Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Warum das Herdenbewusstsein der Nationen oder Staaten primitiver wirkt als das ihrer jeweiligen intellektuellen Individuen |
1505. Die Mentalität der Staaten ist ja das letzte, was in dem großen Verwandlungsprozess vom "Tier" zum "Menschen" fertig wird.
Jeder Staat oder jede Nation repräsentiert eine Gruppe national verwandter, aber ansonsten unterschiedlicher Individuen.
Die gesamte Mentalität und Moral des Staates sowie sein Grad an Humanität können also nur durch das "gemeinsame Bewusstsein" der mental gesehen unterschiedlich eingestellten Individuen dieser Gruppe bestimmt werden.
Ein solches "gemeinsames Bewusstsein" ist wiederum dasselbe wie das, was wir hier im "Livets Bog" auch als "Herdenbewusstsein" oder "Volksgeist" bezeichnen.
Jede Nationalität bringt durch die Individuen ihr eigenes spezielles "Herdenbewusstsein" oder ihren speziellen "Volksgeist" zum Ausdruck.
Ja, dieser "Volksgeist" ist bei den älteren Nationen oder Staaten sogar so stark, dass er rein körperlich oder animalisch die einzelnen Individuen prägt, sodass man in ihren Gesichtern geradezu ihre Nationalität ablesen kann.
Ein "Vollblutdäne" ist in seinem Gesicht geprägt vom "dänischen" Volksgeist, während ein "Vollblutschwede" im entsprechenden Umfang vom "schwedischen" geprägt ist und ein "Norweger" vom "norwegischen" Volksgeist, obwohl alle derselben Rasse angehören.
So wie die einzelnen Individuen höchst unterschiedliche Entwicklungsstufen und eine hierauf beruhende entsprechend höchst unterschiedliche moralische oder humane Einstellung repräsentieren, genauso repräsentieren die Nationen oder Staaten auch einen höchst unterschiedlichen "Volksgeist" oder ein höchst unterschiedliches "Herdenbewusstsein". Einige Nationen haben einen hoch entwickelten "Volksgeist", während andere nur ein ziemlich primitives "gemeinsames Bewusstsein" oder einen primitiven "Volksgeist" repräsentieren. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass in diesen primitiven Nationen nicht auch einzelne hervorragende oder hoch entwickelte Individuen zu finden sind, genauso wie man natürlich auch primitive oder weniger entwickelte Wesen in Nationen mit einem sehr hoch entwickelten "Volksgeist" finden kann. Der Charakter oder die moralische Stufe des "Volksgeistes" oder des "Herdenbewusstseins" wird ja durch den mentalen Gleichgewichtspunkt zwischen den intellektuellen und den unintellektuellen Individuen der Staaten oder Nationen bestimmt. Da die wirklich Intellektuellen in der Regel immer noch nur einen sehr kleinen Bruchteil der Gesamtzahl an Individuen ausmachen, während die Unintellektuellen und Primitiven den übrigen Teil dieser Gesamtzahl an Individuen und somit die Mehrheit ausmachen und mit ihrem Stimmrecht in der Führung und im Auftreten des Staates nach außen hin der Umwelt oder anderen Nationen gegenüber mitbestimmend sind, ist es klar, dass das "Herdenbewusstsein" oder der "Volksgeist" des Staates sowohl nach außen als auch nach innen in dem Maße nur von Primitivität oder Unintellektualität geprägt werden kann, in dem die unintellektuellen Individuen des Staates die Mehrheit bilden, und durch Intellektualität und Kultur in dem Umfang, in dem seine intellektuellen Individuen die Mehrheit bilden. Dass man sich in dieser demokratischen Führungsform, die ja die Losung für die Zukunft ist, hierüber im Klaren ist, wird durch die kolossale Energie zur Tatsache, die man entfaltet, wenn es darum geht, Schulen und weitere Bildungseinrichtungen zu bauen und hierdurch der Allgemeinheit Unterricht und Aufklärung zugutekommen zu lassen. Und dank dieser Einsicht wird das "Herdenbewusstsein" der Zukunft sowohl intellektuell als auch kulturell bedeutend höher stehen, als es heute der Fall ist, wo es noch in ausgedehntem Umfang die primitive Mehrheit ist, die in der Regierung den Ton angibt. Das ist nicht so zu verstehen, dass die Regierungsmitglieder, Minister und Präsidenten primitive und unkultivierte Wesen sind, ganz im Gegenteil, aber sie sind durch das "Herdenbewusstsein" gebunden, durch das sie gewählt wurden. Sie stellen nahezu einen Kompromiss dar zwischen den Intellektuellen und den Unintellektuellen. Und da die Unintellektuellen durch ihre Mehrheit der stärkste Machtfaktor hinter den Regierungsmitgliedern sind, können die Regierungen in den Angelegenheiten des Staates die Macht und das Bestimmungsrecht der Primitivität nur in dem Umfang mildern, in dem sie mit ihrer Intellektualität imstande sind, die unintellektuelle Machtgruppe zugunsten der Intellektualität zu beeinflussen und zu überzeugen. Die unintellektuelle Machtgruppe bleibt somit in einem dominierenden Maße nach außen das Gesicht der Herde. Und so kommt es, dass das Herdenbewusstsein in der Regel primitiver und unintellektueller wirkt als die einzelnen intellektuellen Individuen der Herde. |
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