Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Warum man die Entfaltung der "Nächstenliebe" nicht in Sektenbildung, Vereins- oder Cliquenwesen einkapseln soll | 1494. Aber ein Wesen, das von einem solchen Geist oder einem solchen Begehren beseelt ist, ist ja im entsprechenden Maße ein mental leuchtendes Wesen. Wenn ein solches Wesen in eine Sekte oder Vereinigung eingekapselt ist, bedeutet das in Wirklichkeit, dass es "sein Licht unter den Scheffel stellt", was ja genau das ist, was man gerade nicht tun soll. Wenn man alle elektrischen Lichter eines großen Hauses in einem der Räume des Hauses zusammenbringt und dort leuchten lässt, dann wird doch dieser Raum überdimensioniert beleuchtet, während gleichzeitig die anderen Räume oder Zimmer des Hauses total im Dunkeln liegen. Wenn jedes einzelne humane oder von Nächstenliebe leuchtende Wesen zusammen mit allen anderen mental leuchtenden Wesen sich in einer Vereinigung einkapseln würde, dann wäre das doch genauso, als ob sie ihr Licht oder ihre Nächstenliebe in einen mentalen Raum einschließen würden. Sie würden dann genauso wie die elektrischen Lichter innerhalb dieses Raumes zusammen ein überdimensioniertes Licht abgeben. Die Mitglieder würden sich hier selbst in einem allzu starken Licht sehen. Sie würden sich für "heiliger" und "besser" halten als die Menschen, die kein Mitglied dieser Sekte oder Vereinigung sind, während sie sich zugleich geistig gesehen von der Herde isoliert haben. Sie sind zu einer Gesellschaft außerhalb der Gesellschaft geworden. Aber eine Moralgesellschaft außerhalb der Gesellschaft kann ja nicht innerhalb, sondern nur außerhalb der Gesellschaft, von der sie sich isoliert hat, leuchten. Dadurch kommt der großen allgemeinen Gesellschaft nur ein sehr kleiner Prozentsatz des Lichtes zugute, während der Rest verloren geht. Es ist natürlich, dass das einzelne Individuum der Herde entwächst, aber es ist unnatürlich, wenn sich dieses Individuum von dieser Herde isoliert, indem es sein höheres mentales Licht nur auf die in einer Vereinigung oder Sekte eingekapselten gleichgesinnten Wesen scheinen lässt und sie damit favorisiert. Damit das moralische Licht eines Wesens der Öffentlichkeit oder Gesellschaft in seinem vollen Umfang zugutekommt, muss dessen Urheber in dieser Öffentlichkeit oder allgemeinen Gesellschaft bleiben und darf nicht sofort aus ihr austreten, indem er einer Moralvereinigung oder Sekte beitritt oder sich ihr anschließt und damit dieser Öffentlichkeit gegenüber "sein Licht unter den Scheffel stellt". Ein Wesen, das leuchtet, wird in der allgemeinen Gesellschaft weit mehr gebraucht als in einer Gesellschaft, die nur aus leuchtenden Wesen besteht und in der man deshalb im Voraus mit einem vollkommenen moralischen Licht ausgestattet ist oder meint, ausgestattet zu sein. Und übrigens, sagte Christus oder der Welterlöser nicht zu seinen Jüngern oder Mitarbeitern: "Geht hinaus in die Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, indem ihr sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes tauft"? Was bedeutet es zu sagen: "Geht hinaus in die Welt"? – Bedeutet das nicht gerade dasselbe, wie hinaus in die Öffentlichkeit zu gehen, hinaus ins Leben, hinaus zu den Menschen, die noch keine "Jünger Christi" geworden waren, die noch nicht in Moral und Wesensart vollkommen geworden waren? – Es kann jedenfalls nicht bedeuten, zu Menschen zu gehen, die bereits vollkommen sind oder Jünger sind, denn den Menschen gegenüber, die bereits Jünger sind, braucht es ja kein Gebot, sie zu "Jüngern" zu machen. Es gibt somit im Gebot Christi an seine Apostel absolut nichts, das besagt, dass sie einer bestehenden Sekte oder Moralgesellschaft beitreten sollten oder dass sie selbst Sekten, Cliquen oder Clans bilden sollten. Ganz im Gegenteil, sagt er nicht gerade an einer anderen Stelle, dass "die Ersten die Letzten sein werden"? – Wer sind "die Ersten"? – Sind das nicht gerade alle diejenigen, die sich einer Moralgesellschaft angeschlossen haben oder Mitglied in einer religiösen oder spirituellen Bewegung sind und deshalb bereits "Jünger Christi" oder Hüter oder Praktiker der Moral sind oder glauben, dies zu sein, die glauben, zu den "Ersten" auf dem Gebiet der Moral oder Vollkommenheit zu gehören? |
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