Stern-Symbol im Menü


Lesen und suchen im Das Dritte Testament
   Ziff.:  
(1053-1590) 
 
Erweiterte Suche
   

 

Die "Strafanstalten" oder "Zuchthäuser" der Gesellschaft oder des Staates können nicht augenblicklich durch einen Befehl oder ein Gebot abgeschafft werden, sondern ausschließlich durch eine gradweise Entwicklung  1249. Bedeutet das oben Gesagte nun, dass die Gesellschaften so schnell wie möglich jedes staatliche Rechtswesen mit den dazugehörenden "Zuchthäusern" und "Strafanstalten" abschaffen und dadurch all den entwicklungsmäßig "jüngeren Brüdern" das Recht und die Freiheit geben sollen, mit ihrem primitiven Bewusstsein oder ihrer primitiven Mentalität nach Herzenslust zu rauben und zu plündern, zu stehlen, zu lügen, zu betrügen, zu morden und zu verstümmeln? – Nein, das bedeutet es natürlich nicht. Aber selbst wenn es das bedeuten würde, würde dies nicht das kleinste bisschen an dem heutigen System der Nationen oder Gesellschaften ändern, denn wo ist der einzelne Mensch, auf dessen Gebot hin alle diese heutigen juristischen Maßnahmen abgeschafft und sich alle Türen der "Zuchthäuser" und "Strafanstalten" öffnen würden und all den sogenannten "Verbrechern" die volle mentale und körperliche Freiheit geschenkt würde? – Der findet sich nirgendwo auf der Welt. Aber wo ist dann die vereinte Obrigkeit, die durch ein plötzliches Machtwort eine solche Maßnahme bewirken könnte? – Wenn alle Nationen und Staaten der Erde sich einig werden könnten, diese Maßnahme zu verwirklichen, dann würde sich das doch machen lassen. Ja, dann könnte sich das zweifellos machen lassen. Aber diese Einigkeit zwischen allen Obrigkeiten der Erde herzustellen oder aufzubauen, liegt überhaupt nicht in der Macht irgendwelcher Menschen. Das befindet sich genauso weit außerhalb des Machtgebietes dieser Obrigkeiten wie die Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Die Gesetze des Lebens sind so göttlich logisch und planmäßig eingerichtet, dass die Obrigkeiten der ganzen Erde durch sie auf derart unterschiedlichen Entwicklungsstufen stehen, dass deren moralische Einstellungen zur und Vorstellungen von "Gerechtigkeit" unmöglich dieselben sein können. Jede Entwicklungsstufe ist ja dasselbe wie ein Erfahrungsfeld, und sie muss sich von anderen Entwicklungsstufen dadurch unterscheiden, dass sie sich oberhalb oder unterhalb der anderen Entwicklungsstufen auf der Entwicklungsleiter befindet. Aus diesem Grund ist das, was für einige der Obrigkeiten, Staaten, Völker oder Nationen "Gerechtigkeit" ist, somit für andere Obrigkeiten gemäß ihrer Auffassung und Sichtweise mehr oder weniger "Ungerechtigkeit" – entsprechend der Abweichung der Entwicklungsstufe der erstgenannten Gruppe von der der letztgenannten. Liegt es nicht genau daran, dass die Moral in drei großen Hauptreligionen in der Welt in Erscheinung tritt, d.h. also in drei großen Hauptsichtweisen? – Glaubt man, dass man mit einem überlegenen materiellen Machtwort diese drei Religionen in eine herrliche Einheit hinsichtlich der Sicht auf das Leben und Dasein und damit auf Moral und Humanität vereinen kann? – Glaubt man, dass man durch ein Machtwort, durch einen rein militärischen oder juristischen Befehl die gläubigen Anhänger des Christentums zu "Buddhisten" oder "Moslems" machen kann oder die ergebenen Anhänger dieser beiden Religionen zu "Christen"? – Und doch sind diese Religionen in ihrem Kern eng miteinander verwandt. Es ist richtig, dass im Laufe der Entwicklung die Wesen in diesen Religionen allmählich immer enger miteinander verwandt werden, aber das geschieht nicht durch ein Machtwort, sondern ausschließlich durch eine gradweise Entwicklung. Entsprechend der Ausbreitung der materiellen Wissenschaft, der technisch-chemischen Entwicklung des Westens unter den Menschen der ganzen Welt sind diese ja mehr oder weniger denselben Erfahrungen ‒ denselben Formen von Kriegen, Revolutionen und Leiden, denselben Schwierigkeiten, demselben spekulativen, ökonomischen Missbrauch oder derselben egoistischen Ausbeutung von Arbeitskraft und Werten der Mitwesen ‒ ausgesetzt, wie die, unter denen die Völker des "Christentums" selbst seufzen und stöhnen. Ja, ist es nicht genau diese Entwicklung, die jene blutigen Ereignisse ausgelöst hat, die heute, während diese Zeilen geschrieben werden, über die Länder hinwegrast? – Durch diese gemeinsamen Erfahrungen werden allmählich alle Obrigkeiten gradweise in dasselbe Erfahrungsmaterial hineinwachsen und hierdurch dieselben moralischen Ansichten oder eine ihnen gemeinsame moralische Auffassung bekommen. Es ist ja gerade diese gradweise Verwandlung, die alle Menschen dieser Erde zu "einer Herde und einem Hirten" machen soll. Aber jeder, der das heute nicht versteht, sondern sich an dem Versuch beteiligt, die Erde durch einen bloßen Befehl oder ein militärisches oder juristisches Machtwort zu einem Reich zu vereinen, wird jämmerlich ins Hintertreffen geraten und selbst von der Macht zerquetscht werden, mit deren Hilfe er andere bezwingen will, der Natur selbst zuvorkommen will, ja dem von der Vorsehung selbst festgelegten Terminplan für die Menschheit zuvorkommen will. Nein, es besteht also absolut keine Gefahr, dass die "Strafanstalten" und "Zuchthäuser" der Länder auf ein plötzliches Machtwort oder einen bloßen Befehl hin geöffnet werden könnten und friedliche Menschen der Willkür von "Verbrechern" ausgesetzt werden.


Kommentare bitte an das Martinus-Institut senden.
Fehler- und Mängelanzeigen sowie technische Probleme bitte an Webmaster senden.