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(1053-1590) 
 
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Das "Alte Testament" ist ein Stück Psychologie. Die Geschichte des jüdischen Volkes ist die Analyse des Ausschlags einer bestimmten Entwicklungsstufe und der hieraus folgenden Wirkungen, die absolut alle Staaten wie auch einzelne Individuen durchleben müssen, um Vollkommenheit erreichen zu können  1308. Das "Alte Testament" mit seinen Berichten über Kriege und heldenhafte Kriegsherren, Könige und Propheten ist somit ein Stück "Psychologie", erzählt als "Weltgeschichte". Die Geschichte des "jüdischen Volkes" wurde durch diese Berichte zum "Anschauungsunterricht" für die ganze übrige Welt. Das Leben und die Wesensart dieses Volkes, seine Irrungen, sein religiöser Glaube und seine Einstellung machen im Prinzip dasselbe Leben, dieselbe Wesensart, dieselben Irrungen und Fehltritte aus, die auch alle anderen Völker auf der Welt nach dem "jüdischen Volk" unumgänglich durchleben müssen. Das Schicksal der "Juden" ist das absolut unumgängliche Schicksal aller Erdenmenschen. Die Vorstellung, "Gottes auserwähltes Volk" zu sein, eine Art "Herrenvolk" auf Erden zu sein, ist für alle Völker, für alle Rassen, für jede Nation oder jeden Staat zu einem gegebenen Zeitpunkt in deren Geschichte ein gemeinsames Merkmal, genauso wie auch die Vorstellung, bei der Gottheit in "einer besonderen Gunst" zu stehen oder "besonders beliebt" zu sein, eine ist, der das einzelne Individuum zu einem gegebenen Zeitpunkt in seiner Passage durch den Kreislauf ebenfalls unumgänglich unterliegen muss. Der "biblische Anschauungsunterricht" in Gestalt der Geschichte des "jüdischen Volkes" zusammen mit seinem Schicksal, das, wie wir gesehen haben, in späteren Jahrhunderten diesem Volk als Nation und Rasse zuteilwurde, wurde zu einer kolossalen Demonstration dessen, dass "Hochmut vor dem Fall kommt". Das Schicksal dieses Volkes, sein Dasein und Auftreten war immer eine "Wanderung durch die Wüste". Aber diese "Wüste" hat sich dahin ausgeweitet, die ganze Welt zu umfassen. Auseinandergerissen, verhöhnt und verfolgt, von seinem eigenen Land vertrieben von den "wilden Stämmen und Horden dieser Wüste", den "Heidenvölkern", den Nationen der übrigen Welt, denen es in seinem früheren abergläubischen Stolz weit überlegen zu sein glaubte, finden wir das "jüdische Volk" so weit erniedrigt wieder, dass es fast nur noch ein "Paria" ist, dessen Rassenbezeichnung zu einem Schimpfwort für jeden "unverschämten Geschäftsmann", "Wucherer" oder "Wirtschaftsschwindler" wurde. Wahrlich, ist dieses Evangelium des "Alten Testamentes" nicht ein mahnender Weckruf an die heutigen Völker der ganzen Welt sich vorzusehen? – Ist das nicht ein einziger großer "Anschauungsunterricht" für die überlieferten göttlichen Worte: "Wer meint, er stehe, der sehe zu, dass er nicht falle"? – Was soll die moderne Welt sonst mit diesem tausendjährigen Evangelium anfangen ‒ mit seinen Berichten vom Aberglauben eines Volkes, seiner stark egoistischen Selbstanbetung, seinen Kriegen, Erniedrigungen und seiner Vertreibung ins Exil, gefördert von mehr oder weniger kriegs- und eroberungswilligen Propheten und rachsüchtigen Hohepriestern, Pharisäern und Schriftgelehrten? – Ist es nicht so, dass alle diese Personen geradezu in all den späteren Staaten und Völkern wiederkehren? – Ja, ist die bis heute erlebte Geschichte der sogenannten modernen Nationen im Prinzip nicht geradezu eine mehr oder weniger fortgeschrittene exakte Kopie der Geschichte und des Schicksals des jüdischen Volkes? – Gibt es irgendeinen heutigen Staat, der keine "Pharisäer", keine intoleranten "Schriftgelehrten" und "Hohepriester", keinen "Kajaphas", keinen "Judas" und keinen "Barabbas" gehabt hat? – Gibt es eine heutige Nation, die keinen "Jesus von Nazareth", d.h. in diesem Fall, die Ideale des "Internationalismus", gekreuzigt hat, im Glauben daran, damit den "Nationalismus" oder den Altar der Selbstsucht zu festigen? – Ist nicht die Macht, mit der die modernen Großmächte heute auftreten, einstmals mehr oder weniger durch den Gedanken entstanden, dass sie das Recht haben, genau die Terrains, Erdareale und Völker zu erobern oder zu okkupieren, durch die sie heute als Großmächte auftreten? – Aber der Gedanke, auch nur einen ganz kleinen Teil des rechtmäßigen Gebietes eines anderen Volkes zu erobern oder zu okkupieren, ist ja identisch mit der "Herrenvolkidee". Welches Volk oder welches Individuum ist total frei von dieser Idee? – Keines ‒ diese Idee steckt sehr tief in allen Lebewesen in dem Stadium im Spiralkreislauf, in dem sich die heutige Erdenmenschheit befindet. Die "Herrenvolkidee", der Glaube, das Recht zu haben, Terrains und Völker mit Macht zu erobern, die Vorstellung, "Gottes Auserwählte" zu sein, ist nichts, was ein besonderes Merkmal des jüdischen Volkes oder dieser oder jener Nation oder Rasse, dieses oder jenes Staates ist, genauso wie es auch kein spezielles Merkmal irgendeines Individuums ist. Es ist an sich vielmehr ein spezielles Merkmal für eine bestimmte Stufe auf der Entwicklungsleiter. Es ist eine unumgängliche Folge der diese Stufe markierenden Unerfahrenheit oder Unwissenheit über die Gesetze des Lebens. Absolut alle Völker und alle einzelnen Individuen müssen diese Unwissenheit und diesen Aberglauben und deren Wirkungen auf die Schicksalsbildung durchleben. Wie sollte der Hochmut sonst "zu Fall kommen" und die hieraus folgende Weisheit entstehen?


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