Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Wenn die Lebewesen den großen Entwicklungsprozess nicht erleben können, für wen wurde er dann erschaffen? | 1390. Aber glaubt man denn, dass eine Weltauffassung, die zum Ausdruck bringt, dass sie die Lebewesen derart rücksichtslos als Spielball benutzt, sich in Kontakt mit der Wirklichkeit befindet? – Wie kann es eine logische Begründung dafür geben, dass einige Wesen mit einem brennenden Begehren geboren werden, das sie niemals befriedigt bekommen, während andere Wesen in ein Dasein geboren werden, das eine üppige Befriedigung dieses Begehrens ist, ohne dass sie sich das jemals wünschen konnten, weil sie ja niemals zuvor gelebt haben. Ist es nicht leicht zu sehen, dass das nicht die Struktur ist, der die millionenjährigen Epochen gefolgt sind? Was nützen die Entwicklung und Veredelung der Dinge im Verlaufe dieser millionenjährigen Epochen, was nützen die zunehmende Schönheit der Organismen und die ebenfalls zunehmenden höheren Formen des Daseins, wenn es überhaupt kein Wesen gibt, das diese Verbesserung, diese Veredelung in seinem eigenen Leben und Dasein erleben kann? – Wenn die Lebewesen nur ein einziges physisches Leben leben, dann existiert die Veredelung oder Verbesserung für sie ja gar nicht. Die darüber liegenden wie auch die darunter liegenden Stufen sind dann nur etwas Abstraktes, etwas Theoretisches und absolut nichts Konkretes, weil sich die früheren, niedrigeren Stufen vor dem eigenen Dasein des Lebewesens befanden, so wie die nachfolgenden, vollkommeneren Stufen einen Zeitpunkt ausmachen, zu dem es selbst aufgehört hat zu existieren. Die Wesen jeder Stufe haben somit absolut nur das Leben ihrer eigenen Stufe und können persönlich niemals etwas anderes erleben. Dass die anderen Stufen niedriger oder vollkommener gewesen sind, betrifft das Wesen somit überhaupt nicht. Aber warum wurde diese Verbesserung, diese Veredelung des Lebens und Daseins dann erschaffen? – Glaubt man, dass die Bearbeitung der Materien im Verlaufe millionenjähriger Epochen eine so vollkommene unerschütterliche Veredelung des Lebens und Daseins bloß erschaffen hat, um sie für das Lebewesen selbst zu einem abstrakten Phänomen zu machen, also zu einem Phänomen, das die Wesen niemals real erleben können? – Und wenn die Lebewesen die Veredelung nicht selbst als reale Wirklichkeit erleben können, für wen oder für was wurde sie dann in Wirklichkeit erschaffen? – Dass sie existiert, ist ja eine theoretische Tatsache. Sieht man denn nicht, dass all die verschiedenen Tiere sich von niedrigeren zu höheren Formen entwickelt haben? Hat sich nicht das Pferd von einem kleinen Tier mit Zehen zu dem eleganten, mit Hufen ausgestatteten, leicht laufenden Tier entwickelt, das wir heute unter diesem Namen kennen? ‒ Und was ist mit den Sauriern? – Sind sie nicht die anfänglichen Formen der Tiere, die wir heute sehen, wie sie sich als "Vögel" in der Luft tummeln? – Und waren der Neandertaler und der Cromagnonmensch nicht einmal der Höhepunkt der erdenmenschlichen Repräsentation, des erdenmenschlichen Könnens? – Sind das nicht die Tatsachen, die uns die Wissenschaft heute präsentiert? – Aber wozu diese Verschönerung, diese Verbesserung der Wesen, wenn es überhaupt niemanden gibt, der diese im eigenen Fleisch und Blut erleben kann? – Wozu diese Entwicklungsstufen, wenn niemand über diese Stufen geht? – Wozu eine Treppe, wenn es niemanden gibt, der sie benutzt? Wozu die Veränderung, wenn sie auf überhaupt keine Weise die Erfüllung eines Wunsches, die Befriedigung einer Sehnsucht oder eines Begehrens ist? – Und wozu ein Begehren, das nicht befriedigt werden kann? |
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