Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Die Vermehrung der Erdenmenschheit scheint trotz der Schwangerschaftsverhütung nichts zu wünschen übrig zu lassen | 1458. Aber lässt die Erfüllung dieses Gebotes wirklich noch etwas zu wünschen übrig? – Ist dieses Gebot nicht vorläufig ausreichend erfüllt? – Ist die Erde nicht schon mit einer ausreichend großen Anzahl von Individuen bevölkert, bezogen auf die sozialen Bedingungen und die Garantie zur Absicherung des Lebens und Wohlstandes, die die Herde oder die gesamte Erdenmenschheit gemäß ihrem gegenwärtigen Auffassungs- und Wissensstand jedem einzelnen Individuum, das zur Welt kommt, geben oder gewährleisten kann? – Müssen nicht Tausende von Wesen jährlich an Hunger sterben, werden nicht Millionen in Kriegen getötet und zum Militärdienst zwangsverpflichtet? – Sind nicht Millionen Wesen wegen ihrer Arbeitslosigkeit ohne Existenzgrundlage? – Und müssen sich nicht weitere Tausende aufgrund dieser Arbeitslosigkeit als Bettler und Hochstapler, Diebe und Räuber durchschlagen, obwohl hierbei natürlich auch andere Faktoren eine Rolle spielen? – Bilden Menschen nicht lange Schlangen an Verkaufsstellen, um sich mit Nahrung, Kleidung und anderen wichtigen Dingen für die Bedürfnisse des täglichen Lebens zu versorgen? – Gibt es nicht Tausende Wesen, die keine Wohnung, keine Unterkunft, kein Pensionszimmer usw. bekommen können und deshalb durch Straßen und Gassen streifen, die Nacht überstehen müssen, indem sie in Schuppen, Speichern, leeren Eisenbahnwaggons oder Heizungskellern vor Wind und Wetter Schutz suchen, ja, für die bisweilen selbst die Kanalisation ein gesuchter Unterschlupf für die Nacht sein kann. Gibt es ein Krankenhaus, das leer ist und bereitsteht, um andere Wesen aufzunehmen als die, die gerade als lebensgefährlich Verletzte von der Straße aufgesammelt wurden, oder andere, die zu Hause oder am Arbeitsplatz genauso augenblicklicher Hilfe bedürfen? – Müssen nicht alle anderen Kranken bisweilen monatelang auf ihre Einweisung warten? – Solange die Erdenmenschen auf der ganzen Welt in langen Schlangen darauf warten müssen, in Verbindung oder Kontakt mit einer solchen lebenswichtigen Versorgung zu kommen, scheint die Schwangerschaftsverhütung dieser Wesen der Gesellschaft kein Unglück gebracht zu haben. Die Vermehrung scheint somit nicht der schwache Punkt der Erdenmenschheit zu sein. Im Gegenteil, ist sie nicht gerade dabei, trotz der o.g. Verhütungsbestrebungen der Herde oder Gesellschaft die Macht zu entziehen? – Die Herde oder die Gesellschaft scheint weder die Moral noch die Fähigkeit zu haben, die Wirkungen aus der Erfüllung der erotischen Wünsche der Erdenmenschen anzunehmen. In Verzweiflung hierüber ‒ weil die Eindämmung durch Religion und Moral in Form der Ehe nicht ausreicht ‒ trachtet man sogar danach, die Embryonen zu töten, obwohl man die Fähigkeit hat, durch große Kraftmaschinen die Elemente für sich arbeiten zu lassen, und obwohl die Kontinente und Meere der Erde in einem derartigen Umfang voll sind von Reichtümern, Nahrungsmitteln und Materialien oder Lebensmöglichkeiten, dass es für eine Menschheit mit der doppelten Anzahl von Individuen genug gäbe, ohne dass für diese Wesen auch nur im Geringsten die Notwendigkeit bestünde, diese teuer bezahlen oder Schlange stehen oder sich in irgendeiner Form vordrängeln zu müssen aus Angst, ganz hinten in der Schlange zu stehen und zu denen zu gehören, die es absolut nicht schaffen, an der Zufriedenstellung ihrer Lebensbedürfnisse teilzuhaben. Alle diese Phänomene sind für den Erdenmenschen hinsichtlich der Ehe nicht sonderlich schmeichelhaft. |
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