Lesen und suchen im Das Dritte Testament
| Wenn die "Hölle" oder die Finsternissphäre des Lebens nicht existieren würde | 1676. Der Begriff "Hölle", dieser Gegensatz zum "Paradies", hat in den Ohren des Erdenmenschen keinen guten Klang und dabei ist die "Hölle" nur das kulminierende Resultat der speziellen Organstruktur des "höchsten Feuers" im leiblichen Körper dieses Wesens. Die "Hölle" ist infolgedessen eine völlig natürliche Erscheinung, ebenso gut wie das "Paradies". Sie ist das Resultat des Lebenserlebens mit Hilfe der dazu besonders vorgesehenen Sinnesorgane und Kreisläufe, die ihren Ursprung im "höchsten Feuer" haben und davon getragen werden. Wenn die feminine und maskuline Polstruktur des Erdenmenschen anders gewesen wären, dann wären sein Denken und seine Willensführung auch andersartig. Und wir hätten die "Hölle" nie in der kulminierenden Form gesehen, in der wir sie jetzt kennengelernt haben. Die Hölle ist also die Kulmination der Wahrnehmung des "Halbgeschlechtswesens". Ohne den "Halbgeschlechtszustand" könnte das Lebewesen unmöglich in eine Situation gebracht werden, in der es zur Lebensbedingung wurde, mit einem "Halbgeschlechtswesen" des anderen Geschlechts "ein Fleisch" zu werden, und ohne diese Lebensbedingung hätten ja weder der Selbsterhaltungstrieb, die Eifersucht, das Rivalisieren mit Wesen des eigenen Geschlechts, kurzum, Hass oder Lieblosigkeit entstehen können. Die Wurzel allen heutigen "Übels" wäre folglich eine Unmöglichkeit. Damit wäre jedoch eine Menge absolut lebenswichtiger Erfahrungen für das Lebewesen unerreichbar. Die "Hölle" ist ja keine "Strafanstalt", die irgendwo gelegen ist. Sie ist keine Äußerung von Zorn einer Gottheit oder eine Strafe für ein verübtes Unrecht. Wie wir aus früheren Analysen schon wissen, kann kein Lebewesen Unrecht erleiden und auch kein Unrecht tun. Nur durch die Nebelschleier der Primitivität und des Aberglaubens können illusorische Auffassungen dieser Art belebt werden. Dank des gleichen mentalen Nebeldunstes oder Aberglaubens wird die "Hölle" vom Erdenmenschen, ja sogar innerhalb der christlichen Weltreligion, "Verfluchung" genannt und als etwas "Teuflisches" oder "Satanisches" empfunden. Wenn aber die "Hölle", d.h. also alles, was unter den Begriff "mentale Finsternis" fällt, nicht existierte, wie würde wohl dann das, was mit dem Begriff "Bewusstsein" bezeichnet wird, aussehen? – Es gäbe überhaupt keine Möglichkeit, irgendetwas zu denken, es gäbe keine Möglichkeit, irgendwie die Intelligenz, die Intuition oder das Erinnerungsvermögen anzuwenden. Es gäbe keinerlei Möglichkeit, die Willensführung zu gebrauchen. Es gäbe überhaupt nichts für den Willen zu führen. Wenn jede mentale Finsternis aus dem Universum völlig entfernt würde, dann bliebe nur noch absolutes Licht zurück. Aber ein totales Licht gibt keine Kontraste, und der Lebenskünstler, d.h. das Ich im Lebewesen, wäre dann in der gleichen Lage wie ein Künstler, der nur eine Farbe hat. Ebenso wie ein solcher Künstler unmöglich ein Kunstwerk in Farben erzeugen kann, könnte ein Lebenskünstler unmöglich das Kunstwerk, das wir heute das "Lebewesen" nennen, erschaffen. Das Ich könnte sich ohne die "Hölle" keinesfalls selbst als "Lebewesen" erleben oder offenbaren. Das Lebenskunstwerk, das "Abbild Gottes", hätte niemals zu einer Realität werden können. Wenn man die "Hölle" oder die Finsternis aus irgendeinem Roman, einer Erzählung oder irgendeinem Märchen oder Schauspiel nähme, d.h. also, alle Schurken und deren finstere Taten aus der genannten literarischen Produktion entfernte, dann würde diese nur Sinnlosigkeit oder Chaos repräsentieren. Wie sollten die Wesen des Lichts oder die Helden dieser Dichtungen Helden sein können, wenn es weder finstere Taten noch Schufte gäbe? – Wie sollte der Mensch überhaupt von der "Weisheit" Besitz ergreifen können, wenn es keine Finsternis, keine Unmoral oder kein sogenanntes "Verbrechen" gäbe? – Die Weisheit ist ausschließlich das Erleben von Erfahrungen, das jede Tat der Finsternis letztendlich hervorruft. Die Weisheit ist eine Beschreibung der Wirkungen, die jedes Übertreten der Lebensgesetze verursacht. Jedes "heilige Buch", jede "Bibel", wäre völlig undenkbar, wenn die Finsternis nicht existierte. Wenn sich die Menschen nicht in der Finsternis befänden, könnten sie überhaupt keinem Licht entgegensehen, könnten sich nach keiner Befreiung sehnen und hätten nichts Schönes und Erhabenes, wofür sie leben könnten. Gäbe es keine Lieblosigkeit, wäre die Liebe gleichfalls undenkbar, denn nur anhand von Lieblosigkeit kann ja die Liebe offenbart werden. Ohne "Hölle" oder mentale Finsternissphäre des Lebens wäre jedes Erleben des Lebens eine Unmöglichkeit. |
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