Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Der Unterschied zwischen der "gewöhnlichen Sexualität" und der "neuen Sexualität" oder dem "höchsten Feuer" | 1140. Dadurch, dass es kein "entgegengesetztes Geschlecht" gibt, um dessen Besitz man konkurrieren kann, kann es auch keine Nebenbuhlerschaft und damit keine "Rivalen" geben. Nun wird man vielleicht einwenden, dass man doch um dieses oder jenes einzelne Individuum rivalisieren könnte, das man in besonderem Maße für sich allein besitzen möchte. Hier muss jedoch die Antwort lauten, dass es zwar ganz richtig ist, dass in der Anfängerzone der neuen Sexualität aufgrund des hier noch sehr stark auftretenden ungleichgewichtigen Polzustands "Verliebtheit" und "Eifersucht" vorkommen, weil das Wesen hier die noch unfertigen und primitiven Stadien des entgegengesetzten Pols durchleben oder repetieren muss, das heißt, dass der Mann die primitiven Eigenschaften der Frau durchleben muss und die Frau die unfertige Natur des Mannes, bevor die neue Sexualität in Reinkultur entstehen kann. Aber dort, wo diese niedrigere Natur des entgegengesetzten Pols überwunden ist, werden "Verliebtheit" und Eifersucht vollkommen unmöglich sein, weil die Sache nämlich die ist, dass die neue Form von Sexualität, die nach einer Zärtlichkeitsauslösung jenseits der Sexualorgane sucht, sich von der gewöhnlichen Sexualität dadurch unterscheidet, dass sie in ihrer vollkommensten Form überhaupt keine Behagensempfindung durch die "Besitzempfindung" erschafft, sondern vielmehr durch eine Empfindung, die wir "Abtretungsempfindung" nennen können. Während die "gewöhnliche Sexualität" eine Behagensempfindung ausschließlich im Begehren danach erschafft, die Gegenliebe eines ganz bestimmten anderen Wesens zu besitzen, und nur durch die Zufriedenstellung dieses Begehrens Genuss auslöst, löst die "neue Sexualität" dort, wo sie in Reinkultur vorkommt oder ein Produkt der Balance zwischen den beiden Polen im Wesen ist, Behagensempfindungen ausschließlich im Begehren danach aus, sich selbst hinzugeben, und nicht im Begehren danach, die Gegenliebe eines anderen Wesens zu besitzen. Dieser Genuss erfüllt also das ganze Begehren des Individuums. Wenn diese Sexualität oder dieses Begehren allgemeingültig wird, wenn es jedes Individuum erfüllt, wird es leicht zu verstehen sein, dass das "Begehren nach Besitz" überflüssig geworden ist und deshalb degenerieren und absterben muss, im "wahren Menschenreich" unmöglich werden muss. Es wird hier ebenso allgemeingültig, "lieber zu geben als zu nehmen", wie es jetzt innerhalb der Erdenmenschengemeinschaft allgemeingültig ist, "lieber zu nehmen als zu geben". |
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