Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Die künstlerische Interessensphäre des Erdenmenschen liegt außerhalb seines ehelichen Bereichs und unterminiert diesen deshalb | 1146. Der Erdenmensch tritt also mit zwei sexuellen Naturen in seiner Mentalität und in seinem Organismus auf. Er ist kein Wesen mehr, das ausschließlich "einpolig" ist. Er fühlt auch Sympathie für Wesen, die nicht dem "entgegengesetzten Geschlecht" angehören, ja er hat sogar in einem außerordentlich großen Ausmaß Interessen, die überhaupt nicht innerhalb des rein ehelichen Bereichs liegen, d.h. des Bereichs, der ausschließlich die Aufgabe hat, den Ehepartner und die Nachkommen zu verteidigen, zu beschützen und zu erfreuen. Er hat also in großem Ausmaß "künstlerische Interessen". Alles, was zum Begriff "Kunst" gehört, und hierunter fällt in Wirklichkeit auch die "Wissenschaft", hat überhaupt nichts mit dem Paar- oder Eheprinzip zu tun, ja es unterminiert dieses Prinzip sogar. Ist es nicht gerade so, dass diese Interessen des einen Partners in der Ehe sehr oft Eifersucht bei dem anderen Partner hervorrufen? – Ist es nicht in vielen Fällen so, dass der eine Ehepartner wegen seiner künstlerischen Interessen den anderen Ehepartner vernachlässigt? – Kommen bei dem großen Künstler oder Wissenschaftler diese Interessen nicht vor allem anderen? – Anderenfalls wird dieses Wesen niemals zum Genie. Man kann nur auf dem Gebiet zum Genie werden, dem man das Wesentliche seines Lebens, sein Interesse und seine Energie widmen kann. Das bedeutet natürlich nicht, dass man keine verheirateten Genies findet, aber man soll nicht glauben, dass eine solche Ehe glücklich sein kann, wenn der andere Partner ausschließlich ein Wesen ist, das hundertprozentig sein eheliches Recht fordert. Ein solches Wesen wird seinen Ehepartner tyrannisieren, seine Genialität ächten und diese auf jede nur erdenkliche Weise unterminieren. Nur das Wesen, das selbst dazu herangewachsen ist, große künstlerische Interessen zu pflegen, und das sich somit auch selbst bewusstseinsmäßig ein gutes Stück außerhalb des rein ehelichen Bereichs befindet, kann seinen genialen Ehepartner verstehen, wodurch die Ehe zwischen den Partnern einigermaßen erträglich wird. |
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