfindungen von "kalt" oder "warm" sind wirkliche Realitäten im dem "Jetzt", in dem sie erlebt werden. Dass zwei Menschen in demselben "Jetzt" die 15 Grad Wärme nicht einheitlich empfinden, verändert also nicht das Prinzip. Ob sie diese oder jede Temperatur als "warm" oder "kalt" empfinden, ist also davon abhängig, welche Wärmeempfindung sie unmittelbar vorher erlebt haben. Dasselbe gilt ja auch für die Wahrnehmung von "Zeit". Wenn man auf etwas wartet, wonach man sich sehr stark sehnt, kommt einem diese Wartezeit "lang" vor, während dieselbe Wartezeit als "kurz" empfunden wird, wenn man in einer Situation ist, in der man sich sehr wohl fühlt und es deshalb sehr ungern hätte, wenn sie aufhört. In dem ersten Fall können die Minuten fast wie Stunden empfunden werden, während Stunden in dem letztgenannten Fall fast wie Minuten erlebt werden. Beide Empfindungen von der Geschwindigkeit oder dem Verlauf der Zeit sind also in den Wahrnehmungsbereichen der betreffenden Wesen absolut gleich richtig. Anderenfalls erhebt sich die Frage, welche der Empfindungen der beiden Wesen die richtige ist?
      Ja, hier wird man vielleicht behaupten, dass sie alle beide falsch sind und dass die Begriffe "kalt" und "warm" oder "lang" und "kurz" in diesem Fall "Illusionen" sind und nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Aber gerade diese Auffassung von den Dingen ist eine "Illusion", weil sie nämlich die Unwahrheit ist. Diese Empfindungen haben gerade mit der Wirklichkeit zu tun, denn sie sind die "Wirklichkeit" selbst innerhalb des Wahrnehmungsbereichs, in dem jede für sich entstanden ist und existiert. Das zu leugnen bedeutet, alle existierenden Erlebnisse zu leugnen, die es innerhalb der Wahrnehmungsbereiche der Wesen gibt, was wiederum dasselbe ist wie die Existenz des Lebens selbst zu leugnen. Das Erleben des Lebens besteht ja ausschließlich aus Sinneswahrnehmungen oder aus den perspektivischen Verhältnissen, die die Erlebnisse im Wahrnehmungsbereich bekommen. Welche andere Wirklichkeit außer seiner eigenen Wahrnehmung kann wohl für ein Wesen real sein? – Kann die Empfindung des "Nächsten" eine größere Wirklichkeit im Wahrnehmungsbereich des erstgenannten Wesens sein? – Nein, nur das eigene Erleben des Wesens kann "konkret" sein. Das Erleben eines anderen Wesens kann unmöglich etwas anderes sein als "abstrakt" im Wahrnehmungsbereich eines fremden Wesens. Das Weltall oder das Leben ist für ein Wesen ganz präzise so, wie es dies wahrnimmt. Wie könnte das auch anders sein? – Das, was das Wesen nicht wahrnimmt oder erlebt, kann ja im Wahrnehmungsbereich keine perspektivische Platzierung bekommen, ja, es fehlt hier total. Die Wahrnehmung eines Wesens vom Weltall ist nichts anderes als seine gesamte Empfindung der perspektivischen Platzierung der verschiedenen Details, die es von dem Weltall erlebt, in seinem Wahrnehmungsbereich. Diese gesamte Empfindung des Weltalls oder das "Weltbild" (die Auffassung von der Welt) des Wesens kann also nur von den Erlebnissen geprägt sein, die es gehabt hat, und von dem perspektivischen Platz, den die einzelnen Erlebnisse in der Peripherie oder in der Nähe des Zentrums des Wahrnehmungsbereichs bekommen haben.


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