Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Das "Böse" und das "Gute" sind unentbehrliche Werkzeuge oder Mittel im göttlichen Schöpfungsprozess | 1375. Nein, jeder, der pessimistisch über den göttlichen Schöpfungsprozess spricht, enthüllt, dass er total unwissend darüber ist, was er in Gestalt des Universums, der Natur und des Lebens vor sich sieht. Er ist auf dem Gebiet der kosmischen Mentalität ein schlafendes Wesen, eine Pflanze, ein Schilfrohr, das sich so biegen muss, wie der lokale Wind bläst. Der lokale Wind bläst jedoch nicht immer in Richtung Sonne. Und es ist auch nicht das ganze Jahr über Sommer. Die Herbststürme brechen so manchen stolzen Stamm und entreißen den Bäumen all das Laub, das die beginnende nächtliche Kälte geschwächt und welk gemacht hat. Aber die Pflanzenwelt stirbt dadurch nicht. Wenn der Frühling den Wind wieder in Richtung Sonne, Wärme und Licht blasen lässt, entfaltet sie wieder ihr strahlendes Leben, ihren Farb- und Duftozean rund um die Lebewesen und bestätigt den Sommer, die Kulmination des physischen Lebens. Aber glaubt man denn auch hier, dass der "Winter" eine Unvollkommenheit in der göttlichen Weltordnung ist? – Glaubt man, dass er eine vollkommen nutzlose Realität ist, ja obendrein ein Hindernis, eine Beschwerlichkeit, mit der die Gottheit geradezu kämpfen muss? – Oder ist man hier kosmisch so weit orientiert, dass man sieht, dass der Winter für die Gottheit in ihrem Schöpfungsprozess kein Hindernis ist, sondern vielmehr in allerhöchstem Maße ein Werkzeug, geradezu ein Mittel, mit dem sie erschaffen kann? – Ohne Winterprinzip kein Sommer, ohne Dunkelheit kein Wissen über das Licht. Ohne das Kontrastprinzip gibt es keine Möglichkeit zur Kenntlichmachung von Begrenzungen, ohne Begrenzungen absolut keine Wahrnehmung und ohne Wahrnehmung überhaupt kein Erleben des Lebens und keine daraus folgende Bewusstseinserschaffung oder Mentalitätsbildung. Die "Finsternis" und das "Licht", der "Sommer" und der "Winter", das "Böse" und das "Gute" sind somit jeweils unentbehrliche Mittel oder Werkzeuge im göttlichen Schöpfungsprozess. Ohne diese Phänomene gäbe es überhaupt keine Möglichkeit, "Adam den Atem des Lebens einzuhauchen". |
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