Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Ein eigentümliches Weltbild oder eine tragische Lebensauffassung: das große Kunstwerk besteht, aber das lebendige Leben, das die Fähigkeit hat, es zu sehen, stirbt oder vergeht und bekommt es dadurch niemals zu sehen | 1393. Wenn aber das Lebewesen im Verhältnis zu diesem Schöpferwerk stirbt wie eine "Eintagsfliege" ‒ ja, wir müssen hier von einer "mikroskopisch kleinen Eintagsfliege" reden ‒ und somit niemals in einem absolut konkreten oder praktischen Sinne die Ganzheit erleben kann, weil es nur den mikroskopisch kleinen Punkt in der Ganzheit erleben kann, der sein derzeitiges Leben und seine derzeitige Wesensart ausmacht, dann gibt es ja kein einziges Wesen, das auf das Resultat dieser gewaltigen millionenjährigen, weltumspannenden Schöpfung blicken kann. Dieser ganze gewaltige Prozess ‒ die millionenjährige mineralische, die millionenjährige vegetabilische und die millionenjährige animalische Entwicklungsepoche ‒ hat nur existiert, um ein Resultat zu erschaffen, das nicht ein einziges Lebewesen erleben oder überblicken kann, weil die Wesen sterben müssen, weil sie zu "Leichen" werden müssen, weil sie in ihren Gräbern vermodern müssen, weil sie zu Erde werden müssen, weil sie sich in ein bloßes "Nichts" auflösen müssen. Ist das nicht ein eigentümliches Weltbild, eine tragische Lebensauffassung? – Das große Kunstwerk besteht, aber das lebendige Leben, das die Fähigkeit hat, es zu sehen, löst sich auf und wird zu "Nichts" und wird es deshalb niemals zu sehen bekommen. Es ist also nicht für das lebendige Leben, für die Lebewesen, bestimmt. Die sind ja "mikroskopisch kleine Eintagswesen", deren Leben ebenso unsicher und flackernd ist wie die einzelnen Sonnenreflexe auf den Wellenkämmen des Ozeans. |
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