Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Die Ehe kann keine absolut sichere Lebensgrundlage für alle Menschen sein | 1625. Aber wer lebt hier auf der Ebene der Ehen und erfüllt ihre Lebensmoral hundertprozentig? – Die offizielle Ehe ist zwar noch allgemeingültig, aber es ist kaum so allgemeingültig, die überlieferte "christliche" Ehemoral zu erfüllen. Ist es nicht mit der Ehe genauso wie mit der Staatskirche? – Es ist allgemeingültig, der Staatskirche anzugehören, aber wer hält die Moralvorschriften dieser Kirche ein? – Wer geht jeden Sonntag in die Kirche, wer verachtet die Vergnügungsstellen, die Tanzinstitute und das Nachtleben oder andere nach "christlichen" Begriffen fragwürdige Stellen und Traditionen? – Ja, die legale Ehe mit ihren Hochzeitszeremonien ist in großem Ausmaß nur eine äußere Einrichtung, die in vielen Fällen nur ein Vorspiel zur Scheidung ist. Wenn die Scheidungen mitunter bis zu 40 Prozent ansteigen, sieht es nicht so aus, als ob "der Mann Vater und Mutter verlässt und sich an seine Frau bindet", mit der er "ein Fleisch" sein sollte, wie es auch nicht so scheint, als ob die Frau "Verlangen" nach dem Mann hat, mit dem sie verheiratet ist und der über sie "herrschen" sollte. Die zahlreichen Ehen, die von Geschiedenen mit Geschiedenen eingegangen werden, deuten auch nicht auf Respekt vor dem überlieferten Moralgebot hin, das besagt, dass "derjenige die Ehe bricht, der jemanden heiratet, der geschieden ist". Und wem ist das wahre kulminierende Glück in der Ehe als etwas anderes bekannt als eine kurze Periode in der autorisierten Ehe, die "Flitterwochen" genannt wird? – Ist nicht die übrige Zeit einer lebenslangen Ehe in vielen Fällen eher eine erzwungene als eine freiwillige Verbindung der Partner, die sich darauf gründet, dass in der Ehe Kinder geboren wurden, sowie auf der Angst vor der allgemeinen Meinung und vor dem Skandal, ebenso wie auch finanzielle Gründe eine entscheidende Rolle spielen können. Und schließlich gibt es auch eine außerordentlich große Anzahl von Erdenmenschen, die gar keine "kirchliche Trauung" wünschen, sondern nur den Segen des Bürgermeisters oder des Standesamtes, ganz abgesehen von den vielen Paaren, die nur vorübergehend "miteinander gehen", um später, wenn das Zusammenleben langweilig wird, jeweils wieder mit einem neuen sexuellen Partner zu "gehen" und so fortsetzend. Und wie verhält es sich mit der Prostitution? – Ist sie nicht auch manchmal als Ehe getarnt? – Sollte man nicht glauben, dass es Fälle gibt, in denen die Frau in der Ehe eher eine finanzielle Versorgung als einen Ehemann sucht, und Fälle, in denen der Mann ebenfalls in der Ehe eher eine "reiche Erbin" als eine Frau sucht? – Und wie verhält es sich mit der offiziellen Prostitution, wenn Männer und Frauen die geschlechtlichen Prinzipien zum Beruf gemacht haben. Wo steht so ein Wesen? – Diese Beispiele der Abweichungen von der überlieferten kirchlichen Ehemoral werden hier nicht angeführt, um den verschiedenen Personen über die hier angegebenen geschlechtlichen oder sexuellen Beziehungen Vorwürfe zu machen, sondern einzig und allein um zu zeigen, dass die Ehe keine unerschütterlich sichere Lebensgrundlage für alle Menschen ist und es auch nicht mehr sein kann. |
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