Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Die Welt ist nicht voll von glücklichen Ehen | 1453. Aber die Welt ist nicht voll von glücklichen Ehen, jedenfalls nicht innerhalb der erdenmenschlichen Sphäre. Hier sind Ehe und Sexualität in einem außerordentlich großen Ausmaß eine nahezu alles dominierende Verwirrung. Die Ehe ist in einem umfassenden Maße zu einer Art erotischer Verkehrsroute mit Umsteigemöglichkeit von einer Ehe in die nächste geworden. Somit stellt die Ehe nur Stationen auf dieser Route dar. Man heiratet und lässt sich ‒ bis zu drei- oder viermal oder bis man die von den Behörden gesetzlich festgelegte "Endstation" oder Grenze der "Route" erreicht hat ‒ wieder scheiden. In anderen Fällen schließt man "Kameradschaftsehen" und in wieder anderen Fällen begnügt man sich damit, "zusammenzuleben", sodass man es noch leichter hat, dem "Ehepartner" oder dem sexuellen Partner den Rücken zu kehren, wenn ein neuer und vermutlich besserer und charmanterer Partner auftauchen sollte. Hiernach kommt dann die "Prostitution" mit ihrer ganzen Gefolgschaft von mentalen Unappetitlichkeiten oder seelischer Primitivität wie beispielsweise "Zuhälterei", "Erpressung" und "Raub". Wenn ein Land von fremden Soldaten Besuch hat oder besetzt ist, sehen wir auch hier in großem Ausmaß eine sehr lebhafte geschlechtliche Aktivität zwischen diesen Soldaten und den Frauen des betreffenden Landes. Glaubt man, dass in all diesen äußeren erotischen Phänomenen die Frage der "Ehe" das Fundamentale ist, ein unauslöschliches Begehren danach zu "heiraten", Kinder zu bekommen und somit die Welt zu vermehren? – Es ist natürlich richtig, dass in gewissen Fällen wirklich eine "eheliche Liebe", d.h. eine "Verliebtheit", entstehen kann, aber das sind nicht sonderlich viele Fälle, in denen wirklich eine entsprechende Verliebtheit auf Seiten des anderen Partners ausgelöst wird. Ihr Resultat für den Urheber der Verliebtheit ist fast immer mehr oder weniger eine "unglückliche Liebe". Man darf nun aber auch nicht glauben, dass ausschließlich eine gegenseitige, glückliche Verliebtheit die Ursache dafür ist, dass das eheliche Zusammenleben zweier Partner lebenslang anhält. Das liegt in sehr großem Ausmaß an der Liebe zu eventuellen Kindern in der Ehe, an dem Pflichtgefühl gegenüber einem einmal gegebenen feierlichen Versprechen, an unglücklichen wirtschaftlichen Verhältnissen und an der Angst vor einem schlechten öffentlichen Ruf oder Ähnlichem. |
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