Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Was das größte Hindernis für die Bildung einer Weltobrigkeit ist | 1517. Damit aber dieses Polizei- oder Rechtswesen Realität werden kann, müssen ja diejenigen, die heute die größte Macht haben, diese Macht an das genannte Rechtswesen abgeben. Und die Welt ist denn auch in der Entwicklung und Erfüllung des göttlichen Schöpfungsplans so weit gekommen, dass zwischen den Staaten in Wirklichkeit kein hundertprozentiger Unwille mehr gegen das Abgeben dieser Macht besteht. Wenn es aber trotzdem so schwierig ist, eine Weltpolizei zu etablieren, dann liegt das ausschließlich an dem Problem, ein Übereinkommen zwischen den jeweiligen Staaten herbeizuführen, das solide genug sein kann, jedem Staat den Schutz zu gewähren, der den Selbstschutz ersetzen oder überflüssig machen kann, den er durch sein Militär, seine Flotte und sein Heer selbst aufrechterhalten konnte, auf den die Staaten aber im Falle der Entstehung oder Schaffung eines solchen Übereinkommens zugunsten einer Weltobrigkeit verzichten müssten. Somit versteht man hier leicht die große Schwierigkeit, die für eine allein herrschende Großmacht darin besteht, ihre diktatorische Autorität und Macht plötzlich abgeben zu sollen. Es ist nicht so sehr die Angst vor militärischen oder räuberischen Überfällen oder vor der Expansionslust vonseiten anderer Staaten, die sie fürchten, denn die wären ja im Falle einer Weltobrigkeit ausgeschlossen, vielmehr ist es die Angst davor, einige der großen Vorteile zu verlieren, die sie auf Kosten anderer Staaten durch ihre überlegene Macht aufrecht erhalten konnten. In dem Fall, dass sie die Macht an eine Weltobrigkeit abgeben sollten, wären sie ja nicht sicher, dass diese, wenn sie ausreichend Macht erhält, die Aufrechterhaltung solcher Vorteile akzeptieren würde, im Gegenteil, die Weltobrigkeit könnte ja nicht ihr Ziel erreichen, ohne gleiches Recht für alle zu schaffen. Sie kann ja nicht als Rechtsschutz bestehen, wenn sie eine parteiische Institution ist. Die Großmacht riskiert dadurch große für sie selbst unvorteilhafte Veränderungen sowohl an ihren Landesgrenzen als auch in Bezug auf die Ausnutzung der hier unterworfenen, eroberten Völker oder Vasallenstaaten. Wenn es Umstände gibt, die die Weltobrigkeit für ungerecht hält, wird sie natürlich diese Verhältnisse ändern. Wenn es unterdrückte Völker gibt, die zu unabhängigen Völkern zu machen gerecht ist, wird die Weltpolizei natürlich nicht zögern, dieser Gerechtigkeit zur Verwirklichung zu verhelfen. Dass dies nicht zu Gunsten der betreffenden Großmacht ausfällt, ist ja einleuchtend. Aber indem sie ihre Macht an dieses Polizei- oder Rechtswesen abgegeben hat, steht sie ja einer solchen Veränderung ähnlich machtlos gegenüber wie ein Verbrecher, dessen Handlungen entdeckt und durch die Polizei vereitelt werden. Dass es diese Kalamität ist, die zutiefst gesehen den Schwierigkeiten bei der Bildung einer Weltobrigkeit oder einem Völkerbund zugrunde liegt, ist für den entwickelten Bewusstseinsforscher längst zur Tatsache geworden. Dass die betreffenden Großmächte in ihrer Sicht auf die Sache die Situation natürlich nicht unter denselben Begriffen auffassen, wie wir sie hier geltend gemacht haben, sondern dass sie vielmehr ein solches rechtmäßiges Eingreifen in ihre Vorteile als "Ungerechtigkeit" bezeichnen würden, ergibt sich natürlich von selbst. Die Angst der Großmächte, Vorteile zu verlieren, und die Unlust, etwas von ihrer Macht zu Gunsten anderer abzugeben, ist somit das größte fundamentale Hindernis für die Bildung einer Weltobrigkeit. Dass die Entfernung dieses Hindernisses deshalb mehr eine Entwicklungsfrage ist als eine Frage der diktatorischen Macht, wird immer mehr zu einer offensichtlichen Tatsache. |
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