Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Wodurch "Gewissensbisse" bewirkt werden | 1527. Wir haben nun durch diese Seite des ewigen Lebens, die wir hier in diesem Band erklärt haben, erschöpfend dargelegt, wie die Psyche des Erdenmenschen eine degenerierende "Tiermentalität" und beginnende "Menschenmentalität" ausmacht. Dass diese erdenmenschliche Psyche an sich kein angenehmer Zustand ist, wurde uns ebenfalls einleuchtend dargestellt. Da die tierische Mentalität Jahrmillionen hinter sich hat und das Individuum sich somit in Tausenden von Leben dieser Mentalität bedient hat, ist sie ja zu einem kolossal tief verwurzelten Gewohnheitsbewusstsein geworden. Die moralischen Auffassungen, auf denen sie basiert, kommen noch in großem Ausmaß als etwas vor, wovon sich der Erdenmensch fast nicht befreien kann. Durch eine weitere tausendjährige Moral und Erziehung und durch die Leidenserfahrungen, die nicht den animalischen Tendenzen zugutekommen, sondern direkt eine diametral entgegengesetzte Einstellung zum Leben fördern, wird wiederum tief in seinem Innern der Wunsch oder Wille zur Humanität oder zu einem gewissen Maß an Nächstenliebe hervorgerufen, und so gerät dieser Teil der Mentalität des Individuums jedes Mal in Konflikt mit jenem Teil der Mentalität, der noch ihren Urzustand oder die tierischen Tendenzen repräsentiert, wenn diese Tendenzen im Bewusstsein die stärkeren sind und zur Entfaltung kommen. Jedes Mal, wenn ein solches Individuum zornig war oder seinem Nächsten gegenüber einen Wutanfall hatte, ja, ihn vielleicht geradezu überfallen und sowohl physisch als auch seelisch gefoltert hat, wird es früher oder später diese seine Handlung "bereuen". Diese "Reue", die dasselbe ist wie "Gewissensbisse", wird das Individuum solange quälen, bis es früher oder später imstande ist, sich bei seinem Nächsten zu entschuldigen und sich so mit diesem Nächsten in Harmonie zu bringen. Diese Gewissensbisse sind also dasselbe wie die Unzufriedenheit mit der eigenen Wesensart oder Handlungsweise, die jedes Mal entsteht, wenn man den wirklich "menschlichen" Tendenzen nicht nachgekommen ist, sondern vielmehr in seinem Bewusstsein seinem Nächsten gegenüber den rein "tierischen" Tendenzen gefolgt ist ‒ oder mit anderen Worten, jedes Mal, wenn man wie Paulus entdeckt, dass man "das Gute, das man will, nicht tut, und das Böse, das man nicht will, tut". |
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