Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| In welcher Weise die organische Einstellung des Erdenmenschen auf die Vorsehung ihn dazu bringt, die Gottheit im eigenen Bildnis zu erschaffen und das Weltall zum Kriegsschauplatz zwischen bösen und guten Mächten, zwischen Göttern und Teufeln zu machen | 1614. Diese Tendenz enthüllt also, dass das innerste Wesen des Individuums die umgebende Natur nicht als eine zufällig entstandene tote Masse auffasst, sondern als ein lebendes Zentrum, als eine Art Wesen. Aber wie dieses lebende Zentrum oder Wesen in Wirklichkeit ist, das kann sich der noch nicht eingeweihte Mensch nicht begreiflich machen. Und er vermisst in Wirklichkeit diese Einweihung oder dieses kosmische Klarsehen und die daraus folgende kosmische Analyse über die Vorsehung gar nicht, da ihm noch die Intellektualität dazu fehlt, diese Analyse zu verstehen. Dagegen muss er sich eine für seine Psyche zufriedenstellende Erklärung der brennenden Frage schaffen, welche diese innere Tendenz in Bezug auf die Vorsehung hervorruft. Dies resultiert darin, dass dieses Wesen beginnt, sich seine eigene Vorstellung von der Vorsehung als das eigene Abbild zu machen, d.h. als Abbild des primitiven Erdenmenschen. Es betrachtet die Vorsehung als unsichtbare oder geistige Lebewesen hinter allen Formen von Bewegung. Es sieht einen Geist hinter der Macht des Sturmes und der Brandung, es sieht einen Geist in Bäumen und Sträuchern, in Blitz und Donner, in der Sonne und im Mond usw., kurzum, es stellt sich lebende, dirigierende Mächte hinter jeder vorkommenden Naturkraft vor. Der Erdenmensch begann schon sehr früh, zwischen diesen Mächten zu unterscheiden, und fasste sie als "gut" oder "böse" auf. Man meinte, dass die bösen Mächte hinter allem steckten, was den Menschen Unglück und Unannehmlichkeiten verursachte, während die "guten" Mächte all dem zugrunde lagen, was Glück, Freude und Segen für diese Wesen förderte. Während die "bösen" Mächte u. a. "Teufel" genannt wurden, wurden die "guten" Mächte "Götter" genannt. Und an dieser Einstellung hatte der Erdenmensch vorläufig eine ausreichende Erklärung für die große Hauptfrage im Leben. Diese Erklärung der Ursache des "Guten" und des "Bösen" in der Welt war eben analog zu dem, was er selbst in seinem täglichen Leben erlebte. Er erlebte ja "böse" Menschen (seine Feinde) und "gute" Menschen (seine Freunde). Dass sich ein mentaler Zustand oder ein Leben anders gestalten könnte als eben mit den beiden großen Grundzügen "Freundschaft" und "Feindschaft", das war dem primitiven Erdenmenschen unverständlich. Dass diese zwei erlebten Grundzüge im Leben des Lebewesens zum Hauptmaterial oder Grundstoff jener Phantasie oder Vorstellung werden mussten, die dieser primitive Mensch sich von der Vorsehung machte, ist also hier selbstverständlich. Die Vorsehung, d.h. also die "guten" Mächte, wurden, mental gesehen, ausschließlich nach dem Erdenmenschen modelliert und mit all den Erscheinungen und Eigenschaften ausgestattet und verschönert, die von dem damaligen Menschen als Ideale aufgefasst wurden, während die "bösen" Mächte mit all dem Horror und den Grausamkeiten ausgestattet wurden, die die Phantasie dieses Menschen von der physischen und psychischen Finsternis erfassen konnte. Dass zwischen den "bösen" und den "guten" Mächten, zwischen "Göttern" und "Teufeln" Krieg herrschte, war natürlich eine Selbstverständlichkeit. Auf der damaligen Stufe konnte man sich unmöglich einen Zustand vorstellen, wo dies nicht der Fall war. Womit sollte wohl ein tötendes oder mörderisches Kriegswesen wie der Erdenmensch sonst eine andere Daseinsform begründen können? – Ein solches Material fehlte ihm ja völlig. Die Moral jener Menschen wurde denn auch die bekannte tötende Moral, deren Nachwirkungen wir aus der nordischen Götterlehre mit dem Götterheim "Walhall" als Zentrum und Heimat für eine Reihe von "guten" Göttern kennen. Von hier aus leiteten sie den Kampf gegen ihre Feinde, die "Riesen". |
Kommentare bitte an das Martinus-Institut senden.
Fehler- und Mängelanzeigen sowie technische Probleme bitte an Webmaster senden.
Seitenübersicht