Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Dinge, die nicht zugunsten der Ehe sind. Weder kirchliche noch juristische Autoritäten können die zunehmende Unterminierung und Auflösung der Ehe verhindern. | 1205. Nun wird man vielleicht behaupten, dass die oben genannte Periode im Jugendalter doch in besonderem Maße zu der vollkommenen Paarungszeit dazugehört und dass die Verliebtheit natürlich in der ersten Periode der Geschlechtsreife besonders kräftig sein muss. Ja, das ist vollkommen richtig. Aber es ist nicht der Sinn des Lebens im Hinblick auf die "vollkommene Ehe", dass sie nur in dieser kurzen Jugendperiode anhalten oder kraftvoll sein soll. Ehelich gesehen kann es nicht vollkommen sein, dass die Ehe nur eine kleine Glanzperiode hat, die sogenannten "Flitterwochen", um die Partner danach aufgrund des Umstandes unglücklich zu machen, dass einer von beiden oder vielleicht auch beide für das eheliche Zusammenleben mehr oder weniger nicht mehr geeignet sind. Es kann unmöglich von Nutzen für die Ehe sein, dass einer der beiden Partner beim Eintritt in das "Erwachsenenalter" bereits ehelich "müde" ist, ja mitunter bis zum Überdruss von dem eingegangenen ehelichen Zusammenleben gesättigt ist. Obwohl die Partner sich noch in der Blütezeit ihres sexuellen Hungers befinden und trotz ihrer in Wirklichkeit noch voll vorhandenen Fähigkeit zum sexuellen Akt und zur Befruchtung, ist eine legale Befriedigung dieses Hungers mitunter vollkommen unerreichbar. Der unbefriedigte Hunger bekommt deshalb auch allmählich eine Natur, die immer mehr auf eine illegale Befriedigung ausgerichtet ist, was also bedeutet, dass die sexuelle Sehnsucht der Wesen immer mehr von Wesen oder sexuellen Partnern außerhalb der Ehe angezogen wird. Diese Sehnsucht hat allmählich in der modernen Gesellschaft eine solche Stärke angenommen, dass weder kirchliche noch juristische Autoritäten und Gesetze ihre zunehmende Ausbreitung verhindern konnten. Scheidungen nehmen massenhaft zu – zugunsten neuer Ehen von Geschiedenen. Und geht es nun in diesen neuen Ehen besser? – Nein, das Problem wiederholt sich bei vielen und zuweilen sogar in einem noch schnelleren Tempo in Richtung einer neuen Scheidung und so fort, und dies wird in Wirklichkeit nur von solchen juristischen Gesetzen aufgehalten, die begrenzen, wie viele Scheidungen und wie viele neue Ehen es geben kann. |
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