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(1053-1590) 
 
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Warum die Gottheitsauffassung der alten Weltepoche oder das zornige, rächende und strafende Gottheitsideal des Alten Testaments an Golgatas Kreuz starb und die Christusmentalität danach zu dem an Autorität wachsenden Weltideal wurde  1363. Aber allmählich sind die Erdenmenschen jetzt so weit gekommen, dass vieles von dem, was heute in Form ihrer Religion oder Schulweisheit als das Fertige im Leben gelehrt wird, in steigendem Umfang an Popularität und Glaubwürdigkeit verliert, weil man anfängt zu erkennen, dass es eben nicht das Fertige und damit auch nicht das Vollkommene sein kann. Ist das nicht der Grund, warum man nicht an eine "ewige Verdammnis" oder eine "ewige Hölle" für die Wesen glaubt? – Gilt nicht auch derselbe Grund dafür, dass man nicht mehr an die Sakramente als das Endgültige oder Fertige im Leben glauben kann? – Liegt es nicht genau daran, dass man sich von der Taufe, Konfirmation oder Kommunion und von der Kirche abwendet? – Beginnt man hier nicht zu spüren, dass diese Erscheinungen absolut nicht der endgültige Schlüssel zum "Himmelreich" sein können? – Beginnt man nicht zu verstehen, dass eine Gottheit oder Vorsehung, die die Kreuzigung oder tödliche Verstümmelung ihres eingeborenen Sohnes fordert, damit sie (die Gottheit) überhaupt ihren Feinden (den Sündern) vergeben kann, nicht der endgültige oder fertige Höhepunkt für ethisches Denken oder moralische Genialität sein kann? – Sind nicht viele heutige Erdenmenschen imstande, ihren Feinden zu vergeben, ganz ohne zu fordern, dass das Schicksal anderer mit Blut, Mord, Folter und Kreuzigung besudelt wird? – Ist nicht die mentale Einstellung solcher Menschen Ausdruck für ein fertigeres Resultat in der Erschaffung moralischer Vollkommenheit oder Gerechtigkeit als die der Gottheit? – War es nicht ein höheres oder vollkommeneres mentales Können, das in der Äußerung des Welterlösers zum Ausdruck kam, als er um Vergebung für seine Henker bat? – Forderte er die Besudelung mit Blut, Folter oder Kreuzigung irgendeines Wesens für eine solche Vergebung? – Stieß er nicht mit der ganzen Kraft und Stärke seiner Seele die Liebesoffenbarung heraus, die vom Kreuz auf Golgatha über die ganze Welt hinaus und durch Jahrhunderte hindurch leuchtete: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun"? – Glaubt man, dass es hier einen Wunsch nach Rache, Verfolgung und Folter oder derartige Hintergedanken gegenüber irgendeinem Wesen gab? – Wenn aber keinerlei Wunsch in dieser Richtung vorlag, dann war der Gottessohn am Kreuz ja wesentlich größer und liebevoller als die Gottheit. Wenn aber die Kreuzigung somit die Offenbarung einer Mentalität war, die ein weit größeres Verständnis für die "Sünder" und eine weit größere Liebe zu ihnen ausstrahlte als die der Gottheit, dann war die Kreuzigung auf Golgatha in Wirklichkeit der Untergang der alten Gottesauffassung. Nachdem sich ein Mensch in Fleisch und Blut mit einer Mentalität offenbart hatte, die bei weitem die Mentalität überstrahlte, die man ansonsten früher dem höchsten Wesen oder der höchsten Gottheit zuschrieb, war es klar, dass die alte Gottesauffassung hiernach unsicher werden, wanken und absterben musste. Man fing an zu verstehen, dass die ewige Gottheit wenigstens ebenso liebevoll und verständnisvoll sein musste wie der am Kreuz leuchtende Gottessohn. Und eine hierauf basierende neue Weltepoche nahm damit ihren Anfang, aber es mussten fast zwei Jahrtausende vergehen, bevor die Welt anfing zu begreifen, dass der alte heidnische, zornige und rächende Gott in Wirklichkeit an Golgathas Kreuz gestorben war und dass die Christusmentalität hiernach zu dem an Autorität wachsenden Weltideal wurde, zur Offenbarung der fertigen Mentalität im großen Schöpfungsprozess der Natur und damit als Gottes Mentalität zum Vorbild oder Ideal für jegliche zukünftige Vervollkommnung der erdenmenschlichen Willensführung und Auffassung sowie des erdenmenschlichen Auftretens wurde.


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