Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Wenn der "Tod" ein wirkliches Ende der Existenz des Lebewesens wäre | 1389. Man wird hier vielleicht hervorheben, dass es doch eine Tatsache ist, dass Millionen und Abermillionen von Menschen gestorben sind, ohne Antworten auf die großen Fragen bekommen zu haben. Ihr Leben blieb für sie nur eine einzige große unbeantwortete Frage. Aber das beweist ja nicht, dass der Tod dieser Wesen ein wirkliches Ende ihres Lebens war, sondern vielmehr, dass ihr Leben in allerhöchstem Maße unfertig war. Und hat man jemals gesehen, dass die Natur ihre Pläne oder Absichten nicht fertigstellt? – Es ist richtig, dass wir Organismen untergehen und Laub und Blumen im Herbst welken sehen, aber ist es nicht eine genauso große Tatsache, dass neue Organismen und neues Leben und neue Blumen immer wieder entstehen und den Entwicklungsplan genau dort fortführen, wo die alten aufgelöst wurden? – Nun wird man hier vielleicht einwenden, dass es neue Wesen sind, die entstanden sind, und dass die toten Wesen somit weiterhin tot sind. Aber gibt es irgendetwas, was diese Behauptung beweist? – Nein, absolut nichts, ganz im Gegenteil. Ist es nicht eine Tatsache, dass die Entwicklung das Lebewesen ständig verschönert, veredelt und verbessert? – Können sich das Gehirn und die Geistesfähigkeiten des Vorzeitmenschen mit der mentalen Struktur und Gedankenkraft des heute lebenden hochintellektuellen Kulturmenschen messen? – Die Natur hat also durch all die vielen Generationen hindurch ‒ d.h. also durch all die "Organismen", die seit der Existenz des Vorzeitmenschen untergegangen sind ‒ durch die nachfolgenden "Organismen" einen sehr schönen Plan, eine sehr schöne Absicht sich dergestalt fortsetzen lassen, dass sie das Lebewesen oder den Erdenmenschen schöner, edler gemacht und mit der Fähigkeit ausgestattet hat, ein weit höheres Geistesleben zu entfalten als vorher. Glaubt man denn nicht, dass diese Entwicklung des Wesens zum Besseren die Erfüllung eines Wunsches ist, die Befriedigung eines Begehrens ist? – Aber wer kann der Urheber dieses Wunsches oder Begehrens anderes sein als eben die Wesen, die die veredelte und höhere Geisteskultur, die dem heutigen hochintellektuellen Wesen zu eigen ist, nicht besitzen? ‒ Aber diese Wesen sind ja gerade die Vorzeitmenschen, also die, die gestorben sind, ohne dass ihnen ihre Wünsche erfüllt wurden. Ist es nicht ein eigentümlicher Gedanke, dass die Wesen, die sich in der Vergangenheit ein schöneres und edleres Dasein gewünscht haben, unter den Widrigkeiten eines primitiven, harten und grausamen Daseins seufzen und stöhnen mussten, während das heutige verfeinerte hochintellektuelle Wesen die ausgedehnten Güter und Annehmlichkeiten einer humanen Geisteskultur und die Seelenadelung eines intellektuellen Daseins besitzt, ohne sich dieses Dasein jemals gewünscht zu haben. Glaubt man denn nicht, dass es ein abnormer Gedankengang ist, das oben Gesagte als Ausdruck der absoluten Wahrheit aufzufassen? – Glaubt man nicht, dass die absolute Wahrheit und damit der normale Gedankengang der sein muss, dass es richtig ist, dass die Körper, die Organismen untergegangen sind, dass aber dasjenige in den Organismen, das den Wunsch oder das Begehren nach einem vollkommeneren und schöneren Dasein hatte, weitergelebt hat? Heute begehren fast alle Menschen auf der Welt ebenfalls ein höheres und vollkommeneres Dasein, sie wünschen sich alle innig einen wirklichen "Frieden" auf der Welt, aber was nützt dieser Wunsch, wenn der physische Tod, den sie alle erleben werden, bevor dieser "Frieden" Wirklichkeit wird, ein wirkliches totales Ende ihres Lebens ist? – Wenn man diesen Tod als ein wirkliches totales Ende des Lebens dieser Wesen betrachtet, und dieses Leben damit in dem großen "Nichts" aufgelöst ist, sodass sie nie wieder das Tageslicht sehen werden, wird ihnen niemals ihr Wunsch erfüllt werden. Sie werden niemals den Frieden erleben. Ihr irdisches Leben oder Dasein wäre lediglich das Erleben einer inneren Sehnsucht, ein permanenter Hunger ‒ ein Hunger, für den keinerlei Sättigung existiert. Aber ein solches Dasein ist ja dasselbe wie die "Hölle" in Reinkultur, also eine Daseinsform, die diese Wesen niemals verdient haben können, weil sie niemals zuvor gelebt haben. Da aber die Weltentwicklung eine fortwährende Verbesserung der Dinge, eine Veredelung oder Entwicklung zum Besseren zeigt, wird der "Frieden" für kommende Generationen auch einmal eine Tatsache sein. Aber da ja auch diese Generationen nicht vorher gelebt haben, können sie sich ein solches Leben im Licht, was der "Frieden" an sich ist, nicht verdient haben. Diese Wesen werden somit in das "Himmelreich" hineingeboren, ohne dass sie sich das gewünscht oder auf irgendeine Weise verdient haben, während die früheren Generationen genauso wenig durch irgendein eigenes Verschulden oder Begehren in die "Hölle" hineingeboren wurden. |
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